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    Dunkelflaute erklärt: die schonungslose Analyse 2025

    9. September 2025
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    Energie-Realität statt Wunschdenken: Daten, Forschung und Praxis zeigen, wie Deutschland Dunkelflauten übersteht – bezahlbar, sicher und klimafreundlich.
    936 €/MWh, Rekordimporte, Streit mit Nachbarn: Ich erkläre, wie Dunkelflauten entstehen und welche Lösungen – von H2-ready bis CfDs – wirklich tragen.
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    1 Frühling 2025: Sonne da – aber der Wind blieb weg. Was steckt hinter dem schleppenden Einstieg?
    2 Der wunde Punkt heißt Wind – und März 2025 war der windärmste seit 1950
    3 Was heißt das im Alltag? Ein Reality-Check aus der Praxis
    4 Dunkelflaute – was ist das eigentlich?
    5 Zahlen, die weh tun: Rekordpreise 2024 – und warum die Korrektur wichtig ist
    6 Import als Sicherheitsnetz – aber kein Freifahrtschein
    7 Forschung statt Wunschdenken: Wie viel Speicher bräuchten wir wirklich?
    8 Der Ausbau geht weiter – aber er löst das Verfügbarkeitsproblem nicht allein
    9 Backup-Kapazitäten: „H2‑ready“ ist ein Versprechen – noch kein Ersatz
    10 Markt- und Netzdesign: Ohne Flexibilität kein Preis, der passt
    11 Und was bedeutet das für dich und mich – gerade als E‑Mobilist:innen?
    12 „Warum geht’s trotzdem so langsam?“ – eine ehrliche Ursachenliste
    13 Mein persönlicher Take: Realismus schlägt Romantik
    14 Quellen-Check in 60 Sekunden
    15 Fazit in einem Satz

    Frühling 2025: Sonne da – aber der Wind blieb weg. Was steckt hinter dem schleppenden Einstieg?

    Ich habe mich selten so über Sonnenschein gefreut – und gleichzeitig so oft aufs Windrad geschaut. Frühling 2025 war ein seltsames Bild: Photovoltaik brummte, doch die Windräder standen zu oft fast still. Ergebnis: In der ersten Jahreshälfte 2025 deckten erneuerbare Energien rund 54 % des Stromverbrauchs in Deutschland – ein Rückgang gegenüber 57 % im selben Zeitraum 2024. Das ist kein Bauchgefühl, das ist amtlich: Die vorläufigen Zahlen von ZSW/BDEW und Meldungen von Clean Energy Wire bestätigen diesen Rückgang, Hauptursache: historisch schwache Windmonate.

    Besonders deutlich wurde das im ersten Quartal: Erstmals seit zwei Jahren lagen fossile Quellen wieder vor den Erneuerbaren. Das war kein „Systemversagen“, sondern Wetter – aber eines mit Folgen. Wer in der Energiewende nur auf Durchschnittswerte schaut, übersieht die Extremwerte, die Entscheidungen, Kosten und Vertrauen prägen. Clean Energy Wire

     

    Der wunde Punkt heißt Wind – und März 2025 war der windärmste seit 1950

    Der Deutsche Wetterdienst meldete: März 2025 war der windärmste März seit Beginn der Auswertung im Jahr 1950. Auch Februar und April waren ungewöhnlich windarm. Die Folge: Windstromproduktion minus rund 17–18 % gegenüber 2024 – Onshore minus 18,3 %, Offshore minus 17,0 %. Damit kann selbst ein kräftiger Solarzuwachs nur bedingt gegenhalten. Umweltbundesamt+1Reuters

    Ja, die Sonne hat geliefert: Photovoltaik legte in H1/2025 je nach Quelle um etwa 23–27 % zu. Trotzdem reichte das nicht, um die Windlücke zu schließen – zumal auch die Wasserkraft wegen Trockenheit schwächelte (–29 %). Das zeigt: Wir haben kein Kapazitäts-, sondern ein Verfügbarkeitsproblem bei Wetterextremen. ReutersUmweltbundesamt

    Was heißt das im Alltag? Ein Reality-Check aus der Praxis

    Im April 2025 war Solar erstmals so früh im Jahr die stärkste Stromquelle. Klingt großartig – und ist es tagsüber auch. Doch am Abend kippt das Bild: Wenn die Sonne weg ist und der Wind schwach bleibt, steigen die Restlast und die Preise – dann springen Kohle- und Gaskraftwerke ein. Genau das sahen wir im Frühjahr: mehr fossile Erzeugung, weil Wind und Wasser fehlten. Batteriespeicher helfen bereits, aber die skalierten Langfristspeicher fehlen. Reuters+1

    Wenn du tiefer in E-Mobilität einsteigen willst (und hier mitdiskutieren möchtest), komm in unsere Community:
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    Dunkelflaute – was ist das eigentlich?

    „Dunkelflaute“ beschreibt Wetterlagen mit wenig Wind und wenig Sonne – oft über mehrere Tage. Das ist kein Modewort, sondern ein realer Systemtest: geringe Einspeisung bei gleichzeitig potenziell hoher Nachfrage. Laut DWD/Analysen traten in Deutschland zwischen 1995 und 2015 im Schnitt zwei solcher Mehrtagesereignisse pro Jahr auf. Besonders harte Fälle können bis zu acht Tage dauern – mit Einspeisung unter 10 % der installierten Leistung. Für die Energiewende bedeutet das: Ohne flexible Reserve (Speicher, steuerbare Erzeuger, Lastmanagement, Importe) wird es schnell unbequem. Wikipedia

    Zahlen, die weh tun: Rekordpreise 2024 – und warum die Korrektur wichtig ist

    Oft höre ich: „Im November 2024 schoss der Preis auf 936 €/MWh.“ Korrekt ist: Den Rekordwert von 936 €/MWh sahen wir am 12. Dezember 2024 im Day-Ahead (18–19 Uhr). Im November gab es allerdings ebenfalls extreme Stunden – bis rund 820 €/MWh. Das Muster dahinter war identisch: kalte, wind- und sonnenarme Lage, hohe Last, knappe Flexibilität. Die Bundesnetzagentur prüfte zudem, ob konventionelle Kraftwerke zu wenig einsprangen. Wichtig ist mir die Präzision, weil die Debatte sonst in Lagerdenken abrutscht. Fakten helfen uns, die richtigen Hebel zu setzen. FAZ.NETEL PAÍS EnglishAmprionStrom KnowHow GmbH

    Clean Energy Wire berichtete, dass die Behörde mögliche Marktmanipulation untersucht – eine heikle, aber notwendige Aufarbeitung. Parallel kritisierten Nachbarländer, dass deutsche Engpässe die Importpreise hochzogen. Wir hängen im europäischen Verbund – und das ist Chance und Verpflichtung zugleich. Clean Energy WireFrance 24

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    Import als Sicherheitsnetz – aber kein Freifahrtschein

    Während solcher Flauten importierte Deutschland zeitweise etwa 6 % des Stroms – der Rest kam aus heimischen Quellen, vor allem Gaskraft. Die Lebensader sind Interkonnektoren wie NordLink nach Norwegen. Aber: Auch dort ist die Kapazität endlich, und politische Spannungen zeigen, wie sensibel grenzüberschreitende Flüsse sind, wenn mehrere Länder gleichzeitig unter schwachem Wind leiden. Wer glaubt, „Import regelt das schon“, rechnet zu knapp. Strategic Energy EuropeWikipediaFinancial Times

    Forschung statt Wunschdenken: Wie viel Speicher bräuchten wir wirklich?

    Eine aktuelle Berliner Studie (Kittel, Roth & Schill) hat genau das durchgerechnet: Für extreme europäische Dunkelflauten setzt die Modellierung Langzeitspeicher in der Größenordnung von 3 % bis 7 % des Jahresverbrauchs an (159–351 TWh). Die Autoren zeigen auch: Das Extremereignis im Winter 1996/97 bestimmt die Speicherdimensionierung. Selbst bei perfekter europäischer Vernetzung bleibt substanzielle Langzeitspeicherkapazität nötig – weil Großwetterlagen mehrere Länder gleichzeitig betreffen. arXiv+1IDEAS/RePEc

    Meteorologisch betrachtet sind solche Flauten oft mit Blockwetterlagen verknüpft – inklusive „Greenland Blocking“. Genau das dämpft Wind und Solar großräumig und länger, als es unsere heutigen, stark kurzfristig ausgelegten Flexibilitäten abfangen können. arXiv

    Der Ausbau geht weiter – aber er löst das Verfügbarkeitsproblem nicht allein

    Es gibt auch gute Nachrichten: Deutschland genehmigte im ersten Halbjahr 2025 Rekordzahlen für Onshore-Wind – 7,8 GW. Das ist wichtig, kommt aber zeitverzögert ans Netz. Offshore dagegen: im ersten Halbjahr kein Zuwachs, die installierte Leistung stagnierte bei rund 9,2 GW. Und die zweite Offshore-Auktion 2025? Sie blieb ohne Gebote – ein deutliches Signal, dass das Auktionsdesign (Stichwort: negative Gebote) und Bankability überarbeitet werden müssen. Branchenstimmen fordern CfDs, um Investitionen abzusichern. Clean Energy WireReutersOffshore Wind

    Dass PV weiterzieht (H1/2025 +27 % Erzeugung) ist super – aber es adressiert primär den Tag. Die Nacht und mehrtägige Flauten bleiben die Achillesferse. Wer „einfach noch mehr PV“ ruft, beantwortet nicht die Frage, wie wir 5, 7 oder 10 zusammenhängende wind- und sonnenarme Tage überbrücken. Umweltbundesamt

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    Backup-Kapazitäten: „H2‑ready“ ist ein Versprechen – noch kein Ersatz

    Die Bundesregierung hat 2024 eine Kraftwerksstrategie beschlossen: Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke, anfangs im Umfang von rund 10 GW. Klingt pragmatisch – und ist es im Prinzip auch. Aber: Geschäftsmodelle, Aufbauzeiten, Netzanbindung, Wasserstoffverfügbarkeit und Kosten müssen zusammenpassen. Sonst steht im Winter 2030 die Reserve auf dem Papier, nicht im Kraftwerk. vdi-nachrichten.comEconomic Affairs Ministryfoes.de

    Gleichzeitig zeigen die Preisspitzen 2024, dass Regelungen zur Reserve und zum Markteingriff heikel sind. In der Diskussion steht, ob und wie Reservekapazitäten in Extremsituationen eingesetzt werden dürfen, ohne den Markt auszuhebeln – und ohne Verbraucher:innen zu schocken. Das ist kein Argument gegen die Energiewende, sondern eines für professionelles Marktdesign. Wikipedia

    Markt- und Netzdesign: Ohne Flexibilität kein Preis, der passt

    Was braucht’s konkret?

    Erstens: Langzeitspeicher. Batteriespeicher skalieren rasant und glätten den Tag‑Nacht‑Shift; sie ersetzen aber keine 7‑Tage‑Flaute. Hier kommen Wasserstoff-Kraftwerke, synthetische Speicher, Power‑to‑Heat/Power‑to‑Gas‑Ketten und (wo möglich) Pumpspeicher ins Spiel. Deutschland baut Batteriespeicher im GW‑Takt zu. Das ist gut – reicht aber allein nicht für Winterflauten. Reuters

    Zweitens: Bankable Erzeugung. Offshore-Wind wird dringend gebraucht – doch Auktionen ohne Bieter sind ein Warnsignal. CfDs senken Kapitalkosten und stabilisieren Erlöse. Andere Länder zeigen, wie’s geht. Deutschland diskutiert – sollte aber rascher entscheiden. Reuters

    Drittens: Interkonnektoren & Netz. NordLink, Hansa PowerBridge & Co. helfen, aber nur solange es anderswo Überschüsse gibt. Blockwetterlagen kennen keine Grenzen. Also: Netze ausbauen, Engpässe verringern – und realistisch einkalkulieren, dass auch unsere Nachbarn Prioritäten haben. WikipediaFinancial Times

    Viertens: Klares Backup-Mandat. Wir brauchen verlässliche, transparent vergütete Kapazität, die im Winter tatsächlich anspringt – und ein Regelwerk, das Preismissbrauch verhindert, aber Versorgung sichert. Ja, das kostet. Nicht handeln kostet mehr. Clean Energy Wire

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    Und was bedeutet das für dich und mich – gerade als E‑Mobilist:innen?

    Ich teste E‑Scooter, E‑Bikes, E‑Mopeds seit über zehn Jahren. Mein Alltag zeigt: Strom ist nicht gleich Strom. Wenn du smart lädst (mittags, wenn Sonne da ist), sparst du Geld und CO₂. Wenn du nachts oder in Flauten lädst, wird’s teurer und grauer. Ein paar handfeste Tipps:

    – Zeitfenster nutzen: Wenn möglich mittags laden. Viele Tarife bieten dynamische Preise – das lohnt sich.
    – Eigenverbrauch steigern: Balkon‑PV + Speicher? Für E‑Bike und E‑Scooter im Alltag Gold wert.
    – Community‑Ladepunkte: Im Freundeskreis oder im Haus Verbundlösungen nutzen, Lastspitzen vermeiden.
    – Apps & Automation: Lade-Apps und Wallbox‑Zeitpläne helfen, Flauten zu umfahren.

    Die Politik schuldet uns den Rahmen. Wir selbst können heute schon ein Stück cooler laden.

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    „Warum geht’s trotzdem so langsam?“ – eine ehrliche Ursachenliste

    Speichermangel & fehlende Backup-Kapazitäten
    Ohne investitionssichere Reserve wird’s in der Krise eng. Deutschland ringt damit, konventionelle Kapazitäten geordnet in eine klimaverträgliche Backup‑Rolle zu überführen – und sie in Flauten auch wirklich einzusetzen. Wikipedia

    Importabhängigkeit
    Im Winter kann Europa‑weit Flaute sein. Dann helfen Interkonnektoren nur bedingt. Zeitweise 6 % Importe sind ok – aber nicht als Dauerstrategie. Strategic Energy Europe

    Systemplanung
    Die Forschung sagt klar: Dunkelflauten gehören in jedes Modell – über mehrere Wetterjahre. Sonst unterschätzen wir Speicher- und Flexibilitätsbedarf. arXiv

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    Politische Hemmungen
    Auktionen ohne Bieter, Preisspitzen mit Ermittlungen, Ärger mit Nachbarn – alles Symptome. Wir brauchen schnellere, klarere Entscheidungen. CfDs, Kapazitätsvergütung, Netzausbau, Speicherförderung – mit Zeitplan. Reuters

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    Mein persönlicher Take: Realismus schlägt Romantik

    Ich liebe erneuerbare Energien – weil sie funktionieren, wenn man sie richtig denkt. 2025 hat uns nicht gezeigt, „dass Erneuerbare scheitern“, sondern wo die Lücken liegen:

    – Speicher in allen Zeitskalen (von Minuten bis Wochen).
    – Steuerbare, saubere Backups, die wirklich anfahren – H₂‑ready, aber bitte auch wirtschaftlich abgesichert.
    – Ein Marktdesign, das Flexibilität bezahlt (CfDs, Kapazitätsmechanismen, Netzentgelte mit Hirn).
    – Transparenz bei Reserve und Einsatz – damit Vertrauen wächst, nicht Misstrauen.
    – Europäische Kooperation, ohne naiv zu sein, was gleichzeitige Flauten angeht.

    Ich möchte, dass wir 2030 zurückschauen und sagen: „2025 war der Weckruf – und wir haben die richtigen Hausaufgaben gemacht.“

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    Quellen-Check in 60 Sekunden

    – H1/2025: 54 % Anteil Erneuerbare am Stromverbrauch; Wind schwach, PV stark. BDEWUmweltbundesamt
    – Windrückgang: Onshore –18,3 %, Offshore –17 % (YoY). PV +23 %. Reuters
    – Solar-Rekord im April; Batteriespeicherzubau im Trend. Reuters
    – Onshore-Genehmigungen: 7,8 GW in H1/2025. Offshore: keine neuen Kapazitäten ans Netz; 9,2 GW Bestand. Clean Energy WireReuters
    – Dunkelflaute-Fakten: Definition, Häufigkeit, 1995–2015 ca. zwei Mehrtagesereignisse/Jahr; Dezember 2024 Preisrekord 936 €/MWh. Wikipedia+1
    – Importe: In Flauten zeitweise ≈ 6 % des Bedarfs. Strategic Energy Europe
    – Speicherbedarf: DIW‑Studien (Kittel & Schill): 3–7 % Jahresverbrauch als Langzeitspeicher für Extremereignisse. arXiv

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    Fazit in einem Satz

    Die Energiewende ist kein Sprint, sondern Systemarbeit – und 2025 hat uns unmissverständlich gezeigt, dass Verfügbarkeit, Speicher und Backup jetzt die Top‑3‑To‑Dos sind, damit dem Traum von 100 % Erneuerbaren nicht regelmäßig der Wind ausgeht.

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