Marode Infrastruktur bremst E‑Bike-Pendler in Berlin
Immer mehr Berlinerinnen und Berliner fahren E‑Bike, doch nur wenige pendeln damit ins Zentrum. Als Hauptgründe nennen Pendlerinnen und Pendler kaputte oder fehlende Radwege, unübersichtliche Kreuzungen, ausbremsende Ampelschaltungen sowie zu schmale Streifen ohne sicheren Überholraum. Besonders an den Stadträndern zwingen Buckelpisten viele auf die Fahrbahn – mit dicht auffahrenden Autos als zusätzlichem Risiko. 94 Prozent aller Arbeitswege per Fahrrad in Deutschland liegen unter zehn Kilometern; E‑Bikes eröffnen zwar längere Distanzen, doch die Infrastruktur hält nicht Schritt. Der Pedelec‑Bestand hat sich 2020 bis 2025 auf 17,2 Millionen verdoppelt, 2023 überholten E‑Bikes erstmals klassische Fahrräder im Verkauf.
Radschnellwege weitgehend gestoppt – 2026 Tiefstand beim Ausbau
Berlin plante bis 2030 mindestens 100 Kilometer Radschnellverbindungen. Realisiert werden vorerst nur knapp 14 Kilometer. Von zehn vorgesehenen Routen bleibt aktuell lediglich die Trasse von Wannsee über Königs- und Kronprinzessinnenweg nach Halensee (parallel zur Avus) im Bau – dort vervierfachten sich die kalkulierten Kosten von 6,4 auf 25,2 Millionen Euro. 2026 sollen berlinweit lediglich 8,1 Kilometer neue Radwege entstehen – ein neuer Tiefstand. Laut Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) fehlen Geld und Personal; vorrangig müssten Brücken, Uferwände und Straßen erhalten werden. Zudem will der Senat die Pflicht zu getrennten Fahrradstreifen an Hauptstraßen lockern; teils sollen geschützte Streifen, etwa an der B1 vor dem Botanischen Garten, wieder verschwinden.
Sicherheit: Mindestabstände oft missachtet, Unfallzahlen steigen
Ein Forschungsprojekt der TH Wildau zeigt: Bei etwa der Hälfte der Überholvorgänge werden die gesetzlichen Mindestabstände (1,50 m innerorts, 2,0 m außerorts) nicht eingehalten. Bundesweit war 2025 jeder sechste Verkehrstote ein Radfahrender; auffällig ist, dass knapp die Hälfte der getöteten Radfahrenden auf einem E‑Bike unterwegs war. In einer 2024er Umfrage von Bundesverkehrsministerium und ADFC gaben 88 Prozent der Befragten in Berlin an, sich im Straßenverkehr nicht sicher zu fühlen; die Qualität der Radwege erhielt die Schulnote 5.
Pendlerpotenzial vorhanden – aber Lücken im Netz bremsen
Innerhalb Berlins pendeln 15 bis 17 Prozent mit dem Rad, meist über kurze Strecken; aus dem Umland und den Außenbezirken sind es nur 5,6 Prozent. Studien deuten darauf hin, dass E‑Bikes längere Wege ermöglichen. Evaluierungen aus Kopenhagen zeigen, dass Radschnellwege messbar Verkehr vom Auto aufs Rad verlagern können. In Berlin jedoch bleiben Hauptrouten lückenhaft und sanierungsbedürftig – ein zentrales Hemmnis für das E‑Bike‑Pendeln.
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