Wenn ein alter Derny plötzlich aus der Zukunft kommt
Es gibt Fahrzeuge, bei denen man schon beim ersten Blick merkt: Das ist kein normales Testgerät. Kein üblicher E-Scooter, kein klassisches E-Bike, kein Serienmodell mit Marketingtext und Datenblatt-Romantik. Dieses Ding hier hat Geschichte. Es hat Charakter. Und es sieht aus, als hätte jemand ein Stück alten Radsport genommen, es in eine Kieler Manufaktur geschoben und gesagt: „Macht da mal bitte Zukunft draus.“
Genau das ist bei Scuddy passiert.
Die Kieler Fahrzeugmanufaktur hat im Kundenauftrag einen klassischen Derny elektrifiziert. Also so ein Fahrzeug, das man aus dem Radsport kennt, normalerweise mit Zweitaktmotor, Benzingeruch, Lärm, Vibrationen und einer ganz eigenen Aura. Und jetzt steht da plötzlich ein E-Derny. Mit eigenem Display, eigener Steuerung, eigener Software, angepasstem Motor, Controller-Abstimmung und einem selbst aufgebauten Akku mit 52 Volt und 70 Ah.
Rechnerisch sprechen wir damit über rund 3,64 kWh Akkukapazität. Und dann kommt der eigentliche Hammer: bis zu 8 kW Leistung auf dem Hinterrad.
Das ist kein Spielzeug. Das ist auch kein „wir bauen mal eben einen Motor ein“-Projekt. Das ist Prototyping, Engineering und Manufakturarbeit in einem. Und genau deshalb passt diese Geschichte so gut zu Scuddy.
Mehr zu Scuddy findet ihr hier:
https://www.scuddy.de/moin
Unser Testvideo zum E-Derny findet ihr hier:
https://youtu.be/2hczLRB1iSY
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Was ist ein Derny überhaupt?
Bevor wir über den elektrischen Umbau sprechen, muss man einmal verstehen, was ein Derny eigentlich ist. Denn das ist kein normales Moped. Und auch kein Fahrrad mit Hilfsmotor im heutigen Sinne.
Ein Derny ist historisch ein motorisiertes Schrittmacherfahrzeug aus dem Radsport. Es wurde dafür gebaut, Radrennfahrer im Windschatten zu führen. Der Fahrer des Derny fährt vorne, der Rennradfahrer hängt wenige Zentimeter dahinter im Windschatten und kann dadurch deutlich höhere Geschwindigkeiten fahren, als es alleine möglich wäre. Der Guardian beschreibt den Derny im Kontext des Keirin-Radsports als motorisiertes Fahrrad, das den Windschatten für die folgenden Fahrer erzeugt.
Der Name „Derny“ geht auf Roger Derny und seine Firma in Frankreich zurück. Die ersten Dernys wurden 1938 für das legendäre Rennen Bordeaux–Paris gebaut. Cycling Weekly beschreibt den Derny als das erste motorisierte Fahrrad, das speziell für das Pacing von Radfahrern entwickelt wurde. Die originalen Fahrzeuge arbeiteten mit 98-ccm-Zweitaktmotoren und einer auffälligen Kombination aus Motorleistung und aktivem Pedalieren des Derny-Fahrers.
Und genau das macht den Derny so besonders: Er war nie einfach nur ein kleines Motorrad. Er war ein Werkzeug für Geschwindigkeit, Rhythmus und Vertrauen.
Der Rennfahrer hinter dem Derny musste sich darauf verlassen können, dass der Vordermann sauber beschleunigt, gleichmäßig fährt und keine hektischen Bewegungen macht. Ein Derny war im Grunde ein rollender Taktgeber. Er war Motor, Windschutz, Motivator und manchmal auch mentaler Anker.
Im Radsport war diese Verbindung zwischen Derny-Fahrer und Rennfahrer fast schon eine eigene Kunstform.
Bordeaux–Paris: Der Derny kommt aus einer brutalen Radsportwelt
Wenn man heute über Reichweite, Komfort und Alltagstauglichkeit spricht, klingt das alles sehr modern. Aber der Ursprung des Derny liegt in einer viel härteren Welt.
Bordeaux–Paris war eines der großen Langstreckenrennen der Radsportgeschichte. Es wurde erstmals 1891 ausgetragen und galt als extrem langes, gnadenloses Rennen. Cycling Revealed beschreibt Bordeaux–Paris als „Derby of the Road“, bei dem über die Jahrzehnte verschiedene Formen des Pacings genutzt wurden: Fahrräder, Tandems, Autos, Motorräder und später der Derny.
Man muss sich das einmal vorstellen: Fahrer, die stundenlang unterwegs waren, oft durch die Nacht, auf schlechten Straßen, mit damaligem Material, ohne heutigen Komfort, ohne moderne Ernährungskonzepte, ohne die ganze Hightech-Betreuung, die wir heute kennen.
Und dann kam der Moment, an dem der Derny ins Spiel kam. Plötzlich wurde aus Überleben wieder Rennen. Aus Müdigkeit wurde Tempo. Aus Einsamkeit wurde Windschatten.
Die Dernys ermöglichten kontrollierte Geschwindigkeit. Das war wichtig, weil der Radfahrer dahinter extrem dicht auffuhr. Cycling Weekly beschreibt, dass die Kombination aus Motor, Pedalen und feinfühligem Gasgeben die Beschleunigung und Verzögerung besonders geschmeidig machte – entscheidend, wenn der Fahrer dahinter nur wenige Zentimeter Abstand hatte.
Und genau hier wird die Elektrifizierung spannend.
Denn wenn ein klassischer Derny vor allem von gleichmäßigem Schub, sauberer Dosierbarkeit und kontrollierter Leistung lebt, dann ist ein Elektroantrieb theoretisch fast perfekt geeignet. Kein Gangwechsel-Gehacke, kein Zweitakt-Geknatter, kein Abgas im Gesicht des Fahrers dahinter. Stattdessen Drehmoment, Software, Controller-Logik und präzise Leistungsabgabe.
Aber Theorie ist das eine. Ein echter Umbau ist etwas ganz anderes.
Der Scuddy E-Derny: Ein Kundenauftrag mit richtig Tiefgang
Der E-Derny von Scuddy ist kein Serienfahrzeug. Und genau das ist wichtig. Hier geht es nicht darum, dass Scuddy morgen einen E-Derny-Konfigurator auf die Webseite stellt und jeder sich mal eben so ein Teil bestellt.
Es geht um einen Kundenauftrag. Um ein Einzelprojekt. Um die Frage: Kann man ein historisches, mechanisches, benzingetriebenes Radsportfahrzeug so elektrifizieren, dass es seinen Charakter behält, aber technisch in die Gegenwart springt?
Die Antwort steht auf den Bildern ziemlich klar da: Ja, man kann.
Aber man muss wissen, was man tut.
Scuddy hat für diesen Umbau nicht einfach irgendeinen Motor drangeschraubt. Nach den Informationen aus dem Projekt wurde ein eigenes Display integriert, eine eigene Steuerung umgesetzt, die Software angepasst, der Motor abgestimmt, der Controller angepasst und ein eigener Akku aufgebaut. 52 Volt, 70 Ah, rund 3,64 kWh und bis zu 8 kW Leistung auf dem Hinterrad.
Das ist eine Ansage.
Gerade bei einem Fahrzeug wie einem Derny ist diese Leistung nicht nur eine Zahl für die Überschrift. 8 kW auf dem Hinterrad bedeuten enorme Kräfte im Antrieb. Das bedeutet Belastung für Rahmen, Rad, Achse, Controller, Kabel, Akku, Befestigungen und Kühlung. Das bedeutet aber auch: Wenn man diese Leistung sauber kontrollieren kann, entsteht ein völlig neues Fahrgefühl.
Nicht dieses hektische „An-Aus“-Gefühl, das man bei schlecht abgestimmten Umbauten manchmal erlebt. Sondern ein definierter, regelbarer Schub. Genau darum geht es bei einem Derny: nicht um brutales Losreißen, sondern um kontrollierte Führung.
Und da wird Scuddy spannend.
Warum Scuddy für so ein Projekt Sinn ergibt
Ich kenne Scuddy nicht erst seit gestern. Und genau deshalb finde ich diesen E-Derny auch so interessant. Scuddy ist eben nicht nur ein Händler, der Kartons verkauft. Scuddy ist eine Fahrzeugmanufaktur aus Kiel, die eigene Fahrzeuge entwickelt, fertigt, anpasst und weiterdenkt.
Auf der offiziellen Scuddy-Seite wird die Geschichte der Gründer Tim Ascheberg und Jörn Jacobi beschrieben: gemeinsames Abitur, Maschinenbaustudium, BWL-Master, Formula Student Raceyard Team und schließlich die Entwicklung eines faltbaren, leistungsstarken Elektrorollers mit Straßenzulassung.
Das merkt man auch bei solchen Projekten. Ein E-Derny braucht nicht nur Schrauberleidenschaft. Er braucht Fahrzeugverständnis. Er braucht Elektrotechnik. Er braucht Software. Er braucht ein Gefühl dafür, wie ein Fahrzeug später wirklich benutzt wird.
Scuddy baut mit dem SlimV4, dem Premium und dem Premium QUAD eigene Fahrzeuge. Der SlimV4 wird von Scuddy als neueste Version der Einstiegsklasse beschrieben, die über zwei Jahre entwickelt wurde und unter anderem in unterschiedlichen Zulassungsvarianten erhältlich ist.
Der scuddy Premium wird als dreirädriger Elektroroller „made in Kiel“ beschrieben, mit eigenem Antriebssystem, konfigurierbaren Leistungsstufen, Farb-Touchdisplay und Manufakturfertigung in Kiel.
Und beim scuddy Premium QUAD wird noch deutlicher, wie stark Scuddy im Bereich individueller Mobilität denkt. Scuddy schreibt selbst, dass die Premium-Modelle in der Manufaktur in Kiel gefertigt und in Handarbeit aufgebaut werden.
Genau diese DNA sieht man im E-Derny.
Mehr über Scuddy und die Manufaktur:
https://www.scuddy.de/moin
Manufaktur heißt nicht Nostalgie – Manufaktur heißt Verantwortung
Das Wort Manufaktur wird heute schnell benutzt. Manchmal klingt es nach Marketing. Nach Holzschild, Kaffee, Retro-Look und ein bisschen „handgemacht“. Aber bei Fahrzeugen bedeutet Manufaktur etwas anderes.
Es bedeutet Verantwortung.
Wenn du ein Fahrzeug baust oder umbaust, dann reicht es nicht, dass es gut aussieht. Es muss funktionieren. Es muss sicher funktionieren. Es muss reproduzierbar funktionieren. Und wenn es nicht funktioniert, muss man verstehen, warum.
Gerade beim E-Derny ist das entscheidend. Ein historisches Fahrzeug, das ursprünglich für einen Verbrenner gedacht war, wird nicht automatisch besser, nur weil man einen E-Antrieb einbaut. Im Gegenteil: Ein schlechter Elektro-Umbau kann gefährlich werden.
Warum?
Weil ein Elektromotor sofort Drehmoment liefern kann. Weil ein großer Akku enorme Energiemengen speichert. Weil Controller falsch abgestimmt sein können. Weil Kabelquerschnitte, Kühlung, Rekuperation, Gasannahme und Notabschaltung nicht egal sind.
Ein E-Derny mit 8 kW am Hinterrad ist kein Bastelprojekt für den Hobbykeller. Das ist ein technisches System.
Und genau deshalb ist es spannend, dass Scuddy neben den eigenen Fahrzeugen auch Powertrain-Themen, Prototyping und OEM-Lösungen abbildet. Auf der Scuddy-Powertrain-Seite wird ein modulares Antriebssystem beschrieben, das mit Display-, Controller-, Akku- und Motoreinheiten arbeitet und auf individuelle Anforderungen anderer OEMs ausgelegt werden kann.
Das ist der Punkt: Scuddy denkt nicht nur in fertigen Fahrzeugen, sondern in Systemen.
Und ein E-Derny ist am Ende genau das: ein System.
Der Akku: 52 Volt, 70 Ah und die Frage nach echter Nutzbarkeit
Ein Akku mit 52 Volt und 70 Ah klingt erst einmal wie eine Zahl für Technikfans. Aber dahinter steckt mehr.
52 Volt sind im Bereich leistungsfähiger Klein-Elektromobilität durchaus interessant, weil man damit mehr Leistung bei niedrigeren Strömen darstellen kann als bei niedrigeren Spannungslagen. 70 Ah sind für ein Fahrzeug dieser Art ordentlich dimensioniert. Rechnerisch sind das 52 V × 70 Ah = 3640 Wh, also rund 3,64 kWh.
Zum Vergleich: Viele legale E-Scooter in Deutschland bewegen sich irgendwo zwischen 400 und 1000 Wh. Leistungsstarke E-Bikes oft zwischen 500 und 1000 Wh. Dieser E-Derny liegt also in einer völlig anderen Liga.
Aber Kapazität allein ist nicht alles.
Wichtig ist, ob der Akku die Leistung auch liefern kann. Ob das BMS mitspielt. Ob die Zellen thermisch sauber bleiben. Ob die Kabel und Steckverbindungen geeignet sind. Ob das Gehäuse stabil ist. Ob die Befestigung zum Fahrzeug passt. Und ob das Ganze später im realen Einsatz nicht nur einmal spektakulär funktioniert, sondern zuverlässig.
Das ist für mich der Unterschied zwischen Show-Umbau und ernsthaftem Prototyping.
Ein Show-Umbau fährt einmal vor die Kamera, macht Geräusche, beeindruckt kurz und verschwindet wieder. Ein ernsthafter Prototyp zeigt, was technisch möglich ist – und lässt gleichzeitig erkennen, dass jemand über Belastung, Software, Integration und Bedienbarkeit nachgedacht hat.
Beim Scuddy E-Derny wirkt genau das wie der Kern der Sache.
Eigenes Display, eigene Steuerung, eigene Software: Das ist der eigentliche Wert
Viele sehen bei solchen Projekten zuerst Motorleistung. Ich verstehe das. 8 kW am Hinterrad klingt einfach brutal. Das ist die Zahl, die hängen bleibt.
Aber der eigentliche Wert liegt woanders: in der Steuerung.
Ein eigenes Display bedeutet, dass der Fahrer Informationen bekommt, die zum Fahrzeug passen. Nicht irgendein Standarddisplay, das zufällig Spannung und Geschwindigkeit zeigt. Sondern eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.
Eine eigene Steuerung bedeutet, dass Gasannahme, Leistungsabgabe, Schutzfunktionen und Fahrmodi logisch angepasst werden können.
Eigene Software bedeutet, dass man das Fahrzeug nicht dem Zufall überlässt.
Und genau das ist bei einem Derny wichtig. Denn ein Derny muss nicht nur schnell sein. Er muss feinfühlig sein.
Ein historischer Zweitakter hat seinen Charme. Keine Frage. Der Sound, der Geruch, die mechanische Rauheit – das gehört zur Geschichte. Aber im praktischen Einsatz kann ein Elektro-Derny Vorteile haben: weniger Lärm, keine Abgase, sofort verfügbares Drehmoment, präzise Regelbarkeit, weniger klassische Verbrennerwartung.
Die spannende Frage lautet also nicht: Ist Elektro „besser“ als der alte Derny?
Die bessere Frage lautet: Kann Elektro den Zweck eines Derny sogar sauberer erfüllen?
Ich glaube: Ja, wenn die Abstimmung stimmt.
Und genau da kommt wieder Scuddy ins Spiel.
Warum der E-Derny emotional funktioniert
Ich bin ehrlich: Rein rational könnte man sagen, dass so ein Projekt völlig verrückt ist.
Wer braucht einen elektrischen Derny? Wie groß ist der Markt? Wie viele Menschen wissen überhaupt, was ein Derny ist? Und wie viele davon wollen einen Umbau mit 52V, 70Ah und 8 kW?
Das sind berechtigte Fragen.
Aber sie greifen zu kurz.
Solche Projekte sind nicht nur Produkte. Sie sind Beweise. Sie zeigen, was eine Manufaktur kann. Sie zeigen, ob ein Unternehmen nur Prospekte schreibt oder wirklich baut. Sie zeigen, ob Elektromobilität nur aus Standardware besteht oder ob es noch Menschen gibt, die Sonderlösungen entwickeln.
Und genau deshalb finde ich diesen E-Derny so stark.
Er verbindet Radsportgeschichte mit moderner Elektrotechnik. Er zeigt, dass Scuddy nicht nur die eigenen Fahrzeuge wie SlimV4, Premium und Premium QUAD weiterentwickelt, sondern auch individuelle technische Aufgaben lösen kann. Er zeigt, dass eine deutsche Manufaktur in Kiel nicht nur „Made in Germany“ auf ein Schild schreibt, sondern tatsächlich in der Werkstatt steht und Sonderfahrzeuge umsetzt.
Das ist für mich der emotionale Kern dieser Geschichte.
Nicht: „Wow, 8 kW.“
Sondern: „Wow, da hat jemand verstanden, was dieses Fahrzeug einmal war – und daraus etwas Neues gemacht.“
Unser Video dazu:
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Scuddy Premium, Scuddy QUAD und SlimV4: Die eigene Fahrzeugwelt dahinter
Damit man den E-Derny richtig einordnen kann, muss man auch verstehen, was Scuddy sonst macht.
Der Scuddy Premium ist ein dreirädriges Elektrofahrzeug, das sich je nach Konfiguration sehr unterschiedlich nutzen lässt. Auf der offiziellen Seite beschreibt Scuddy den Premium als weiterentwickelten dreirädrigen Elektroroller „made in Kiel“, mit eigenem Antriebssystem, konfigurierbaren Akkus und unterschiedlichen Geschwindigkeitsversionen.
Der Scuddy Premium QUAD geht noch einen Schritt weiter in Richtung Mobilitätshilfe und Alltagsmobilität. Er fährt auf vier Rädern, ist faltbar, konfigurierbar und wird ebenfalls in Kiel gefertigt. Scuddy nennt beim QUAD unter anderem bis zu 1500 W Antriebsleistung, bis zu 100 km Reichweite, 200 kg Zuladung und eine Fertigung der Premium-Modelle in der Kieler Manufaktur.
Der SlimV4 wiederum ist die Einstiegsklasse, aber ebenfalls kein einfacher Standardroller. Scuddy beschreibt ihn als neu aufgebautes Fahrzeug mit hydraulischen Scheibenbremsen, Blinkern, Rekuperation und unterschiedlichen Zulassungsvarianten.
Warum ist das für den E-Derny wichtig?
Weil man daran erkennt, dass Scuddy nicht nur einen Umbau als isoliertes Einzelprojekt betrachtet. Das Unternehmen hat Erfahrung mit Fahrwerken, Akkus, Steuerungen, Displays, Zulassungsfragen, Bedienkonzepten und Seriennähe. Und genau diese Erfahrung fließt in Prototypen ein.
Das ist ein großer Unterschied zu einem reinen Custom-Umbau, der zwar spektakulär aussieht, aber technisch nie über den Showroom hinauskommt.
Prototyping und OEM: Der unterschätzte Teil von Scuddy
Ich glaube, viele unterschätzen, wie wichtig Prototyping in der Elektromobilität ist.
Wir reden ständig über fertige Fahrzeuge. Über Preise. Über Reichweite. Über Rabattcodes. Über Tests. Über Datenblätter. Aber bevor ein Fahrzeug überhaupt ein Produkt wird, gibt es eine Phase, in der nichts selbstverständlich ist.
Da geht es um Fragen wie:
Passt der Motor zum Einsatzzweck?
Kann der Controller die Leistung sauber regeln?
Ist das Display verständlich?
Wie verhält sich der Akku unter Last?
Wie wird das Fahrzeug geladen?
Wie wird es transportiert?
Wie wird es gewartet?
Wie lässt sich das Ganze später in kleinen oder größeren Stückzahlen bauen?
Scuddy bietet laut eigener Darstellung im Powertrain-Bereich modulare Antriebskomponenten an, die auch für andere OEM-Anwendungen gedacht sind. Dazu gehören Display- und Kommunikationseinheiten, Motormanagement, Akku-/Batteriemanagement und ein BLDC-Motor-Konzept.
Das klingt erst einmal trocken. Aber genau das ist die Grundlage für Projekte wie den E-Derny.
Denn der eigentliche Job ist nicht, einen Motor zu kaufen. Der eigentliche Job ist, alle Komponenten so zusammenzubringen, dass ein Fahrzeug entsteht.
Und das ist verdammt schwer.
Kritische Einordnung: Nicht jeder Prototyp ist automatisch eine Revolution
So begeistert ich von diesem E-Derny bin, man muss trotzdem kritisch bleiben.
Ein Prototyp ist ein Prototyp. Er zeigt eine technische Möglichkeit. Er ist aber nicht automatisch ein Serienprodukt, nicht automatisch alltagstauglich, nicht automatisch zulassungsfähig und nicht automatisch wirtschaftlich skalierbar.
Gerade bei einem Fahrzeug mit dieser Leistung muss man sauber unterscheiden: Wo darf so etwas fahren? Unter welchen Bedingungen? Mit welcher Abnahme? Mit welchem Sicherheitskonzept? Für welchen Einsatzzweck?
Das ist kein Fahrzeug, das man einfach mit einem normalen E-Bike vergleichen sollte. Und es ist auch kein klassischer E-Scooter. Es ist ein Sonderfahrzeug, ein Umbau, ein technisches Einzelstück mit Geschichte.
Aber genau das macht es nicht weniger wertvoll.
Im Gegenteil.
Solche Projekte zeigen, welche Kompetenzen in einer Manufaktur vorhanden sind. Sie zeigen, wie flexibel ein Team ist. Sie zeigen, ob jemand technische Aufgaben ernst nimmt oder nur Teile zusammenschraubt.
Und beim Scuddy E-Derny sehe ich vor allem eines: Da steckt Know-how drin.
Trotzdem muss man ehrlich sagen: Der Reiz solcher Fahrzeuge darf nie über die Verantwortung gestellt werden. Leistung ist nur dann beeindruckend, wenn sie beherrschbar bleibt. Ein 8-kW-Hinterradantrieb ist kein Gag. Das muss sauber abgestimmt, getestet und sicher betrieben werden.
Genau deshalb ist der Kontext so wichtig: Scuddy ist keine Hinterhofbude, sondern eine Fahrzeugmanufaktur mit eigener Entwicklung, eigenen Produkten und Erfahrung im Bereich Klein-Elektromobilität.
Warum Deutschland mehr solche Werkstattgeschichten braucht
Ich sage es ganz offen: In Deutschland reden wir oft viel zu viel über Probleme und viel zu wenig über Menschen, die Lösungen bauen.
Wir diskutieren über Verbote, Vorschriften, Förderungen, Bürokratie und Marktanteile. Alles wichtig. Aber manchmal vergisst man dabei, dass Innovation nicht in PowerPoint-Präsentationen entsteht. Sie entsteht in Werkstätten. In Manufakturen. An Fahrzeugen, die erst einmal absurd wirken.
Ein elektrifizierter Derny ist genau so ein Projekt.
Er wird nicht die Mobilitätswende alleine retten. Er wird nicht morgen millionenfach verkauft. Er wird wahrscheinlich nicht einmal ein Massenprodukt.
Aber er zeigt, was möglich ist.
Und das ist wichtig.
Denn Elektromobilität darf nicht nur aus standardisierten Massenprodukten bestehen. Sie braucht auch Sonderlösungen. Reha-Mobilität. Gewerbelösungen. Tourismusfahrzeuge. Prototypen. Umbauten. Powertrains. Kleine Serien. Einzelanfertigungen. Fahrzeuge für Menschen, die nicht in die üblichen Schubladen passen.
Scuddy arbeitet genau in diesem Feld. Und das macht die Marke interessant.
Wer sich Scuddy anschauen möchte:
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Mein persönliches Fazit zum Scuddy E-Derny
Der E-Derny von Scuddy ist für mich eines dieser Fahrzeuge, bei denen man sofort merkt: Das ist mehr als Technik.
Das ist Radsportgeschichte. Das ist Elektromobilität. Das ist Handwerk. Das ist Software. Das ist Manufaktur. Und ja, es ist auch ein bisschen Wahnsinn.
Aber genau dieser Wahnsinn fehlt uns oft.
Wir brauchen Menschen und Firmen, die Dinge ausprobieren. Nicht blind, nicht verantwortungslos, nicht nach dem Motto „Hauptsache mehr Leistung“, sondern mit technischem Verständnis und Respekt vor dem Ursprung.
Ein Derny ist kein normales Fahrzeug. Es ist ein Stück Radsportkultur. Und wenn man so etwas elektrifiziert, sollte man nicht einfach den alten Charakter auslöschen. Man sollte ihn übersetzen.
Genau das scheint Scuddy hier gelungen zu sein.
Aus dem Zweitakter wird ein Elektro-Prototyp. Aus Lärm wird kontrollierter Schub. Aus alter Mechanik wird moderne Steuerung. Aus einem historischen Schrittmacher wird ein elektrisches Sonderfahrzeug mit 52V, 70Ah und bis zu 8 kW am Hinterrad.
Das ist verrückt.
Aber es ist die gute Art von verrückt.
Und genau deshalb gehört diese Geschichte erzählt.
Das komplette Video zum Scuddy E-Derny findet ihr hier:
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