Ultraviolette X-47 auf IMOT vorgestellt – Erstes Crossover-E-Motorrad mit integriertem Radar
Auf der Internationalen Motorrad Ausstellung (IMOT) in München hat der indische Hersteller Ultraviolette im Februar 2026 sein neuestes Modell präsentiert: die X-47 Crossover. Das Elektromotorrad ist das erste seiner Klasse mit integriertem Radar- und Kamerasystem und markiert einen wichtigen Schritt für die Marke auf dem deutschen Markt. Nach dem erfolgreichen Start der F77-Modelle im Jahr 2025 zeigt Ultraviolette mit der X-47, dass Elektromobilität im Motorradbereich längst über reine City-Bikes hinausgeht.
Die X-47 Crossover verbindet Adventure- und Touring-Eigenschaften mit modernster Sicherheitstechnik. Während etablierte Hersteller beim Thema Elektroantrieb weiterhin zögern, setzt Ultraviolette auf konsequente Innovation – und das zu einem Preis, der europäische Konkurrenten unter Druck setzen dürfte. Doch was steckt wirklich hinter dem Hype um das erste Radar-Elektromotorrad?
Technische Highlights der Ultraviolette X-47
Das zentrale Alleinstellungsmerkmal der X-47 Crossover ist das UV HyperSense-System – eine Kombination aus Heck-Radar und Front-Kamera. Diese Technologie ist im Segment der elektrischen Crossover- und Adventure-Bikes bislang einzigartig. Das Radarsystem überwacht den rückwärtigen Verkehr und warnt den Fahrer vor herannahenden Fahrzeugen, während die Frontkamera Gefahrensituationen erkennen und dokumentieren kann.
Ultraviolette bewirbt die X-47 als erstes E-Motorrad mit diesem integrierten Sicherheitspaket. Während Radar- und Kameratechnik im Automobilbereich längst Standard ist, bleibt sie bei Motorrädern – ob elektrisch oder mit Verbrenner – noch selten. Nur wenige Premium-Modelle wie die Ducati Multistrada V4 oder BMW R 1300 GS bieten vergleichbare Assistenzsysteme. Dass Ultraviolette diese Technik in einem elektrischen Crossover-Bike verbaut, unterstreicht den Anspruch der Marke, technologisch führend zu sein.
Leistung und Reichweite
Die genauen technischen Daten zur Deutschland-Version wurden auf der IMOT noch nicht vollständig veröffentlicht. Aus der indischen Markteinführung sind jedoch bereits Eckdaten bekannt: Die X-47 bietet eine bemerkenswerte Reichweite von bis zu 323 Kilometern – ein Wert, der viele etablierte Elektromotoräder deutlich übertrumpft. Zum Vergleich: Die Zero SR/F schafft rund 320 Kilometer unter idealen Bedingungen, die Energica Experia bis zu 256 Kilometer.
Die Leistung der X-47 bewegt sich im Bereich von circa 30 kW (40 PS), womit sie als Leichtkraftrad oder A2-Motorrad einzustufen ist. Damit richtet sie sich an Fahrer mit A1- oder A2-Führerschein sowie an Inhaber der B196-Erweiterung, die 125er-Motorräder fahren dürfen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 140 km/h – ausreichend für Autobahn und Landstraße, aber nicht darauf ausgelegt, mit Supersportlern zu konkurrieren.
Ladeinfrastruktur und Alltag
Ein häufig kritisierter Punkt bei Elektromotorrädern ist die Ladeinfrastruktur. Ultraviolette hat bei der X-47 auf ein luftgekühltes Onboard-Ladegerät gesetzt, das laut Hersteller selbst bei extremen Temperaturen zwischen 45 und 50 Grad Celsius volle Leistung liefern soll. Diese Eigenschaft ist besonders relevant für den Einsatz in heißen Klimazonen, aber auch für längere Touren im Hochsommer in Deutschland.
Das Ladegerät unterstützt sowohl Haushaltssteckdosen als auch Wallboxen. Eine vollständige Ladung soll je nach Anschluss zwischen 3 und 5 Stunden dauern. DC-Schnellladen wie beim Honda WN7 oder künftigen BMW-E-Modellen bietet die X-47 jedoch nicht – hier zeigt sich, dass Ultraviolette primär auf Alltagstauglichkeit und nicht auf Langstrecken-Performance setzt.
Design und Positionierung
Ultraviolette bezeichnet seine Modelle traditionell nach Kampfjets – die F77 ist nach dem Lockheed-Bomber benannt, die X-47 nach dem Northrop Grumman X-47, einem unbemannten Tarnkappen-Kampfflugzeug. Diese martialische Namensstrategie zieht sich durch das gesamte Design: kantige Linien, aggressive LED-Scheinwerfer und eine kompakte, kraftvolle Silhouette.
Die X-47 positioniert sich als Crossover zwischen City-Bike und leichter Enduro. Sie ist nicht für hartes Offroad-Gelände gedacht, sondern für Fahrer, die eine vielseitige Maschine für Stadt, Tour und leichte Schotterpisten suchen. Damit füllt sie eine Nische, die bislang von Elektroherstellern kaum bedient wird. Zero bietet mit der FX eine Dual-Sport-Option, allerdings zu einem deutlich höheren Preis. Die KTM Freeride E kommt 2027, ist aber stärker auf Offroad ausgelegt.
Preis und Verfügbarkeit in Deutschland
Ein konkreter Marktstart und finale Euro-Preise für Deutschland wurden auf der IMOT noch nicht genannt. In Indien starteten die Vorbestellungen im September 2025 zu einem Preis von umgerechnet rund 2.400 Euro – ein Kampfpreis, der in Europa nicht realistisch ist. Basierend auf den Preisen der F77-Modelle, die in Deutschland ab etwa 9.000 Euro angeboten werden, dürfte die X-47 Crossover zwischen 10.000 und 12.000 Euro kosten.
Damit wäre sie deutlich günstiger als vergleichbare europäische E-Motorräder. Die Zero FX kostet rund 14.900 Euro, die Energica Experia liegt bei über 30.000 Euro. Selbst die kommende Honda WN7, die ab Januar 2026 verfügbar sein soll, wird preislich im mittleren bis oberen Segment erwartet. Ultraviolette könnte mit der X-47 somit eine preislich attraktive Alternative bieten – vorausgesetzt, Qualität und Service stimmen.
Garantie und Zubehör
Ultraviolette bietet für die X-47 eine Werksgarantie von 8 Jahren oder 800.000 Kilometern – ein außergewöhnlich großzügiges Paket, das Vertrauen in die Langlebigkeit der Technik signalisiert. Zum Vergleich: Bosch gibt bei E-Bike-Motoren 2 Jahre oder 500 Ladezyklen, Zero Motorcycles bietet 5 Jahre auf den Antriebsstrang.
Original-Zubehör wie verschiedene Windschilde, Protektoren und Gepäcktaschen sind bereits verfügbar. Das zeigt, dass Ultraviolette die X-47 als vollwertiges Touring-Motorrad verstanden wissen möchte. Ob das Zubehör auch bei deutschen Händlern verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten.
Ultraviolette in Deutschland: Marktposition und Konkurrenz
Ultraviolette ist der größte Hersteller ausschließlich elektrischer Motorräder in Indien. Mit den verschiedenen Varianten der F77 ist die Marke seit 2025 auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsent. Die X-47 ist der nächste logische Schritt, um das Portfolio zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen.
Die Konkurrenz im Segment der elektrischen Leichtkrafträder und A2-Motorräder wächst. Neben Zero und Energica drängen neue Anbieter wie LiveWire (Harley-Davidsons E-Marke) mit der S4 Honcho auf den Markt. Auch europäische Traditionshersteller wie BMW experimentieren mit E-Modellen, bleiben aber zögerlich. Die KTM Freeride E 2027 wird voraussichtlich stärker auf Offroad-Einsatz spezialisiert sein, während die Stark Varg SM als Supermoto-Alternative positioniert wird.
Ultraviolette profitiert von einem entscheidenden Vorteil: Das Unternehmen muss kein bestehendes Verbrenner-Portfolio schützen. Während BMW, Honda oder KTM bei ihren E-Modellen immer auch ihre lukrativen Benziner im Blick haben, kann Ultraviolette voll auf Elektromobilität setzen – und das zu Preisen, die europäische Konkurrenten unter Druck setzen.
Für wen eignet sich die Ultraviolette X-47?
Die X-47 richtet sich an eine spezifische Zielgruppe: Fahrer mit A1-, A2- oder B196-Führerschein, die ein vielseitiges Elektromotorrad für den Alltag suchen. Sie ist ideal für Pendler, die auch mal eine längere Wochenendtour unternehmen möchten, ohne sich auf reines City-Fahren beschränken zu müssen.
Wer ein Motorrad für harte Offroad-Einsätze sucht, sollte eher zur KTM Freeride E oder zu Modellen von Surron und Talaria greifen. Wer höchste Leistung und Autobahn-Langstrecken priorisiert, ist mit der Zero SR/F oder Energica Experia besser bedient – muss dafür aber deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Die X-47 ist für all jene interessant, die ein durchdachtes Gesamtpaket zu einem fairen Preis suchen: Radar- und Kamerasystem, solide Reichweite, alltagstaugliches Design und eine marktführende Garantie. Das Radar-Feature ist dabei nicht nur Marketing-Gag, sondern kann gerade für Fahrer mit weniger Erfahrung ein echtes Sicherheitsplus bedeuten.
Ausblick: Wird die X-47 ein Erfolg?
Ob die X-47 in Deutschland ein Erfolg wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind der finale Preis, die Verfügbarkeit von Service-Partnern und die tatsächliche Alltagstauglichkeit. Ultraviolette muss beweisen, dass die ambitionierte Technik auch langfristig zuverlässig funktioniert.
Die Marke hat mit der F77-Reihe bereits gezeigt, dass sie technologisch auf Augenhöhe mit etablierten Herstellern agiert. Die X-47 geht den nächsten Schritt – und könnte zum Referenzmodell im Bereich elektrischer Crossover-Bikes werden. Die Präsentation auf der IMOT war ein klares Signal: Ultraviolette nimmt den europäischen Markt ernst und will nicht nur als exotische Nischen-Marke wahrgenommen werden.
Für Interessenten lohnt es sich, die Entwicklung zu beobachten. Sobald konkrete Deutschland-Preise und Liefertermine feststehen, dürfte die X-47 eine ernstzunehmende Alternative zu etablierten Modellen sein – besonders für alle, die Wert auf Innovation, Sicherheitstechnik und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen.
Fazit
Die Ultraviolette X-47 Crossover ist mehr als nur ein weiteres Elektromotorrad. Mit dem integrierten Radar- und Kamerasystem setzt sie neue Maßstäbe im Bereich Sicherheit und zeigt, dass Innovationen oft von unerwarteter Seite kommen. Die Kombination aus solider Reichweite, durchdachtem Design und voraussichtlich attraktivem Preis macht sie zu einem spannenden Angebot für alle, die 2026 in die elektrische Motorradwelt einsteigen möchten.
Ob Ultraviolette den hohen Erwartungen gerecht wird, wird sich zeigen, sobald die X-47 tatsächlich auf deutschen Straßen unterwegs ist. Die Präsentation auf der IMOT war jedenfalls vielversprechend – und ein weiterer Beleg dafür, dass die Elektromobilität im Motorradbereich endlich Fahrt aufnimmt.
Quellen:
Motor1: Neue Ultraviolette X-47 – Crossover-Elektro-Bike kommt nach Europa
Motorradonline: Elektro-Enduro X47 mit 323 km Reichweite, Heck-Radar und Front-Kamera
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