Mit der neuen PURE AIR⁶ Suspension Serie kommt eine Modellfamilie nach Deutschland, die auf dem Papier ziemlich genau das verspricht, was viele E-Scooter-Fahrer momentan suchen: eine echte Federung vorne und hinten, große 10-Zoll-Reifen, Blinker, Straßenzulassung und eine vernünftige Reichweite – zu Preisen, die nicht sofort in Richtung 1.000 Euro marschieren.
PURE bringt dabei gleich drei Modelle auf den deutschen Markt: den AIR⁶ Suspension für 479 Euro, den AIR⁶ Pro+ Suspension für 529 Euro und den AIR⁶ Ultra Suspension für 629 Euro. Alle drei Varianten sollen über eine Allgemeine Betriebserlaubnis verfügen. Der Vorverkauf ist am 20. Juli 2026 gestartet, die Auslieferung soll ab dem 30. Juli beginnen.
Mein erster Eindruck: Das könnte eine überraschend interessante E-Scooter-Serie werden. Allerdings gibt es auch einige Punkte, bei denen ich genauer hinschauen würde. Dazu gehören die sehr optimistischen Reichweitenangaben, widersprüchliche Angaben zur Höchstgeschwindigkeit und eine teilweise unübersichtliche Kommunikation zwischen PURE, McLaren und STREETBOOSTER.
Denn eines sollte direkt klargestellt werden: Der neue PURE AIR⁶ Suspension ist kein McLaren-Sondermodell. PURE arbeitet zwar eng mit McLaren zusammen und bietet eigene McLaren-E-Scooter an, die neue AIR⁶-Serie ist jedoch eine eigenständige Modellreihe.
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PURE AIR⁶ Suspension startet mit deutscher Straßenzulassung
Die wichtigste Nachricht für Käuferinnen und Käufer in Deutschland ist nicht die Federung, nicht die App und auch nicht die angegebene Reichweite von bis zu 90 Kilometern.
Die wichtigste Nachricht lautet: Die drei neuen PURE AIR⁶ Modelle sollen eine deutsche Allgemeine Betriebserlaubnis besitzen.
Damit dürfen sie nach Abschluss einer entsprechenden E-Scooter-Versicherung legal auf öffentlichen Straßen und Radwegen gefahren werden. Laut offizieller Mitteilung erreichen die deutschen Modelle die hierzulande zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h.
Das klingt zunächst selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele interessante E-Scooter werden heute mit 25 km/h oder sogar höheren Geschwindigkeiten angeboten, besitzen jedoch keine deutsche Straßenzulassung. Gerade bei internationalen Marken muss man deshalb sehr genau prüfen, welche konkrete Ausführung angeboten wird.
Beim PURE AIR⁶ kommt noch eine Besonderheit hinzu: Auf den deutschen Produktseiten wird teilweise eine Höchstgeschwindigkeit von 22 km/h genannt. In der offiziellen Pressemitteilung ist dagegen eindeutig von 20 km/h die Rede.
Für mich ist an dieser Stelle die Betriebserlaubnis entscheidend. Nicht die Zahl auf einer Produktseite, nicht eine Werbegrafik und auch nicht eine eventuell etwas großzügige Displayanzeige bestimmen die Legalität, sondern die genehmigte Fahrzeugausführung.
Trotzdem sollte PURE diese widersprüchliche Darstellung schnell bereinigen. Ein Fahrzeug kann nicht gleichzeitig offiziell mit 20 km/h zugelassen und ohne weitere Erklärung mit 22 km/h beworben werden. Erfahrene E-Scooter-Fahrer werden vermutlich wissen, wie solche Angaben zustande kommen können. Einsteigerinnen und Einsteiger werden dadurch aber unnötig verunsichert.
Was hat der PURE AIR⁶ eigentlich mit McLaren zu tun?
Auf der deutschen PURE-Webseite findet man im Hauptmenü sowohl den Bereich „Pure x McLaren“ als auch die neue AIR⁶-Suspension-Serie. Dadurch kann schnell der Eindruck entstehen, der PURE AIR⁶ sei ein McLaren-E-Scooter.
Das ist jedoch nicht der Fall.
PURE und McLaren haben eine eigene Kollektion entwickelt. Dazu gehören unter anderem Modelle in Papaya Orange, Schwarz, Chrome sowie spezielle Designs, die an bekannte McLaren-Rennwagen angelehnt sind. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich überwiegend um Varianten des ungewöhnlich aufgebauten PURE Advance beziehungsweise PURE Flex.
Der PURE AIR⁶ Suspension besitzt dagegen einen eher klassischen E-Scooter-Aufbau mit durchgehendem Trittbrett, zentraler Lenkstange und normaler Fahrposition. Es gibt beim AIR⁶ weder eine McLaren-Lackierung noch entsprechende Logos oder ein Formel-1-Sonderdesign.
Warum ist die Verbindung trotzdem relevant?
Weil McLaren für PURE natürlich ein enorm wertvoller Markenpartner ist. Die Zusammenarbeit vermittelt Technik, britisches Engineering, Motorsport und Exklusivität. Das wirkt auf die gesamte Marke, auch wenn nicht jeder PURE-Scooter tatsächlich ein McLaren-Modell ist.
Man sollte sich davon aber nicht blenden lassen. Ein McLaren-Logo macht noch kein gutes Fahrwerk und verbessert auch nicht automatisch die Reichweite. Beim AIR⁶ müssen am Ende dieselben Dinge überzeugen wie bei jedem anderen E-Scooter: Fahrstabilität, Bremsleistung, reale Reichweite, Verarbeitung, Ersatzteilversorgung und Service.
Genau deshalb sehe ich den AIR⁶ nicht als günstigen McLaren-Scooter, sondern als eigenständige neue E-Scooter-Serie von PURE, die in Deutschland über STREETBOOSTER angeboten und betreut wird.
Drei PURE AIR⁶ Modelle im direkten Vergleich
Die neue Modellreihe besteht offiziell aus drei Varianten. Das Grundkonzept ist weitgehend identisch, die entscheidenden Unterschiede liegen bei Akku, Motorleistung, Steigfähigkeit und der zusätzlichen Lenkstabilisierung des Ultra-Modells.
| Modell | Preis | Dauer-/Peakleistung | Akku | Reichweite Hersteller | Gewicht | Steigung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| PURE AIR⁶ Suspension | 479 € | 350 / 924 W | 270 Wh | bis 45 km | 23,0 kg | bis 19 % |
| PURE AIR⁶ Pro+ Suspension | 529 € | 350 / 1.200 W | 487 Wh | bis 75 km | 23,5 kg | bis 19 % |
| PURE AIR⁶ Ultra Suspension | 629 € | 500 / 1.200 W | 624 Wh | bis 90 km | 23,5 kg | bis 23 % |
Die detaillierten Angaben zu Akkugröße, Gewicht, Nennleistung und Steigfähigkeit stammen aus der deutschen Produktdarstellung von STREETBOOSTER.
Alle Modelle besitzen laut Anbieter:
- GlideMotion-Doppelfederung vorne und hinten
- 10 Zoll große schlauchlose Reifen
- Lenkerblinker
- Frontlicht und Rücklicht mit Bremslicht
- Trommelbremse vorne
- rekuperative Hinterradbremse
- IP65-Schutz
- LED-Display
- Bluetooth-Verbindung zur PURE-App
- klappbare Lenkstange
Damit ist bereits die günstigste Variante deutlich vollständiger ausgestattet als viele einfache E-Scooter in der Preisklasse um 400 bis 500 Euro.
Allerdings fällt sofort auf, dass der Einstiegsscooter trotz seines kleinen 270-Wh-Akkus bereits 23 Kilogramm wiegt. Das ist ziemlich viel Gewicht für vergleichsweise wenig Akkukapazität.
Der PURE AIR⁶ Suspension für 479 Euro
Der normale PURE AIR⁶ Suspension ist das Basismodell. Er besitzt einen Motor mit 350 Watt Nennleistung und bis zu 924 Watt maximaler Leistung. Der Akku bietet 270 Wh, die Herstellerreichweite liegt bei bis zu 45 Kilometern.
Die Ausstattung ist für 479 Euro durchaus interessant. Vor allem die echte Federung vorne und hinten ist in diesem Preisbereich noch nicht selbstverständlich. Auch Blinker, App, 10-Zoll-Tubeless-Reifen und IP65 sind klare Pluspunkte.
Der Akku ist allerdings relativ klein.
270 Wh reichen für kurze Stadtfahrten, den Weg zum Bahnhof oder tägliche Strecken von wenigen Kilometern. Für lange Touren oder Pendler, die nicht jeden Abend laden möchten, würde ich diese Version eher nicht empfehlen.
Besonders kritisch sehe ich das Verhältnis aus Akku und Gewicht. Ein 23 Kilogramm schwerer E-Scooter mit 270 Wh lässt sich weder besonders angenehm tragen noch bietet er eine außergewöhnlich große Energiereserve.
Wer den Scooter häufig in den Keller, in eine Wohnung ohne Fahrstuhl oder in öffentliche Verkehrsmittel tragen muss, sollte sich das gut überlegen. Eine Doppelfederung ist komfortabel, bringt aber zusätzliche Bauteile und damit Gewicht mit.
Mit dem Scooterhelden-Gutscheincode SH15 würde sich der Preis im STREETBOOSTER-Shop rechnerisch auf 464 Euro reduzieren.
Der PURE AIR⁶ Pro+ könnte der Preis-Leistungs-Tipp werden
Der PURE AIR⁶ Pro+ Suspension kostet lediglich 50 Euro mehr als das Basismodell.
Dafür wächst der Akku von 270 auf 487 Wh. Die maximale Motorleistung steigt von 924 auf 1.200 Watt. Die Herstellerreichweite erhöht sich von 45 auf 75 Kilometer. Das Gewicht nimmt dabei nur um etwa ein halbes Kilogramm zu.
Das ist ein ungewöhnlich großer technischer Sprung für einen Aufpreis von nur 50 Euro.
Ehrlich gesagt macht der normale AIR⁶ Suspension dadurch innerhalb der Modellreihe einen schwierigen Eindruck. Wer bereits 479 Euro ausgeben möchte, dürfte mit weiteren 50 Euro beim Pro+ erheblich besser aufgestellt sein.
Der 487-Wh-Akku bietet deutlich mehr Reserven. Gleichzeitig bleibt die Ausstattung mit Doppelfederung, Blinkern und App erhalten. Für flache bis leicht hügelige Strecken könnte der Pro+ deshalb der vernünftigste Kompromiss aus Preis, Reichweite und Ausstattung sein.
Die Nennleistung bleibt allerdings bei 350 Watt. Wer regelmäßig mit höherem Fahrergewicht unterwegs ist oder viele Steigungen bewältigen muss, sollte deshalb nicht nur auf die beworbenen 1.200 Watt schauen.
Diese 1.200 Watt sind eine maximale beziehungsweise kurzfristige Leistungsangabe. Entscheidend für die langfristige Leistungsabgabe des Motors ist auch die Nennleistung.
Mit dem Code SH15 würde der PURE AIR⁶ Pro+ rechnerisch 514 Euro kosten. Für einen vollgefederten E-Scooter mit 487-Wh-Akku ist das zunächst eine ziemlich aggressive Preisposition.
PURE AIR⁶ Ultra Suspension: Das eigentliche Topmodell
Der PURE AIR⁶ Ultra Suspension kostet regulär 629 Euro und bildet das offizielle Spitzenmodell der neuen deutschen Modellreihe.
Er besitzt einen 48-Volt-Akku mit 13 Ah beziehungsweise 624 Wh. Die Nennleistung steigt auf 500 Watt, während die maximale Motorleistung weiterhin mit 1.200 Watt angegeben wird. Die Steigfähigkeit soll bis zu 23 Prozent betragen.
Zusätzlich erhält der Ultra das sogenannte Active Steering Stabilisation System.
Der Gewichtsunterschied zum Pro+ ist laut Tabelle praktisch nicht vorhanden. Beide werden mit 23,5 Kilogramm angegeben. Der Ultra bietet aber einen größeren Akku, eine höhere Nennleistung, eine bessere angegebene Steigfähigkeit und die zusätzliche Lenkstabilisierung.
Der Aufpreis von 100 Euro gegenüber dem Pro+ wirkt deshalb zumindest nachvollziehbar.
Wer regelmäßig längere Strecken fährt, schwerer ist oder in einer hügeligen Region lebt, sollte meiner Meinung nach eher zum Ultra als zum Pro+ greifen.
Mit dem Gutscheincode SH15 reduziert sich der rechnerische Preis auf 614 Euro.
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Die GlideMotion-Doppelfederung ist das wichtigste Argument
PURE bezeichnet die Federung als GlideMotion Suspension. Hinter dem Markennamen steckt eine Kombination aus einer Teleskopgabel an der Vorderseite und zwei Stoßdämpfern am Heck.
Die hinteren Stoßdämpfer besitzen eine einstellbare Vorspannung. Dadurch lässt sich die Federung zumindest in einem gewissen Bereich an das Fahrergewicht und den Untergrund anpassen. Die progressive Abstimmung soll kleine Unebenheiten weich aufnehmen und bei stärkeren Schlägen zunehmend mehr Widerstand bieten.
Das klingt sinnvoll.
Viele günstige E-Scooter verwenden sehr einfache Federkonstruktionen, die entweder viel zu hart oder viel zu weich abgestimmt sind. Besonders schwere Fahrer erleben häufig, dass eine weiche Federung bereits beim normalen Fahren weit einfedert und bei Bordsteinen oder Schlaglöchern schnell durchschlägt.
Eine progressive Federkennlinie kann hier helfen. Ob die Abstimmung in der Praxis wirklich funktioniert, lässt sich allerdings erst in einem Fahrtest beurteilen.
Ich würde dabei besonders auf folgende Punkte achten:
Wie fein spricht die Vordergabel bei kleinen Unebenheiten an?
Bleibt das Vorderrad beim starken Bremsen stabil?
Wie gut lässt sich die hintere Vorspannung tatsächlich einstellen?
Beginnt das Heck bei höherem Fahrergewicht zu wippen?
Gibt es nach einigen hundert Kilometern Spiel oder Geräusche in der Gabel?
Auf den Produktbildern wirkt die hintere Konstruktion vergleichsweise massiv. Die beiden außenliegenden Stoßdämpfer dürften mehr Reserven bieten als eine einfache kleine Zentralfeder, wie sie bei manchen günstigen E-Scootern eingesetzt wird.
Trotzdem gilt: Zwei sichtbare Stoßdämpfer bedeuten nicht automatisch doppelt so viel Komfort. Entscheidend sind Federweg, Dämpfung, Lagerung und Abstimmung.
Active Steering Stabilisation: Sicherheit oder ungewohntes Lenkgefühl?
Nur der PURE AIR⁶ Ultra bekommt die patentierte Active Steering Stabilisation.
Das System soll die Lenkung nach einer Kurve sanft in Richtung Mittelstellung zurückführen und unerwünschte seitliche Bewegungen reduzieren. PURE verspricht dadurch mehr Kontrolle und ein ruhigeres Fahrgefühl auf unebenen Strecken.
Grundsätzlich halte ich diese Idee für interessant.
E-Scooter besitzen kleine Räder, einen kurzen Radstand und eine sehr direkte Lenkung. Bei schlechter Fahrwerksgeometrie können sie deshalb nervös reagieren. Ein zu lockerer oder flatternder Lenker kann besonders bei einhändiger Fahrt, Bodenwellen oder plötzlichen Ausweichbewegungen unangenehm werden.
Eine kontrollierte Rückstellung der Lenkung könnte tatsächlich für mehr Ruhe sorgen.
Die andere Seite ist das mögliche Lenkgefühl. Ist die Zentrierung zu stark, könnte sich der Scooter in langsamen Kurven etwas künstlich oder schwergängig anfühlen. Auch schnelle Richtungswechsel sollten nicht durch eine zu starke Rückstellkraft behindert werden.
Ich würde diese Funktion deshalb weder pauschal feiern noch kritisieren, bevor ich sie selbst gefahren bin. Die technische Idee ist gut. Ob die Abstimmung ebenfalls gut ist, muss sich im Test zeigen.
1.200 Watt klingen stark – aber was leisten die Motoren wirklich?
PURE wirbt beim Pro+ und beim Ultra mit bis zu 1.200 Watt Motorleistung. Das klingt zunächst nach sehr viel Leistung für einen E-Scooter mit deutscher Straßenzulassung.
Allerdings muss man zwischen Nennleistung und maximaler Leistung unterscheiden.
Beim AIR⁶ Suspension und beim Pro+ wird eine Nennleistung von 350 Watt angegeben. Der Ultra besitzt 500 Watt Nennleistung. Die 924 beziehungsweise 1.200 Watt stehen für die kurzfristig abrufbare Spitzenleistung.
Für das Anfahren und kurze Steigungen ist eine hohe Spitzenleistung wichtig. Sie sagt aber nicht automatisch aus, wie kraftvoll der Scooter über mehrere Minuten an einem langen Anstieg fährt.
Hier spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Motorwirkungsgrad
- Controllerstrom
- Akkuspannung
- Temperaturmanagement
- Fahrergewicht
- Geschwindigkeit am Berg
- Softwareabstimmung
Der Ultra dürfte durch seinen 48-Volt-Akku, die 500 Watt Nennleistung und den größeren Energiespeicher die beste Dauerperformance der drei Modelle bieten.
PURE nennt für ihn eine maximale Steigung von 23 Prozent. Beim Basismodell und beim Pro+ werden 19 Prozent angegeben. Diese Werte sollte man jedoch nicht als Garantie verstehen.
Ein Scooter kann eine kurze Rampe mit 23 Prozent möglicherweise überwinden, ohne auf einer längeren Steigung dieselbe Leistung halten zu können. Entscheidend ist daher immer, unter welchen Testbedingungen ein Hersteller die Steigfähigkeit ermittelt.
Mit meinem Gewicht und meiner Körpergröße würde ich besonders prüfen, wie stark die Geschwindigkeit an einem längeren Anstieg einbricht. Genau dort trennt sich ein gut abgestimmter 500-Watt-Motor von einem Scooter, der nur auf dem Datenblatt beeindruckend aussieht.
Bis zu 90 Kilometer Reichweite: realistisch oder Prüfstandswert?
Der PURE AIR⁶ Ultra besitzt einen Akku mit 624 Wh. PURE wirbt mit einer Reichweite von bis zu 90 Kilometern. Der Pro+ soll mit 487 Wh bis zu 75 Kilometer schaffen, während das Basismodell mit 270 Wh auf bis zu 45 Kilometer kommen soll.
Diese Werte sind eindeutig Idealwerte.
Um mit 624 Wh tatsächlich 90 Kilometer zu fahren, dürfte der Scooter durchschnittlich nur rund 6,9 Wh pro Kilometer verbrauchen. Das ist unter sehr günstigen Bedingungen denkbar, aber nicht das, was ich bei einem schweren Fahrer, wechselndem Untergrund, Wind und normaler Beschleunigung erwarten würde.
Rechnet man vorsichtiger mit ungefähr 12 bis 18 Wh pro Kilometer, ergeben sich folgende grobe Alltagsbereiche:
- AIR⁶ Suspension mit 270 Wh: etwa 15 bis 23 Kilometer
- AIR⁶ Pro+ mit 487 Wh: etwa 27 bis 41 Kilometer
- AIR⁶ Ultra mit 624 Wh: etwa 35 bis 52 Kilometer
Das ist keine gemessene Reichweite, sondern eine bewusst vorsichtige Abschätzung. Leichte Fahrer können bei sommerlichen Temperaturen und konstantem Tempo mehr erreichen. Schwere Fahrer, kalte Temperaturen, Steigungen oder häufiges Anfahren können die Reichweite deutlich reduzieren.
Für mich wäre beim Ultra eine reale Reichweite von ungefähr 40 bis 50 Kilometern bereits ein gutes Ergebnis.
Problematisch wird es immer dann, wenn Käufer die beworbenen 90 Kilometer als normale Alltagsreichweite verstehen. Das sollte man nicht tun.
Positiv ist die Akkugröße trotzdem. 624 Wh sind in der Klasse um 600 Euro ordentlich. Auch die 487 Wh des Pro+ können für viele Pendler vollkommen ausreichen.
Beim Basismodell finde ich den 270-Wh-Akku dagegen eher knapp – besonders in Verbindung mit dem hohen Fahrzeuggewicht.
Kein Wechselakku: Für manche Käufer ein echter Nachteil
Keiner der drei neuen PURE AIR⁶ Scooter besitzt einen herausnehmbaren Akku. Das geht aus den technischen Angaben des deutschen Anbieters hervor.
Der Scooter muss deshalb zum Laden in die Nähe einer Steckdose gebracht werden.
Bei 23 bis 23,5 Kilogramm kann das schnell unpraktisch werden. Wer in einer Wohnung lebt und den Scooter nicht im Hausflur oder Keller laden darf, sollte diesen Punkt vor dem Kauf ernst nehmen.
Ein fest eingebauter Akku hat zwar Vorteile. Die Konstruktion kann stabiler und besser gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Außerdem gibt es weniger Steckverbindungen und bewegliche Teile.
Für Pendler, Wohnungsbewohner und Menschen ohne Garage ist ein Wechselakku trotzdem häufig komfortabler.
Beim Ultra ist das besonders relevant, weil das Fahrzeug gerade als Langstreckenmodell beworben wird. Ein zweiter Akku könnte die Nutzungsmöglichkeiten erheblich erweitern. Diese Option gibt es hier jedoch nicht.
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Trommelbremse vorne und Rekuperation hinten
Das Bremssystem besteht aus einer mechanischen Trommelbremse am Vorderrad und einer elektronischen beziehungsweise rekuperativen Bremse am Hinterrad.
Die Trommelbremse gilt grundsätzlich als wartungsarm und gut gegen Schmutz geschützt. Gleichzeitig ist sie weniger offen sichtbar als eine Scheibenbremse und dürfte im Alltag nur wenig Pflege benötigen.
Die Hinterradbremse gewinnt beim Verzögern einen Teil der Bewegungsenergie zurück und speist diese zurück in den Akku. Das kann die Effizienz etwas erhöhen und reduziert den mechanischen Verschleiß.
Ob mir die Kombination aus Trommelbremse vorne und elektronischer Hinterradbremse ausreicht, hängt stark von der Abstimmung ab.
In einem Praxistest würde ich unter anderem prüfen:
- Bremsweg aus 20 km/h
- Dosierbarkeit der Vorderradbremse
- Stabilität bei einer Vollbremsung
- Verhalten auf nasser Fahrbahn
- Bremswirkung bei vollem Akku
- Bremswirkung an längeren Abfahrten
- Regelverhalten der elektronischen Bremse
Gerade bei einem Langstreckenmodell mit 23,5 Kilogramm Eigengewicht und bis zu 120 Kilogramm Fahrergewicht muss das Bremssystem genügend Reserven besitzen.
Die deutsche ABE zeigt zwar, dass das vorgeschriebene Genehmigungsverfahren durchlaufen wurde. Ein angenehm dosierbares und vertrauenerweckendes Bremsgefühl lässt sich daraus aber nicht automatisch ableiten.
10-Zoll-Tubeless-Reifen mit Pannenschutz
Alle drei Modelle rollen auf 10 Zoll großen, schlauchlosen Luftreifen.
PURE spricht von einer gewebten Pannenschutzschicht und einem speziell entwickelten Reifenprofil für mehr Grip, Laufruhe und Komfort.
Die Kombination aus Luftreifen und Federung ist grundsätzlich sinnvoll. Luftreifen absorbieren bereits einen Teil kleiner Vibrationen, bevor die eigentliche Federung arbeiten muss.
Der Begriff „pannensicher“ sollte allerdings nicht wörtlich genommen werden.
Auch ein Tubeless-Reifen mit Pannenschutz kann beschädigt werden. Nägel, Schrauben, scharfe Kanten oder ein zu niedriger Luftdruck können weiterhin Probleme verursachen.
Tubeless-Reifen haben aber einen wichtigen Vorteil: Kleine Einstiche können teilweise mit Dichtmittel abgedichtet werden. Außerdem gibt es keinen separaten Schlauch, der durch einen Durchschlag eingeklemmt werden kann.
Entscheidend ist, dass der Fahrer regelmäßig den Reifendruck kontrolliert. Ein hochwertiger Reifen bringt wenig, wenn er dauerhaft mit zu wenig Luft gefahren wird.
Blinker und Beleuchtung wirken zeitgemäß
Die PURE AIR⁶ Modelle besitzen Blinker an den Lenkerenden, einen 150-Lumen-Frontscheinwerfer und ein dauerhaftes Rücklicht mit Bremslichtfunktion.
Das ist eine vernünftige Grundausstattung.
Lenkerblinker sind aus meiner Sicht deutlich besser als kleine Blinker, die sehr tief am Schutzblech oder seitlich am Trittbrett sitzen. Andere Verkehrsteilnehmer können sie auf Lenkerhöhe meist leichter erkennen.
Allerdings besteht auch hier ein möglicher Nachteil: Je nach Griffposition können die Hände einen Teil des Blinkers verdecken. Wie gut die Sichtbarkeit von vorne, hinten und seitlich tatsächlich ist, muss man in der Praxis beurteilen.
Der 150-Lumen-Scheinwerfer reicht wahrscheinlich aus, um gesehen zu werden und beleuchtete Wege zu fahren. Auf vollkommen dunklen Feldwegen könnte die Lichtleistung jedoch begrenzt sein.
Ich würde bei einem Test besonders auf das Lichtbild achten. Eine hohe Lumenangabe allein sagt nicht, ob der Lichtkegel gleichmäßig verteilt ist, weit genug reicht oder andere Verkehrsteilnehmer blendet.
IP65 ist gut – aber kein Freifahrtschein
Die gesamte Modellreihe wird mit IP65 beworben.
Das bedeutet einen guten Schutz gegen Staub und gegen Wasser aus verschiedenen Richtungen. Fahrten bei Regen und auf nasser Straße sollten deshalb zum vorgesehenen Einsatzbereich gehören.
Gerade bei einem Alltagsfahrzeug ist das wichtig.
Trotzdem würde ich einen E-Scooter mit IP65 weder untertauchen noch mit einem Hochdruckreiniger bearbeiten. Auch längeres Stehen im Starkregen kann Dichtungen und Steckverbindungen stärker belasten als eine normale Fahrt bei Nässe.
Interessant wird auf Dauer außerdem die Abdichtung der beweglichen Federungskomponenten. Schmutz, Sand und Wasser gelangen bei gefederten Scootern an mehr Lager- und Dichtstellen als bei einem ungefederten Fahrzeug.
Hier wird sich zeigen müssen, wie haltbar die GlideMotion-Konstruktion nach einem oder zwei Wintern ist.
PURE-App mit Fernverriegelung
Über die PURE-App können Fahrdaten, Fahrzeugstatus und Wartungshinweise abgerufen werden. Zusätzlich bietet die App eine elektronische Fernverriegelung. Das Display zeigt Geschwindigkeit, Fahrmodus, Akkustand und weitere Statusinformationen.
Eine elektronische Verriegelung ist praktisch, ersetzt aber kein Schloss.
Der Motor kann blockiert oder die Fahrzeugelektronik gesperrt werden. Ein Dieb kann den 23,5 Kilogramm schweren Scooter trotzdem anheben und in ein Fahrzeug laden.
Ich würde deshalb immer ein stabiles mechanisches Schloss verwenden und den Scooter nach Möglichkeit an einem festen Gegenstand sichern.
Spannend wäre außerdem zu wissen, welche Funktionen ohne Smartphone verfügbar bleiben. Ein E-Scooter sollte sich auch dann vollständig fahren lassen, wenn das Handy leer ist, die App nicht funktioniert oder der Hersteller seinen Cloud-Dienst irgendwann verändert.
Die App darf eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie sollte aber nicht zur dauerhaften Abhängigkeit werden.
23,5 Kilogramm sind nicht wirklich mobil
PURE bezeichnet den AIR⁶ als alltagstauglichen und faltbaren E-Scooter. Die Lenkstange lässt sich tatsächlich einklappen. Die Lenkerenden sind jedoch nicht klappbar. Der Ultra wiegt 23,5 Kilogramm und ist für Fahrerinnen und Fahrer bis 120 Kilogramm ausgelegt.
Damit ist der Scooter zwar faltbar, aber nicht besonders leicht zu transportieren.
Ein paar Meter in einen Kofferraum sind machbar. Mehrere Stockwerke oder längere Umstiege im Bahnhof werden weniger angenehm.
Das hohe Gewicht entsteht unter anderem durch den Stahlrahmen, die Doppelfederung, den großen Akku und die robuste Konstruktion.
Dafür kann der Scooter beim Fahren stabiler wirken als ein sehr leichter 15-Kilogramm-Scooter. Mehr Masse ist nicht grundsätzlich schlecht. Sie wird nur dann zum Problem, wenn man das Fahrzeug regelmäßig tragen muss.
Käufer sollten deshalb vor dem Kauf nicht nur ihre Fahrstrecke betrachten, sondern auch den Weg zwischen Abstellplatz und Steckdose.
Welcher PURE AIR⁶ lohnt sich am meisten?
Meine vorläufige Einschätzung fällt ziemlich eindeutig aus.
PURE AIR⁶ Suspension
Das Basismodell ist interessant, wenn der Kaufpreis möglichst niedrig bleiben soll und nur kurze Strecken gefahren werden.
Die Ausstattung ist gut. Der 270-Wh-Akku ist mir für ein 23 Kilogramm schweres Fahrzeug allerdings zu klein.
PURE AIR⁶ Pro+ Suspension
Der Pro+ bietet den stärksten Preis-Leistungs-Sprung.
Für nur 50 Euro mehr gibt es 487 statt 270 Wh und bis zu 1.200 statt 924 Watt Peakleistung. Wer überwiegend auf flachen Strecken fährt, dürfte hier den vernünftigsten Kompromiss finden.
PURE AIR⁶ Ultra Suspension
Der Ultra ist aus meiner Sicht das rundeste Modell.
624 Wh, 500 Watt Nennleistung, 1.200 Watt Peakleistung, bis zu 23 Prozent angegebene Steigfähigkeit und die zusätzliche Lenkstabilisierung rechtfertigen den Aufpreis gegenüber dem Pro+ zumindest auf dem Papier.
Wer das Budget hat und den Scooter regelmäßig nutzt, sollte eher den Ultra kaufen, als sich später über einen zu kleinen Akku zu ärgern.
Die Preisgestaltung setzt den Wettbewerb unter Druck
479, 529 und 629 Euro sind für vollgefederte E-Scooter mit ABE, Blinkern, App und 10-Zoll-Reifen attraktive Preise.
Vor allem der Pro+ und der Ultra könnten einigen etablierten Modellen Probleme bereiten.
Mit unserem Rabatt ergeben sich rechnerisch folgende Preise:
- PURE AIR⁶ Suspension: 464 Euro
- PURE AIR⁶ Pro+ Suspension: 514 Euro
- PURE AIR⁶ Ultra Suspension: 614 Euro
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Kritische Punkte und offene Fragen
So interessant der PURE AIR⁶ aussieht, einige Dinge sind vor einem endgültigen Urteil noch offen.
Die Internetseiten enthalten widersprüchliche Angaben
Die offizielle Pressemitteilung nennt drei Modelle mit 20 km/h. Auf den Produktseiten stehen teilweise 22 km/h. Zusätzlich wird im STREETBOOSTER-Shop ein derzeit nicht verfügbares Ultra-Max-Modell mit 1.900 Watt aufgeführt. An anderen Stellen tauchen diese 1.900 Watt versehentlich auch in der Beschreibung des normalen Ultra auf, obwohl dessen technische Tabelle eindeutig 1.200 Watt nennt.
Das wirkt unnötig chaotisch.
Bei einem neuen Produkt können Fehler passieren. Vor dem Verkaufsstart sollten Leistung, Geschwindigkeit und Modellbezeichnungen aber eindeutig sein.
Die Reichweitenangaben sind sehr optimistisch
90 Kilometer aus 624 Wh sind nur unter äußerst günstigen Bedingungen realistisch. Käufer sollten nicht damit rechnen, diese Reichweite im normalen Alltag dauerhaft zu erreichen.
Das Basismodell ist schwer und hat wenig Akku
23 Kilogramm bei 270 Wh sind kein besonders überzeugendes Verhältnis. Der Aufpreis zum Pro+ ist so gering, dass das Basismodell fast nur über den niedrigsten Einstiegspreis argumentiert.
Kein Wechselakku
Alle Varianten müssen zum Laden zur Steckdose gebracht werden. Bei mehr als 23 Kilogramm kann das im Alltag problematisch sein.
Elektronische Verriegelung ersetzt kein Schloss
Die App-Funktion ist praktisch, verhindert aber nicht, dass der Scooter weggetragen wird.
Langzeithaltbarkeit der Federung ist unbekannt
Die GlideMotion-Konstruktion sieht aufwendig aus. Wie sie nach vielen Kilometern, Regen, Staub und Wintereinsatz funktioniert, lässt sich erst später beurteilen.
Reale Bremsleistung muss getestet werden
Die Kombination aus vorderer Trommelbremse und hinterer Rekuperationsbremse kann gut funktionieren. Entscheidend sind jedoch Abstimmung, Bremsweg und thermische Stabilität.
Für wen eignet sich der PURE AIR⁶ Ultra?
Der Ultra könnte besonders interessant sein für:
- Pendler mit täglichen Strecken zwischen 10 und 30 Kilometern
- Fahrer mit höherem Körpergewicht
- Menschen, die regelmäßig schlechte Radwege befahren
- Käufer, die Wert auf Federung und Fahrstabilität legen
- Nutzer, die einen großen Akku möchten, aber nicht über 1.000 Euro ausgeben wollen
- Fahrer in leicht hügeligen Regionen
Weniger geeignet ist er für Menschen, die ihren Scooter regelmäßig tragen müssen oder zwingend einen herausnehmbaren Akku benötigen.
Für sehr steile Regionen würde ich außerdem zunächst einen Praxistest abwarten. Die angegebene Steigfähigkeit von 23 Prozent klingt gut, muss sich mit einem schweren Fahrer aber erst bestätigen.
Mein vorläufiges Fazit zum PURE AIR⁶ Suspension
PURE und STREETBOOSTER bringen mit der AIR⁶-Suspension-Serie drei überraschend interessante E-Scooter nach Deutschland.
Die Kombination aus deutscher Straßenzulassung, Doppelfederung, 10-Zoll-Tubeless-Reifen, Blinkern, IP65 und Preisen unter 650 Euro ist stark.
Besonders der PURE AIR⁶ Pro+ und der AIR⁶ Ultra wirken attraktiv. Beim Pro+ bekommt man für nur 50 Euro Aufpreis einen erheblich größeren Akku als beim Basismodell. Der Ultra ergänzt noch einmal mehr Kapazität, 500 Watt Nennleistung und die aktive Lenkstabilisierung.
Mein persönlicher Favorit wäre zunächst der Ultra.
Nicht wegen der beworbenen 90 Kilometer, denn diese Zahl halte ich im Alltag für deutlich zu optimistisch. Entscheidend sind für mich der 624-Wh-Akku, die höhere Nennleistung und die zusätzliche Fahrstabilisierung.
Trotzdem würde ich vor einem endgültigen Urteil einen vollständigen Test abwarten. Besonders spannend sind die reale Reichweite, das Verhalten am Berg, die Qualität der Federung und die Bremsleistung.
PURE muss außerdem seine Produktkommunikation aufräumen. 20 oder 22 km/h, 1.200 oder 1.900 Watt und drei oder vier Modelle – solche Fragen sollten Käufer nicht selbst aus unterschiedlichen Tabellen herausfiltern müssen.
Das Grundprodukt hat Potenzial. Jetzt muss sich zeigen, ob der neue PURE AIR⁶ nicht nur auf dem Datenblatt, sondern auch auf schlechten Straßen überzeugt.
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