Der Markt für elektrische 45-km/h-Roller wird gerade deutlich spannender. Lange Zeit bestand die Auswahl entweder aus sehr günstigen Importfahrzeugen mit überschaubarer Ersatzteilversorgung oder aus etablierten Modellen, die technisch solide waren, optisch aber nicht unbedingt Begeisterungsstürme ausgelöst haben.
Mit dem neuen NIU FQiX 150 will NIU genau dazwischengehen: auffälliges Design, bis zu zwei herausnehmbare Akkus, großes TFT-Display, Navigation, Traktionskontrolle und sogar ein Heckradar. Der Einstiegspreis liegt bei 2.499 Euro.
Auf dem Papier klingt das erst einmal ziemlich überzeugend.
Ich beschäftige mich seit mehr als elf Jahren intensiv mit Elektromobilität und habe in dieser Zeit viele Elektroroller kommen und auch wieder verschwinden sehen. Deshalb schaue ich bei einem neuen Modell nicht nur auf Spitzenleistung, Displaygröße und theoretische Reichweite. Entscheidend sind die Fragen, die nach dem ersten Werbeprospekt übrig bleiben:
Wie weit kommt der FQiX 150 mit dem serienmäßigen Akku wirklich? Wie teuer wird der wichtige zweite Akku? Warum gibt es Traktionskontrolle und Heckradar, aber offenbar kein ABS? Und ist ein 45-km/h-Roller für 2.499 Euro tatsächlich ein gutes Angebot, wenn die stärkere 80-km/h-Version nur 500 Euro mehr kostet?
Genau das möchte ich in dieser ausführlichen Vorstellung einordnen. Wichtig dabei: Das hier ist noch kein vollständiger Scooterhelden-Fahrtest. Ich stelle den neuen NIU FQiX 150 auf Basis der offiziellen technischen Daten und des aktuell verfügbaren Bildmaterials vor. Sobald wir ein Fahrzeug ausführlich fahren können, müssen Reichweite, Bremsweg, Beschleunigung, Federung und App im Alltag überprüft werden.
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Was ist der neue NIU FQiX 150?
Der FQiX 150 ist ein elektrisch angetriebener Motorroller im 50-Kubikzentimeter-Segment. Die wichtigste Variante erreicht eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und fällt damit in die Kleinkraftradklasse. Daneben wird das Modell auch als auf 25 km/h begrenzte Version angeboten.
NIU hat die neue FQiX-Baureihe erstmals auf der EICMA 2025 präsentiert. Die Deutschland-Premiere folgte im März 2026 auf der Motorräder Dortmund. Damals kündigte der Hersteller die Markteinführung für das dritte Quartal 2026 an. Mittlerweile wird der FQiX 150 in Deutschland ab 2.499 Euro angeboten und von ersten Händlern als lieferbar beziehungsweise bestellbar geführt.
Innerhalb der neuen Baureihe bildet der FQiX 150 den Einstieg. Darüber positioniert NIU den FQiX 300 mit bis zu 80 km/h. Beide Fahrzeuge teilen sich weitgehend die neue, kantige Formensprache, richten sich aber an unterschiedliche Führerscheinklassen und Einsatzbereiche.
Der FQiX 150 ist in den Farben Orange, Silber und Schwarz vorgesehen. Das von NIU zur Verfügung gestellte Datenblatt nennt eine unverbindliche Preisempfehlung von 2.499 Euro. Serienmäßig wird das Fahrzeug mit einem Akku ausgeliefert; ein zweiter Akku kann optional ergänzt werden.
Der FQiX 150 bricht mit dem klassischen NIU-Design
NIU war über Jahre hinweg vor allem für seine relativ runden, freundlichen Elektroroller bekannt. Besonders das kreisförmige Tagfahrlicht wurde zu einem Erkennungszeichen der Marke.
Der FQiX 150 geht optisch einen deutlich anderen Weg.
Die Front ist schärfer gezeichnet, die Seitenverkleidungen wirken massiver und die gesamte Karosserie sieht kantiger aus. NIU spricht von einer neuen Designsprache mit einem X-förmigen LED-Scheinwerfer und aerodynamisch modellierten Flächen.
Auf den bereitgestellten Aufnahmen fällt besonders die orangefarbene Frontverkleidung auf. Zusammen mit den dunklen, teilweise camouflageartigen Seitenflächen wirkt der Roller fast ein wenig wie ein urbanes Einsatzfahrzeug. Das Design dürfte polarisieren – und genau das ist vermutlich gewollt.
Ich finde diesen Schritt grundsätzlich richtig. Ein Fahrzeug muss nicht jedem gefallen. Es muss zunächst einmal eine erkennbare Identität besitzen. Der FQiX 150 sieht jedenfalls nicht wie der nächste beliebige Elektroroller aus einem anonymen Katalog aus.
Die Seitenansicht zeigt außerdem einen vergleichsweise langen Radstand, eine gestufte Sitzbank und relativ große Räder. Der Roller wirkt dadurch erwachsener als viele kompakte 45-km/h-Modelle. Gleichzeitig bleibt der klassische Durchstieg erhalten, was im Alltag beim häufigen Auf- und Absteigen angenehm sein dürfte.
Mit 1.979 Millimetern Länge, 745 Millimetern Breite und 1.152 Millimetern Höhe ist der FQiX 150 kein winziger City-Flitzer. Der Radstand beträgt laut Datenblatt 1.400 Millimeter, die Sitzhöhe liegt bei gut zugänglichen 785 Millimetern.
Gerade für größere Fahrer könnte diese ausgewachsenere Geometrie interessant sein. Ob die Sitzposition auch für Menschen um 1,90 Meter dauerhaft bequem ist, kann allerdings erst eine Probefahrt zeigen.
45 km/h und bis zu 3.800 Watt Spitzenleistung
Die 45-km/h-Version des NIU FQiX 150 arbeitet mit einem elektrischen Radnabenmotor. Der Hersteller nennt eine maximale Leistung von bis zu 3.800 Watt.
Bei der Dauerleistung gibt es allerdings unterschiedliche Angaben, die man sauber voneinander trennen muss. Das deutsche Datenblatt nennt abhängig von der Ausführung 3.500 beziehungsweise 1.800 Watt Dauerleistung. Die offizielle Produktseite führt dagegen für die leistungsstärkere Version 3.300 Watt Dauerleistung auf.
Nach aktueller Einordnung dürften die 1.800 Watt zur 25-km/h-Version und die rund 3.300 bis 3.500 Watt zur 45-km/h-Ausführung gehören. Trotzdem sollte NIU hier für eine einheitliche Kommunikation sorgen. Wer mehrere Tausend Euro für einen Roller ausgibt, sollte in Datenblatt, Fahrzeugpapieren und Internetseite dieselben Leistungswerte finden.
Die Beschleunigung von 0 auf 45 km/h wird mit 4,46 Sekunden angegeben. Das ist für einen Stadtroller ordentlich. Rein rechnerisch dürfte der FQiX 150 damit an der Ampel zügig loskommen, ohne in einen unnötig aggressiven Bereich zu geraten.
Beim Drehmoment nennt NIU stolze 180 Newtonmeter bei 10 Umdrehungen pro Minute. Diese Angabe klingt spektakulär, sollte aber nicht direkt mit dem Motordrehmoment eines Mittelmotors oder Verbrennungsmotors verglichen werden. Bei einem Radnabenmotor wird das Drehmoment unmittelbar am Hinterrad angegeben. Übersetzungsverhältnisse und Messmethoden unterscheiden sich erheblich.
Wichtiger ist deshalb das tatsächliche Anfahrverhalten: Setzt die Leistung sauber und kontrollierbar ein? Bleibt der Roller auch mit Beifahrer souverän? Und hält er an längeren Steigungen sein Tempo?
Die offizielle Steigfähigkeit wird mit 16 Prozent angegeben. Für die Stadt und normale Überlandstrecken sollte das ausreichen. In bergigen Regionen oder bei maximaler Zuladung muss ein Praxistest zeigen, wie viel von dieser Angabe übrig bleibt.
Fünf Fahrmodi und eine zusätzliche Boost-Funktion
Der FQiX 150 bietet eine ungewöhnlich große Auswahl an Fahrmodi:
- E-Save
- Comfort
- Sports
- Master
- Wet
Darüber hinaus nennt NIU eine einstellbare Ultra-Boost-Funktion. Auch die Traktionskontrolle, die Stärke der Energierückgewinnung, die automatische Parkbremse und die Speicherung des zuletzt verwendeten Fahrmodus sollen konfigurierbar sein.
Das klingt zunächst nach Spielerei, kann im Alltag aber durchaus sinnvoll sein.
Im Wet-Modus könnte die Leistungsabgabe bei Regen sanfter erfolgen. E-Save dürfte auf Reichweite ausgelegt sein, während Sports und Master eine direktere Gasannahme ermöglichen könnten. Entscheidend wird sein, ob sich die Modi wirklich unterschiedlich anfühlen oder ob hauptsächlich die Anzeige im Display wechselt.
Die einstellbare Rekuperation ist ebenfalls interessant. Eine starke Energierückgewinnung kann das Fahren in der Stadt angenehmer machen, weil man häufiger allein über den Gasgriff verzögert. Gleichzeitig darf das System nicht ruckartig reagieren oder auf glattem Untergrund das Hinterrad destabilisieren.
Ein oder zwei Akkus: Hier steckt der wichtigste Unterschied
Das Akkusystem gehört zu den zentralen Verkaufsargumenten des FQiX 150.
Jeder Akku arbeitet mit 72 Volt und 28 Amperestunden. Daraus ergibt sich eine nominelle Energie von 2.016 Wattstunden beziehungsweise 2,016 Kilowattstunden pro Batterie. Mit zwei Akkus stehen insgesamt 4.032 Wattstunden zur Verfügung.
Der Roller wird allerdings standardmäßig nur mit einem Akku ausgeliefert. Der zweite Akku ist optional.
Das ist eine entscheidende Information, denn die groß beworbene Reichweite von 100 bis 110 Kilometern gilt ausdrücklich nur mit zwei Akkus. NIU weist darauf auf der eigenen Produktseite hin.
Mit einem Akku dürfte die theoretische Reichweite unter vergleichbaren Testbedingungen ungefähr bei 50 bis 60 Kilometern liegen. Das ist keine von mir gemessene Alltagsreichweite, sondern eine naheliegende Größenordnung aus halber Akkukapazität und den Herstellerangaben für das Doppelakku-System.
In der Realität würde ich zunächst deutlich vorsichtiger kalkulieren.
Temperatur, Fahrergewicht, Reifendruck, Geschwindigkeit, Steigungen, Gegenwind und häufiges Beschleunigen haben bei einem 45-km/h-Roller einen erheblichen Einfluss. Wer dauerhaft Vollgas fährt, im Winter unterwegs ist oder regelmäßig eine zweite Person mitnimmt, wird die Laborreichweite kaum erreichen.
Für eine ehrliche Kaufberatung ist deshalb nicht die Frage entscheidend, ob irgendwo „110 Kilometer“ steht. Entscheidend ist:
Wie viele Kilometer schafft der FQiX 150 bei 45 km/h mit einem Akku, einem etwa 90 Kilogramm schweren Fahrer und realistischem Stadt- und Landstraßenverkehr?
Genau diesen Wert müssen wir später testen.
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15,5 Kilogramm pro Akku sind kein Leichtgewicht
Die Akkus können aus dem Fahrzeug entnommen und an einer normalen Steckdose geladen werden. Das ist wichtig für Menschen, die in einer Wohnung ohne eigene Garage oder Außensteckdose leben.
Jeder Akku wiegt allerdings 15,5 Kilogramm. Bei zwei Batterien werden daraus 31 Kilogramm.
Ein Akku mit mehr als 15 Kilogramm lässt sich noch tragen, bequem ist das aber nicht. Wer im vierten Stock ohne Aufzug wohnt, wird sich sehr genau überlegen, ob er wirklich regelmäßig beide Batterien nach oben schleppt.
Hier zeigt sich ein typischer Zielkonflikt bei Elektrorollern:
Ein großer Akku bringt Reichweite, aber eben auch Gewicht. Zwei kleinere, herausnehmbare Einheiten sind flexibler als ein fest verbauter Großakku, doch 15,5 Kilogramm pro Einheit bleiben spürbar.
Die Ladezeit beträgt laut NIU etwa drei Stunden pro Akku. Für zwei Akkus werden insgesamt rund sechs Stunden genannt. Dabei sollte vor dem Kauf geklärt werden, ob beide Batterien gleichzeitig im Fahrzeug geladen werden können oder ob das konkrete Ladegerät die Akkus nacheinander versorgt.
Der Akkuschutz wird mit IPX7 angegeben. Das bedeutet einen hohen Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter definierten Laborbedingungen. Es ist trotzdem keine Einladung, den Roller durch Hochwasser zu fahren oder Akkuanschlüsse mit dem Hochdruckreiniger zu bearbeiten.
Was wiegt der NIU FQiX 150 wirklich?
Im Datenblatt stehen 95 Kilogramm ohne Akku.
Mit einem Akku ergibt sich daraus ein fahrbereites Gewicht von ungefähr 110,5 Kilogramm. Mit zwei Akkus steigt das Gewicht auf etwa 126 Kilogramm.
Das ist für einen ausgewachsenen Elektroroller nicht ungewöhnlich, sollte aber vor allem beim Rangieren berücksichtigt werden. Wer den Roller regelmäßig über eine steile Rampe schieben, in einer engen Garage drehen oder auf einem Motorradträger transportieren möchte, muss diese Masse einplanen.
Eine Rückfahrhilfe gehört deshalb nicht nur in die Kategorie technischer Spielereien. Bei einem rund 126 Kilogramm schweren Fahrzeug kann sie an Steigungen oder in engen Parklücken wirklich hilfreich sein.
Die maximale Zuladung liegt bei 150 Kilogramm. Dabei zählen Fahrer, Beifahrer, Kleidung, Helm, Gepäck und Zubehör zusammen.
Für einen großen Fahrer plus erwachsenen Beifahrer kann diese Grenze relativ schnell erreicht sein. Der Roller besitzt zwar eine 620 Millimeter lange Sitzbank und ist für zwei Personen ausgelegt, die maximale Zuladung sollte man trotzdem nicht ignorieren.
31 Liter Stauraum unter der Sitzbank
Ein echtes Highlight könnte das 31 Liter große Staufach sein.
Auf einem der bereitgestellten Bilder ist ein Helm unter der geöffneten Sitzbank zu sehen. Auch NIU wirbt damit, dass ein vollständiger Helm in den Stauraum passen soll.
Das ist im Alltag deutlich wertvoller als die nächste App-Animation.
Viele Elektroroller opfern fast den gesamten Stauraum für ihre Akkus. Beim FQiX 150 scheint NIU das Batteriesystem so integriert zu haben, dass unter der Sitzbank weiterhin ein brauchbares Fach bleibt. Dort könnten je nach Helmform zusätzlich Handschuhe, ein kleines Ladegerät oder Regenkleidung Platz finden.
Ob wirklich jeder Integralhelm hineinpasst, würde ich dennoch nicht pauschal versprechen. Helme unterscheiden sich erheblich in Größe und Form. Wer einen besonders großen Helm trägt, sollte das beim Händler ausprobieren.
Ebenfalls spannend ist die Frage, ob das volle Stauvolumen auch bei montiertem zweiten Akku erhalten bleibt. Die aktuellen Angaben stellen 31 Liter Stauraum und Doppelakku-Fähigkeit nebeneinander dar, erklären die genaue Anordnung der zweiten Batterie aber nicht besonders ausführlich. Das sollte vor dem Kauf am realen Fahrzeug geprüft werden.
Fahrwerk: 14-Zoll-Räder und überschaubare Federwege
Der NIU FQiX 150 fährt auf 14-Zoll-Rädern. Vorn kommt ein Reifen im Format 90/90-14, hinten ein breiterer 110/80-14 zum Einsatz.
14-Zoll-Räder sind für einen City-Roller grundsätzlich ein guter Kompromiss. Sie sollten stabiler über Schlaglöcher und schlechte Fahrbahnen rollen als kleine 10- oder 12-Zoll-Räder, ohne das Fahrzeug unnötig träge zu machen.
Vorn stehen 80 Millimeter Federweg zur Verfügung, hinten 60 Millimeter. Die Bodenfreiheit beträgt 155 Millimeter.
Das klingt nach einem klar auf Asphalt ausgelegten Fahrzeug. Kopfsteinpflaster, abgesenkte Bordsteine und typische Straßenschäden sollten machbar sein. Ein Offroad-Roller wird der FQiX 150 dadurch natürlich nicht.
NIU nennt außerdem eine Wattiefe von 210 Millimetern. Solche Angaben sind interessant, dürfen aber nicht falsch verstanden werden. Selbst wenn ein Fahrzeug eine bestimmte Wasserdurchfahrt technisch verkraften soll, können Strömung, versteckte Schlaglöcher und eindringendes Wasser erhebliche Schäden verursachen. Durch überflutete Straßen würde ich mit keinem Elektroroller freiwillig fahren.
CBS, TCS und Heckradar – aber kein ABS
An Vorder- und Hinterrad sitzen hydraulische Scheibenbremsen. Die vordere Scheibe misst 240 Millimeter, die hintere 200 Millimeter. Ergänzt wird das System durch CBS und TCS.
CBS steht für Combined Braking System. Beim Bremsen wird die Bremskraft kontrolliert auf Vorder- und Hinterrad verteilt beziehungsweise miteinander kombiniert. Das kann ungeübten Fahrern helfen, stabiler zu verzögern.
TCS ist die Traktionskontrolle. Sie soll ein übermäßiges Durchdrehen des angetriebenen Hinterrads reduzieren, beispielsweise beim Anfahren auf nasser oder rutschiger Fahrbahn.
Beides ist sinnvoll.
Trotzdem fehlt dem FQiX 150 laut aktuellem Datenblatt ein echtes Antiblockiersystem. Der stärkere FQiX 300 besitzt dagegen ABS.
Das ist für mich einer der wichtigsten Kritikpunkte.
Ein Heckradar kann auf Fahrzeuge im rückwärtigen Bereich aufmerksam machen. Eine Musikintegration kann komfortabel sein. Ein großes Display sieht modern aus. Aber bei einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn verhindert keines dieser Systeme ein blockierendes Vorderrad.
Natürlich ist ABS in der 45-km/h-Klasse keine Selbstverständlichkeit. Bei einem technisch so ambitionierten Fahrzeug hätte es aber gut zum Gesamtkonzept gepasst. Vor allem deshalb, weil NIU den FQiX 150 nicht als minimalistischen Billigroller vermarktet, sondern als smarten und modernen Premium-City-Roller.
Was kann das Heckradar leisten?
Das Heckradar gehört zu den ungewöhnlichsten Funktionen des neuen FQiX 150.
Nach Angaben des Herstellers kann das System den rückwärtigen Bereich überwachen und den Fahrer vor sich nähernden Verkehrsteilnehmern warnen. Die Hinweise sollen über das TFT-Display erfolgen.
Grundsätzlich begrüße ich jede Technik, die die Wahrnehmung im Straßenverkehr verbessert. Gerade Rollerfahrer werden von Autofahrern nicht immer richtig eingeschätzt. Ein Fahrzeug, das sich schnell von hinten nähert, kann deshalb eine wichtige Information sein.
Ein solches System darf aber nie den Schulterblick oder die Spiegel ersetzen. Radar kann tote Winkel reduzieren, aber Sensoren können verschmutzt, verdeckt oder durch ungünstige Verkehrssituationen irritiert werden.
Die entscheidenden Fragen für einen späteren Test sind deshalb:
Wie zuverlässig erkennt das System Autos und Motorräder? Warnt es auch ständig vor Leitplanken oder parkenden Fahrzeugen? Ist die Anzeige gut sichtbar, ohne abzulenken? Und kann die Empfindlichkeit angepasst werden?
Ein schlecht abgestimmtes Warnsystem wird schnell deaktiviert. Ein gut abgestimmtes Radar könnte dagegen tatsächlich einen Sicherheitsgewinn bringen.
Das 5-Zoll-TFT ist mehr als ein einfacher Tacho
Im Cockpit sitzt ein 5 Zoll großes TFT-Farbdisplay.
Das bereitgestellte Detailfoto zeigt eine moderne Oberfläche mit Fahrstufe, Restreichweite, Kilometerstand, TCS-Anzeige und Musiksteuerung. Die Darstellung wirkt eher wie ein kompaktes Motorrad-Cockpit als wie ein einfacher Digitaltacho.
Über die sogenannte NIU Link Crown am Lenker sollen verschiedene Funktionen bedient werden können, ohne direkt am Display herumzutippen. Dazu gehören unter anderem Navigation, Musik und Anrufsteuerung.
NIU nennt für den FQiX 150 unter anderem folgende digitale Funktionen:
- Navigation im Dashboard
- NFC-Entsperrung
- Passwortentsperrung
- Smartphone-Verbindung
- Routenaufzeichnung
- Fahrdaten
- Fahrzeugstatus
- Musikintegration
- Rundenzeitmesser
- OTA-Softwareupdates
- App-Anbindung
- Heckradarwarnungen
Hinzu kommen USB-A und USB-C mit Schnellladefunktion.
Das ist eine umfangreiche Ausstattung. Trotzdem sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass jede Funktion perfekt umgesetzt ist.
Navigation kann beispielsweise bedeuten, dass lediglich einfache Pfeile angezeigt werden. Musikintegration funktioniert möglicherweise nur mit bestimmten Smartphones oder Apps. OTA-Updates sind praktisch, können aber im schlimmsten Fall auch neue Fehler einführen.
Besonders wichtig ist die langfristige App-Unterstützung. Ein Roller kann problemlos zehn Jahre oder länger genutzt werden. Smartphones, Betriebssysteme und Mobilfunkstandards verändern sich dagegen deutlich schneller.
NIU gibt für die App-Verbindung beziehungsweise den Smart-Service laut Datenblatt einen Zeitraum von drei Jahren an. Was danach kostenpflichtig wird, eingeschränkt ist oder kostenlos weiterläuft, sollte der Hersteller möglichst transparent erklären.
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Automatisches Licht, Parkbremse und Rückfahrhilfe
Neben den großen Schlagworten besitzt der FQiX 150 mehrere Funktionen, die im Alltag fast wichtiger sein könnten.
Der Scheinwerfer kann automatisch aktiviert werden. Auch eine automatische Parkbremse ist vorgesehen. Zusätzlich lässt sich einstellen, ob das Fahrzeug beim Ausklappen des Seitenständers automatisch in den Parkmodus wechselt.
Das reduziert Bedienfehler. Gerade Einsteiger vergessen bei Elektrorollern manchmal, dass das Fahrzeug bereits fahrbereit ist. Weil kein Verbrennungsmotor hörbar im Leerlauf läuft, kann ein versehentlicher Dreh am Gasgriff unangenehme Folgen haben.
Eine sauber programmierte Parklogik ist deshalb nicht nur Komfort, sondern ein Sicherheitsmerkmal.
Die Rückfahrhilfe ist besonders beim Rangieren nützlich. Bei einem Gewicht von über 110 Kilogramm mit Akku kann bereits eine leichte Steigung anstrengend werden. Solange die Rückfahrgeschwindigkeit langsam und fein dosierbar ist, ergibt diese Funktion absolut Sinn.
Führerschein und rechtliche Einordnung in Deutschland
Die 45-km/h-Version des FQiX 150 ist als elektrisches Kleinkraftrad einzuordnen. Für zweirädrige Kleinkrafträder gelten maximal 45 km/h und höchstens 4 kW Nenndauerleistung. Die Fahrerlaubnisklasse AM deckt diese Fahrzeugart ab; auch die Klassen A1, A2, A und der deutsche Autoführerschein der Klasse B schließen AM grundsätzlich ein.
Für den Betrieb im öffentlichen Straßenverkehr werden eine gültige Haftpflichtversicherung und ein Versicherungskennzeichen benötigt. Das Kennzeichen muss am Fahrzeug angebracht werden; die Versicherungsbescheinigung ist mitzuführen.
Da die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h liegt, besteht außerdem Helmpflicht.
Der FQiX 150 gehört auf die normale Fahrbahn und nicht auf den Radweg. Es handelt sich nicht um einen E-Scooter nach Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung und auch nicht um ein Pedelec.
Bei der 25-km/h-Version hängt die konkrete Fahrerlaubnis- und Zulassungssituation von der Homologation und den Fahrzeugpapieren ab. Käufer sollten deshalb nicht allein auf eine Produktbeschreibung vertrauen, sondern sich die konkrete Fahrzeugklasse und Höchstgeschwindigkeit im COC-Dokument beziehungsweise in der Betriebserlaubnis bestätigen lassen.
Die wichtigsten technischen Daten des NIU FQiX 150
| Merkmal | NIU FQiX 150 |
|---|---|
| Preis | ab 2.499 Euro |
| Höchstgeschwindigkeit | 25 oder 45 km/h |
| Spitzenleistung | bis 3.800 Watt |
| Dauerleistung | je nach Version etwa 1.800 beziehungsweise 3.300–3.500 Watt |
| Beschleunigung | 0–45 km/h in 4,46 Sekunden |
| Maximales Drehmoment | 180 Nm bei 10 U/min |
| Steigfähigkeit | 16 Prozent |
| Akku | 72 V, 28 Ah |
| Energie pro Akku | 2.016 Wh |
| Anzahl der Akkus | einer serienmäßig, zweiter optional |
| Maximale Gesamtkapazität | 4.032 Wh |
| Maximale Reichweite | 100–110 km mit zwei Akkus |
| Ladezeit | etwa 3 Stunden pro Akku |
| Akkugewicht | 15,5 kg pro Akku |
| Fahrzeuggewicht | 95 kg ohne Akku |
| Gewicht mit einem Akku | etwa 110,5 kg |
| Gewicht mit zwei Akkus | etwa 126 kg |
| Maximale Zuladung | 150 kg |
| Sitzplätze | zwei |
| Sitzhöhe | 785 mm |
| Stauraum | 31 Liter |
| Reifen | 90/90-14 vorn, 110/80-14 hinten |
| Bremsen | hydraulische Scheibenbremsen |
| Bremsscheiben | 240 mm vorn, 200 mm hinten |
| Assistenzsysteme | CBS, TCS, Heckradar |
| ABS | laut aktuellem Datenblatt nicht vorhanden |
| Display | 5-Zoll-TFT |
| Anschlüsse | USB-A und USB-C |
| Farben | Orange, Silber, Schwarz |
Die Daten basieren auf dem deutschen NIU-Datenblatt und der aktuellen Produktseite. Bei einzelnen Leistungsangaben bestehen derzeit leichte Abweichungen zwischen den Quellen.
Was kostet der FQiX 150 mit zwei Akkus wirklich?
Die unverbindliche Preisempfehlung von 2.499 Euro ist attraktiv – gilt aber für die Ausführung mit einem Akku.
Wer die beworbenen 100 bis 110 Kilometer Reichweite nutzen möchte, braucht den optionalen zweiten Akku. Einen einheitlichen offiziellen Endpreis für das Fahrzeug mit zwei Batterien kommuniziert NIU auf der deutschen Produktseite derzeit nicht besonders deutlich.
Und genau dieser Preis ist für die Kaufentscheidung entscheidend.
Ein 45-km/h-Roller mit rund 50 Kilometern theoretischer Ein-Akku-Reichweite ist ein anderes Produkt als ein Roller mit mehr als vier Kilowattstunden Akkukapazität. Interessenten sollten sich deshalb vom Händler ein vollständiges Angebot erstellen lassen, das folgende Positionen enthält:
Fahrzeug, zweiter Akku, Ladegerät, Überführung, Fahrzeugpapiere, eventuelle Montagekosten und mögliche Kosten für den Smart-Service nach Ablauf der enthaltenen Laufzeit.
Erst dann lässt sich der FQiX 150 fair mit Konkurrenzmodellen vergleichen.
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Der FQiX 300 macht die Kaufentscheidung schwieriger
Der stärkere FQiX 300 startet offiziell bereits bei 2.999 Euro. Er erreicht 80 km/h, wird mit zwei Akkus beworben und besitzt zusätzlich ABS. Dafür ist mindestens ein Führerschein der Klasse A1 oder eine entsprechende Erweiterung wie B196 erforderlich.
Damit liegen zwischen FQiX 150 und FQiX 300 zunächst nur 500 Euro.
Für Menschen, die ausschließlich einen Autoführerschein ohne B196 besitzen oder bewusst bei 45 km/h bleiben möchten, ist der FQiX 150 weiterhin logisch. Wer jedoch bereits A1, A2, A oder B196 hat, sollte sehr genau rechnen.
Sobald beim FQiX 150 der zweite Akku ergänzt wird, könnte der Preisunterschied zum 80-km/h-Modell erheblich schrumpfen oder komplett verschwinden.
Dann stellt sich die berechtigte Frage:
Warum sollte ich einen 45-km/h-Roller ohne ABS kaufen, wenn ich für einen überschaubaren Aufpreis einen 80-km/h-Roller mit Doppelakku und ABS bekommen kann?
Darauf muss der FQiX 150 im Alltag eine überzeugende Antwort liefern – beispielsweise durch geringere Versicherungskosten, bessere Effizienz, niedrigere Unterhaltskosten oder ein besonders leichtes und handliches Fahrverhalten.
Für wen könnte sich der NIU FQiX 150 lohnen?
Der FQiX 150 richtet sich vor allem an Pendler, die regelmäßig Strecken innerhalb einer Stadt oder zwischen benachbarten Orten zurücklegen.
Mit einem Akku dürfte er besonders für tägliche Wege von etwa 15 bis 30 Kilometern interessant sein. Dann bleibt genügend Reserve, ohne dass jeden Tag geladen werden muss. Mit zwei Akkus werden auch längere Pendelstrecken denkbar.
Gut passen könnte der Roller zu Menschen, die:
- einen Autoführerschein oder AM-Führerschein besitzen,
- keinen Pkw für den Arbeitsweg einsetzen möchten,
- zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können,
- Wert auf App, Navigation und Diebstahlschutz legen,
- einen herausnehmbaren Akku benötigen,
- regelmäßig Stauraum für Helm und Gepäck brauchen,
- überwiegend in der Stadt oder im stadtnahen Bereich fahren.
Weniger geeignet ist ein 45-km/h-Roller für Strecken, auf denen der Verkehr regelmäßig mit 70 oder 100 km/h fließt. Auch auf längeren Landstraßen kann die Geschwindigkeitsdifferenz zu Autos unangenehm werden.
Wer häufig zu zweit fährt, sollte außerdem die maximale Zuladung und das Verhalten an Steigungen im Blick behalten.
Meine vorläufige Einschätzung zum FQiX 150
Der NIU FQiX 150 ist einer der interessantesten neuen 45-km/h-Elektroroller des Jahres 2026.
Das liegt nicht daran, dass einzelne technische Daten völlig revolutionär wären. 45 km/h, herausnehmbare Akkus und App-Anbindung gibt es auch bei anderen Modellen.
Spannend ist vielmehr die Kombination:
Ein erwachsenes Fahrwerk mit 14-Zoll-Rädern, bis zu 4.032 Wattstunden Akkukapazität, 31 Liter Stauraum, großes TFT-Display, Navigation, NFC, Traktionskontrolle, Rückfahrhilfe und Heckradar zu einem Einstiegspreis von 2.499 Euro.
Auch das mutigere Design gefällt mir. NIU verlässt die eigene Komfortzone und baut einen Roller, der bewusst auffallen möchte.
Trotzdem gibt es noch offene Punkte.
Der wichtigste ist der Preis des zweiten Akkus. Ohne diesen Akku sind die beworbenen 100 bis 110 Kilometer nicht erreichbar. Ebenfalls kritisch sehe ich das fehlende ABS. CBS und TCS sind sinnvoll, ersetzen beim Bremsen aber kein Antiblockiersystem.
Hinzu kommen widersprüchliche Angaben zur Dauerleistung und die Frage, welche Smart-Funktionen nach den genannten drei Jahren noch kostenlos nutzbar bleiben.
Der FQiX 150 hat deshalb sehr gute Voraussetzungen – aber er muss im Praxistest beweisen, dass hinter der umfangreichen Ausstattung auch ein sauber abgestimmtes Fahrzeug steckt.
Besonders testen würde ich:
die reale Reichweite mit einem und zwei Akkus, die Beschleunigung mit hoher Zuladung, die Dosierung der Bremsen, das Verhalten auf nasser Straße, die Genauigkeit des Heckradars, die Navigation, den Federungskomfort und die tatsächliche Größe des Stauraums.
Erst danach lässt sich seriös sagen, ob der NIU FQiX 150 nur gut ausgestattet ist oder wirklich einer der besten 45-km/h-E-Roller seiner Preisklasse wird.
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Fazit: Viel Technik für 2.499 Euro, aber genau hinschauen
Der neue NIU FQiX 150 ist kein langweiliger Elektroroller.
Er bietet ein auffälliges Design, kräftige Beschleunigung, bis zu zwei große Akkus, viel Stauraum und eine umfangreiche digitale Ausstattung. Besonders das Heckradar, das TFT-Display und die verschiedenen Fahrmodi heben ihn von vielen einfachen 45-km/h-Rollern ab.
Der Einstiegspreis von 2.499 Euro wirkt fair. Allerdings gilt dieser Preis nur für das Fahrzeug mit einem Akku. Wer die volle Reichweite möchte, muss einen zweiten Akku einkalkulieren.
Genau dort entscheidet sich am Ende das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Für Stadtpendler mit AM- oder Autoführerschein kann der FQiX 150 eine sehr interessante Alternative zum Zweitwagen oder öffentlichen Nahverkehr sein. Wer bereits A1 oder B196 besitzt, sollte dagegen auch den nur 500 Euro teureren FQiX 300 prüfen.
Meine vorläufige Einschätzung fällt deshalb positiv, aber nicht unkritisch aus:
Der FQiX 150 sieht nach einem durchdachten und modernen City-Roller aus. Ob er auch beim Bremsen, Laden, Rangieren und bei der realen Reichweite überzeugt, muss ein ausführlicher Test zeigen.

