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    Startseite | E-Motorrad News | Charged Ndara vorgestellt: 11-kW-E-Motorrad mit 125 km/h und Type 2
    E-Motorrad News

    Charged Ndara vorgestellt: 11-kW-E-Motorrad mit 125 km/h und Type 2

    30. Juli 2026
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    Charged Ndara mit 11 kW Peak, 125 km/h, Type 2 und bis zu 8 kWh: Alle Daten, Preise und offenen Fragen zur Europa-Zulassung.
    Die Charged Ndara verspricht viel für unter 4.000 Euro. Wir prüfen Leistung, Reichweite, Type-2-Laden und Chancen für Deutschland.
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    Die meisten neuen Elektromotorräder folgen aktuell einem von zwei Extremen. Entweder sie sind leicht, günstig und konsequent für den Stadtverkehr gebaut – oder sie wollen mit enormer Leistung, riesigen Akkus und entsprechend hohen Preisen gegen ausgewachsene Verbrenner antreten. Dazwischen bleibt erstaunlich viel Platz.

    Genau dort positioniert sich die neue Charged Ndara. Das elektrische Naked Bike aus Indonesien soll 125 km/h erreichen, bis zu 11 kW Spitzenleistung liefern und mit zwei Akkus auf eine maximale Reichweite von 100 Kilometern kommen. Dazu gibt es einen Type-2-Ladeanschluss, ABS, Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe, Bergabfahrhilfe und einen speziellen Boost zum Überholen.

    Das liest sich zunächst wie eine ziemlich erwachsene Ansage. Vor allem deshalb, weil die Ndara in Indonesien umgerechnet nicht einmal 4.000 Euro kostet. Ein E-Motorrad mit 125 km/h, bis zu 8 kWh Akkukapazität und Type-2-Anschluss für diesen Preis? Da werde ich nach mehr als elf Jahren in der Elektromobilität automatisch hellhörig.

    Ich werde bei solchen Zahlen allerdings nicht nur neugierig, sondern auch skeptisch. Denn zwischen einer beeindruckenden Pressemitteilung und einem in Deutschland tatsächlich nutzbaren Motorrad liegen Homologation, Ladeelektronik, Reichweitenmessung, Ersatzteilversorgung, Garantie und ein funktionierender Vertrieb. Gerade bei einem Fahrzeug aus einem anderen Rechts- und Wirtschaftsraum sind das keine Nebensächlichkeiten.

    Was steckt also wirklich hinter der Charged Ndara? Wo wirkt das Konzept überraschend durchdacht, welche Angaben sind bereits bestätigt und an welchen Stellen fehlen noch entscheidende Informationen? Genau das schauen wir uns jetzt an.

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    Was ist die Charged Ndara?

    Die Charged Ndara ist ein elektrisches Naked Bike des indonesischen Herstellers Charged. Offiziell vorgestellt wurde das Motorrad am 29. Juni 2026. Charged bezeichnet es als neues elektrisches Flaggschiff und nennt ausdrücklich eine Spitzenleistung von 11.000 Watt sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Diese beiden Werte wurden vom Unternehmen selbst in der offiziellen Vorstellung der Charged Ndara kommuniziert.

    Der Name „Ndara“ soll aus dem Javanischen stammen und „Pferd“ bedeuten. Das passt zur gewünschten Botschaft aus Kraft, Ausdauer und regionaler Identität. Charged versucht also nicht, ein beliebiges internationales Kunstwort auf das Motorrad zu kleben, sondern verbindet das Produkt bewusst mit seinem Heimatmarkt.

    Hinter Charged steht ein noch junger Anbieter mit Hauptsitz beziehungsweise Produktionsaktivitäten im Raum Tangerang in Indonesien und Wurzeln in Singapur. Das Unternehmen ist seit den frühen 2020er-Jahren aktiv und verfolgt ein ausgesprochen ambitioniertes Ziel: In zehn Jahren sollen zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straße gebracht werden. Solche Visionen klingen natürlich groß. Entscheidend ist aber, was davon in belastbaren Produkten, Stückzahlen und einem langfristigen Servicenetz ankommt.

    Die Ndara ist jedenfalls kein langsamer Elektroroller mit Motorradverkleidung. Mit 17-Zoll-Rädern, freistehendem Rohrrahmen, breitem Lenker, kurzem Heck und 125 km/h Höchstgeschwindigkeit will sie als richtiges Motorrad wahrgenommen werden. Charged spricht von einem „electric sport motorcycle“, auch wenn die Ergonomie und die aufrechte Linie eher in Richtung kompaktes Naked Bike oder moderner Roadster gehen.

    Für Indonesien ist die Charged Ndara bereits als Handelsmodell angekündigt. Zusätzlich soll das Motorrad in Singapur unter dem Namen Charged Arena H2 angeboten werden. Von einem offiziellen Marktstart in Deutschland oder einem anderen EU-Land ist dagegen bislang keine Rede.

    Das Design: eigenständig statt austauschbar

    Rein optisch hat Charged meiner Meinung nach vieles richtig gemacht. Die Ndara versucht nicht, einen klassischen Verbrennungsmotor zu imitieren. Gleichzeitig sieht sie nicht nach einem futuristischen Konzept aus, das im Alltag seine Proportionen verliert.

    Vorn sitzt ein rundliches LED-Scheinwerfergehäuse mit horizontal gegliederten Leuchtelementen. Dahinter folgen ein breiter Lenker und eine vergleichsweise aufrechte Sitzposition. Die seitliche Verkleidung zieht sich wie eine kantige Schale um den Akku- und Elektronikbereich. Dreieckige Öffnungen im unteren Bereich lockern die große Fläche auf und geben dem Motorrad eine eigene Wiedererkennbarkeit.

    Besonders gelungen finde ich die Mischung aus geschlossenen Flächen und sichtbarer Mechanik. Rahmen, Federbein und Schwinge werden nicht komplett versteckt. Dadurch bleibt die Ndara als Motorrad lesbar. Das ist wichtig, denn ein E-Motorrad darf gerne anders aussehen, sollte aber nicht wie ein fahrender Akkucontainer wirken.

    Das kurze, beinahe schwebende Heck wirkt sportlich. Gleichzeitig sehe ich dort schon eine erste praktische Frage: Wie bequem sitzt eine zweite Person, und wie viel Zuladung erlaubt das Fahrzeug tatsächlich? Zu Sitzplatzlänge, Soziustauglichkeit und zulässigem Gesamtgewicht liegen bislang keine ausreichend klaren Herstellerangaben vor. Für ein reines Pendlerfahrzeug mag das zweitrangig sein. Wer die Ndara als vollwertige 125er-Alternative betrachtet, möchte es aber wissen.

    Charged nennt drei Farben: Emerald Green, Graphite Silver und Midnight Black. Vor allem das grüne Modell mit den goldfarbenen Linien wirkt hochwertig und eigenständig. Natürlich sagen Renderings und Pressebilder noch nichts über Spaltmaße, Lackqualität, Kunststoffanmutung oder Korrosionsschutz aus. Genau hier müsste ein echter Test ansetzen.

    11 kW Leistung: stark klingende Zahl mit wichtigem Zusatz

    Die Schlagzeile lautet 11 kW. Umgerechnet sind das knapp 15 PS. In Verbindung mit einem angegebenen Fahrzeuggewicht von nur 110 Kilogramm klingt das nach einem sehr lebendigen Stadt- und Landstraßenmotorrad.

    Der entscheidende Zusatz lautet jedoch: Charged spricht von 11 kW Spitzenleistung. Das ist nicht automatisch die Leistung, die der Antrieb über einen längeren Zeitraum halten kann. Bei Elektromotorrädern werden Spitzenleistung, Nennleistung und homologierte Dauerleistung leider immer wieder durcheinandergeworfen.

    Eine hohe Peak-Leistung kann für den Ampelstart oder einen kurzen Überholvorgang sehr relevant sein. Sie verrät aber noch nicht, wie stark das Motorrad nach mehreren Beschleunigungen, bei niedrigem Akkustand, an einem langen Anstieg oder bei hohen Außentemperaturen bleibt. Dafür bräuchten wir unter anderem die 30-Minuten-Dauerleistung, das maximale Drehmoment, die thermische Auslegung von Motor und Controller sowie eine belastbare Leistungskurve.

    Genau diese Angaben fehlen bislang. Charged nennt außerdem keine Beschleunigungswerte. Damit ist jede Aussage darüber, ob sich die Ndara tatsächlich wie eine kräftige 125er fährt, aktuell Spekulation.

    Trotzdem ist die Kombination interessant. Ein leichtes Motorrad benötigt nicht zwangsläufig 30 oder 50 kW, um Spaß zu machen. Wenn die Leistungsabgabe direkt, sauber dosierbar und auch bei halbem Akkustand stabil bleibt, können 11 kW Peak im Alltag völlig ausreichend sein. Gerade in der Stadt zählt das sofort verfügbare Drehmoment oft mehr als eine hohe Endleistung auf dem Papier.

    Die versprochenen 125 km/h liegen außerdem deutlich über dem Niveau vieler elektrischer Leichtkrafträder, die bei 90 oder 100 km/h an ihre Grenze kommen. 125 km/h würden kurze Autobahnetappen zumindest grundsätzlich ermöglichen. Ob die Ndara dieses Tempo dauerhaft hält und wie schnell die Reichweite dabei einbricht, ist allerdings eine ganz andere Frage.

    125 km/h machen die Ndara interessant – aber nicht automatisch autobahntauglich

    Eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h verändert den möglichen Einsatzbereich. Mit einem 90-km/h-E-Roller kann man im Stadtverkehr und auf vielen Landstraßen gut leben. Sobald jedoch eine Kraftfahrstraße, ein schneller Überholvorgang oder ein kurzes Stück Autobahn hinzukommt, fehlen häufig Reserven.

    Die Ndara soll diese Lücke schließen. Realistische 125 km/h würden bedeuten, dass man im Verkehr mitschwimmen kann, ohne permanent am Anschlag zu hängen. Doch Herstellerangaben zur Höchstgeschwindigkeit sagen noch nicht, unter welchen Bedingungen der Wert erreicht wird.

    Wie verhält sich das Motorrad mit nur einem Akku? Bleibt die maximale Leistung mit beiden Akkus identisch? Wird der Strom aus zwei Packs parallel entnommen? Wie schnell sinkt die Endgeschwindigkeit bei 20 Prozent Restladung? Greift bei hoher Temperatur eine Leistungsbegrenzung? Und handelt es sich bei den 125 km/h um einen Tacho- oder GPS-Wert?

    All das ist offen. Gerade bei einem E-Motorrad mit verhältnismäßig kleinem Energiespeicher entscheidet die Software darüber, ob sich das Fahrzeug souverän oder nur auf den ersten Kilometern beeindruckend fährt.

    Für mich wäre deshalb ein Test mit mehreren reproduzierbaren Messungen notwendig: Beschleunigung bei 100, 50 und 20 Prozent Akkustand, GPS-Höchstgeschwindigkeit, Dauerfahrt bei 100 km/h sowie eine längere Steigung. Erst dann ließe sich beurteilen, ob die 125-km/h-Angabe mehr als ein kurzer Bestwert ist.

    Ein oder zwei Akkus: Das modulare Konzept der Charged Ndara

    Charged bietet die Ndara wahlweise mit einem oder zwei Akkupacks an. Jeder Akku soll eine Kapazität von 4 kWh besitzen und 12 Kilogramm wiegen. Mit zwei Akkus stünden damit nominell 8 kWh zur Verfügung.

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    Das ist für ein leichtes elektrisches Motorrad eine respektable Energiemenge. Gleichzeitig wirft das ungewöhnlich niedrige Akkugewicht Fragen auf. Teilt man 4.000 Wh durch 12 Kilogramm, kommt man rechnerisch auf rund 333 Wh/kg. Für ein komplettes, geschütztes und motorradtaugliches Akkupack inklusive Gehäuse, Anschlüssen, Batteriemanagement und Sicherheitsreserven wäre das ein bemerkenswert hoher Wert.

    Ich sage ausdrücklich nicht, dass die Angabe unmöglich ist. Ich würde sie aber unbedingt nachwiegen und prüfen wollen. Vielleicht bezieht sich die Kapazität auf einen Bruttowert, vielleicht ist das genannte Gewicht gerundet, oder das Gehäusekonzept ist tatsächlich außergewöhnlich leicht. Ohne technische Dokumentation zu Zellchemie, Brutto- und Nettokapazität sowie Packaufbau bleibt das offen.

    Auch der Begriff „herausnehmbar“ muss sauber eingeordnet werden. Ein 12-Kilogramm-Akku ist grundsätzlich tragbar. Zwei davon möchte man aber nicht täglich mehrere Stockwerke hochtragen. Zudem ist auf den Bildern noch nicht klar erkennbar, wie schnell und werkzeuglos die Packs entnommen werden können.

    Das modulare System hätte trotzdem große Vorteile. Wer überwiegend kurze Wege fährt, könnte mit einem Akku Gewicht und Anschaffungskosten reduzieren. Für längere Strecken würde ein zweiter Pack Reichweite und möglicherweise auch Leistungsstabilität bringen. Interessant wäre außerdem, ob ein einzelner Akku unabhängig vom Motorrad geladen werden kann. Dazu macht Charged bislang keine ausreichend eindeutige Aussage.

    Der Preisunterschied zwischen der Ein- und Zwei-Akku-Version beträgt in Indonesien nur zehn Millionen Rupiah. Nach aktuellem Wechselkurs sind das weniger als 500 Euro. Für ein zusätzliches 4-kWh-Hochvolt-Akkupack wäre das extrem günstig. Auch deshalb möchte ich wissen, wie Kauf, Eigentum, Garantie und möglicher späterer Akkutausch im Detail geregelt sind.

    Type-2-Laden: Genau das wünsche ich mir bei mehr E-Motorrädern

    Eines der spannendsten Merkmale der Charged Ndara ist für mich nicht die Spitzenleistung, sondern der Type-2-Anschluss. Viele elektrische Zweiräder werden noch immer mit einem externen Ladegerät und einem proprietären Stecker ausgeliefert. Das funktioniert zu Hause, macht öffentliches Laden aber unnötig umständlich.

    Type 2 ist in Europa der etablierte Anschluss für AC-Laden von Elektroautos. Wenn ein Motorrad diesen Anschluss sinnvoll integriert, kann es prinzipiell an zahlreichen öffentlichen Ladepunkten laden. Man benötigt kein loses Ladegerät im Rucksack und ist nicht auf eine Steckdose angewiesen, die der Betreiber vielleicht gar nicht zur Verfügung stellt.

    Aber auch hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Ein Type-2-Stecker allein sagt noch nichts über die tatsächliche Ladeleistung aus.

    Entscheidend ist das im Motorrad verbaute Ladegerät. Nimmt es einphasig 3,7 kW, 4,6 kW oder noch mehr auf? Kann es mit zwei Akkus eine höhere Leistung verarbeiten als mit einem? Wird an einer europäischen Ladesäule ein eigenes Kabel benötigt? Unterstützt die Kommunikations- und Verriegelungstechnik die hier üblichen Ladepunkte zuverlässig?

    Charged nennt eine Ladezeit von 5 auf 80 Prozent in ungefähr 40 Minuten. Bezieht sich dieser Wert auf einen 4-kWh-Akku, müssten in 40 Minuten rund 3 kWh nachgeladen werden. Ohne Verluste gerechnet entspräche das einer durchschnittlichen Leistung von etwa 4,5 kW.

    Bezieht sich die Angabe dagegen auf zwei Akkus mit zusammen 8 kWh, müssten im selben Zeitraum etwa 6 kWh nachgeladen werden. Dann wären im Durchschnitt rund 9 kW notwendig. Das wäre für ein Motorrad dieser Preisklasse ausgesprochen stark.

    Genau diese Differenz müsste Charged auflösen. In den bislang veröffentlichten Angaben wird nicht eindeutig genug erklärt, für welche Akkukonfiguration die 40 Minuten gelten. Ebenso fehlen Informationen über maximale AC-Leistung, Ladeverluste, Ladekurve und die Dauer von 80 auf 100 Prozent.

    Trotz dieser offenen Punkte setzt Charged mit Type 2 das richtige Signal. Für Pendler ohne eigene Garage kann ein standardisierter Ladeanschluss wichtiger sein als ein theoretisch herausnehmbarer Akku. Ich hoffe sehr, dass künftig mehr Hersteller verstehen: Ein E-Motorrad wird erst dann wirklich alltagstauglich, wenn Laden nicht jedes Mal zur Sonderlösung wird.

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    Bis zu 100 Kilometer Reichweite: realistisch oder Prospektwert?

    Mit zwei Akkus verspricht Charged eine maximale Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Die Formulierung „bis zu“ ist dabei entscheidend. Auf der offiziellen Produktseite der Charged Ndara wird der Wert ausdrücklich für die Konfiguration mit zwei Akkus genannt.

    Bei nominell 8 kWh Kapazität entspräche das einem Energieeinsatz von ungefähr 80 Wh/km, wenn die gesamte Kapazität nutzbar wäre. Für ein leichtes Elektromotorrad bei moderatem Stadt- und Überlandtempo ist das grundsätzlich plausibel. Bei dauerhaft 100 oder 125 km/h dürfte der Verbrauch jedoch deutlich steigen.

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    Luftwiderstand wächst nicht linear mit der Geschwindigkeit. Wer schneller fährt, benötigt überproportional mehr Leistung. Genau deshalb können Reichweitenangaben, die im urbanen Zyklus erreichbar sind, auf der Autobahn drastisch zusammenschmelzen.

    Ich halte 100 Kilometer bei ruhiger Fahrweise daher nicht für völlig unrealistisch. Ich würde daraus aber keinesfalls ableiten, dass man 100 Kilometer mit 125 km/h fahren kann. Bei schneller Landstraßen- oder Autobahnfahrt könnte die praktische Reichweite erheblich darunter liegen.

    Hinzu kommen weitere Faktoren: Fahrergewicht, Temperatur, Wind, Reifendruck, Höhenprofil, Rekuperation, nutzbare Nettokapazität und die Frage, wie viel Reserve das Batteriemanagement am oberen und unteren Ende zurückhält.

    Für einen ehrlichen Test bräuchten wir deshalb mindestens drei Reichweitenrunden:

    • Stadtverkehr mit realistischen Stop-and-go-Anteilen
    • gemischte Strecke aus Stadt und Landstraße
    • konstante Schnellfahrt mit GPS-Messung

    Zusätzlich müsste transparent dokumentiert werden, wie viel Energie anschließend tatsächlich nachgeladen wurde. Nur so lassen sich Reichweite und Verbrauch sinnvoll vergleichen.

    Die Ein-Akku-Version wird von Charged nicht mit einer gleichwertig klaren Reichweitenangabe beworben. Eine einfache Halbierung auf 50 Kilometer wäre zwar naheliegend, aber technisch nicht zwingend korrekt. Gewicht, Leistungsbegrenzung und nutzbare Reserve können das Ergebnis verändern. Deshalb würde ich hier keinen Wert erfinden.

    ABS, Traktionskontrolle und Fahrhilfen: ungewöhnlich viel Technik

    Bei der Ausstattung geht Charged deutlich weiter als viele günstige Elektromotorräder. Genannt werden ABS, Traktionskontrolle, Hill Hold Assist und Hill Descent Assist.

    ABS ist bei einem Motorrad mit 125 km/h für mich keine Kür, sondern eine zentrale Sicherheitsausstattung. Gerade leichte Motorräder mit vergleichsweise schmalen Reifen können bei einer Schreckbremsung schnell instabil werden. Entscheidend bleibt natürlich, ob es sich um ein sauber abgestimmtes Zweikanal-ABS handelt und wie fein die Regelung auf unterschiedlichen Fahrbahnen arbeitet.

    Die Traktionskontrolle kann beim Elektroantrieb ebenfalls sinnvoll sein. Das Drehmoment steht unmittelbar zur Verfügung. Auf nassem Asphalt, Markierungen, Pflaster oder Schotter kann eine gut abgestimmte Regelung verhindern, dass das Hinterrad unnötig durchdreht.

    Auch hier gilt: Das Vorhandensein einer Funktion auf der Ausstattungsliste verrät noch nichts über ihre Qualität. Eine zu grob eingreifende Traktionskontrolle kann beim Herausbeschleunigen nerven. Eine zu spät reagierende Regelung hilft nur begrenzt. Ich möchte wissen, ob sich das System abschalten lässt, wie viele Stufen es gibt und ob die Software unterschiedliche Fahrmodi berücksichtigt.

    Hill Hold soll das Motorrad beim Anfahren am Berg stabilisieren. Bei einem leichten Zweirad ist das nicht zwingend notwendig, kann im dichten Stadtverkehr aber angenehm sein. Hill Descent Assist ist auf einem Straßenmotorrad ungewöhnlicher. Vermutlich nutzt das System Rekuperation oder eine geregelte Verzögerung, um bergab ein konstantes Tempo zu unterstützen. Charged müsste genauer erklären, wie stark der Eingriff ist und ob der Fahrer die Zielgeschwindigkeit beeinflussen kann.

    Zusätzlich wird ein „Overtaking Boost“ angekündigt. Per Knopfdruck soll kurzfristig zusätzliche Leistung für Überholvorgänge bereitstehen. Die Idee ist spannend, aber die technische Umsetzung entscheidet über den Nutzen.

    Sind die 11 kW nur im Boost-Modus verfügbar? Wie lange hält der Schub an? Gibt es eine Sperrzeit zwischen zwei Aktivierungen? Funktioniert der Boost bei jedem Akkustand? Und wie deutlich unterscheidet er sich von der normalen Vollgasleistung?

    Solange Charged diese Fragen nicht beantwortet, bleibt der Boost eher ein interessantes Versprechen als ein bewertbares Leistungsmerkmal.

    SmartSync-Cockpit und Konnektivität

    Das Cockpit trägt bei Charged den Namen „SmartSync“. Es soll die digitalen Funktionen des Motorrads bündeln. Welche Anzeigen, Online-Dienste und App-Funktionen in der Serienversion tatsächlich enthalten sind, wird bislang jedoch nicht vollständig erklärt.

    Sinnvoll wären Navigation, Ladezustand, Restreichweitenprognose, Verbrauch, Ladestationssuche, Fahrzeugortung und eine nachvollziehbare Anzeige der Batterietemperatur. Noch wichtiger ist für mich aber die langfristige Softwarepflege.

    Ein vernetztes Display ist nur dann ein Vorteil, wenn die App auch nach mehreren Jahren funktioniert, Updates zuverlässig kommen und zentrale Fahrzeugfunktionen nicht von einem eingestellten Server abhängen. Bei jungen Herstellern wird dieser Punkt häufig unterschätzt.

    Ich möchte ein Motorrad auch dann starten, laden und fahren können, wenn mein Smartphone leer ist, die App gerade ein Problem hat oder der Hersteller seine Cloud-Infrastruktur verändert. Komfortfunktionen dürfen digital sein. Die grundlegende Nutzbarkeit muss unabhängig davon erhalten bleiben.

    Fahrwerk, Reifen und Gewicht

    Charged nennt für die Ndara ein Gewicht von 110 Kilogramm. Das wäre für ein elektrisches Motorrad mit bis zu zwei 4-kWh-Akkus sehr niedrig. Unklar ist allerdings, auf welche Konfiguration sich der Wert bezieht und ob er fahrfertig inklusive beider Akkus gilt.

    Diese Information ist wichtiger, als sie zunächst wirkt. Zwischen 110 Kilogramm mit einem Akku und 122 Kilogramm mit einem zweiten 12-Kilogramm-Pack liegt ein spürbarer Unterschied. Sollte das Motorrad tatsächlich mit beiden Akkus nur 110 Kilogramm wiegen, wäre das ausgesprochen bemerkenswert.

    Die offiziellen technischen Angaben nennen eine Länge von 1.986 Millimetern, eine Breite von 800 Millimetern und eine Höhe von 1.024 Millimetern. Vorn wird ein Reifen im Format 110/70-17 verwendet, hinten ein 130/70-17. Das sind nachvollziehbare Dimensionen für ein leichtes Naked Bike.

    Ein sichtbares Zentralfederbein übernimmt die Hinterradfederung. Vorn arbeitet eine konventionelle Teleskopgabel. Angaben zu Federwegen, Einstellmöglichkeiten, Bremskomponenten, Hersteller der Federelemente und zulässiger Zuladung fehlen bislang.

    Gerade das geringe Gewicht könnte im Alltag ein großer Vorteil sein. Viele leistungsfähige Elektromotorräder wiegen deutlich über 200 Kilogramm. Eine Ndara ließe sich leichter rangieren, wirkt im Stadtverkehr handlicher und benötigt weniger Energie beim Beschleunigen.

    Andererseits darf geringes Gewicht nicht auf Kosten von Rahmensteifigkeit, Fahrwerksreserven oder Materialqualität gehen. 125 km/h stellen andere Anforderungen als ein 45-km/h-E-Roller. Deshalb sind Fahrstabilität, Bremsweg und Verhalten mit Sozius zentrale Testpunkte.

    Technische Daten der Charged Ndara

    MerkmalHerstellerangabe beziehungsweise aktueller Informationsstand
    FahrzeugtypElektrisches Naked Bike
    Leistung11 kW Peak
    Höchstgeschwindigkeit125 km/h
    AkkuLithium-Ionen-Akku, 4 kWh pro Pack
    AkkukonfigurationEin oder zwei Akkus
    Akkugewicht12 kg pro Pack
    Maximale Gesamtkapazität8 kWh nominell bei zwei Akkus
    ReichweiteBis zu 100 km mit zwei Akkus
    LadeanschlussType 2
    Ladezeit5 bis 80 Prozent in rund 40 Minuten; Akkukonfiguration nicht eindeutig erläutert
    Fahrzeuggewicht110 kg; Zuordnung zur Akkukonfiguration offen
    Abmessungen1.986 × 800 × 1.024 mm
    Reifen vorn110/70-17
    Reifen hinten130/70-17
    SicherheitsausstattungABS, Traktionskontrolle
    AssistenzfunktionenHill Hold, Hill Descent Assist, Overtaking Boost
    CockpitSmartSync
    FarbenEmerald Green, Graphite Silver, Midnight Black
    Preis Indonesien69 Mio. IDR mit einem Akku / 79 Mio. IDR mit zwei Akkus, OTR Jakarta
    Deutschland-StartNicht angekündigt
    EU-TypgenehmigungBislang nicht bestätigt

    1.200 Kilometer in fünf Tagen: guter Hinweis, aber noch kein Dauertest

    Vor der öffentlichen Präsentation schickte Charged die Ndara auf eine 1.200 Kilometer lange Tour von Cilegon nach Bali. Die Strecke wurde nach Unternehmensangaben in fünf Tagen zurückgelegt.

    Das ist grundsätzlich interessanter als ein Motorrad, das nur auf einer Messebühne steht. Indonesien bietet Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, dichten Verkehr, Steigungen und sehr unterschiedliche Straßenverhältnisse. Wenn die Ndara diese Tour ohne größere Probleme bewältigt hat, spricht das zumindest dafür, dass fahrfähige und belastbare Vorserien- oder Serienfahrzeuge existieren.

    Trotzdem ersetzt eine begleitete Herstellerfahrt keinen unabhängigen Dauertest. Wir wissen nicht, wie oft geladen wurde, welche Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren wurde, ob Begleitfahrzeuge Ersatzteile transportierten und ob technische Arbeiten notwendig waren.

    Bei einer Gesamtreichweite von bis zu 100 Kilometern waren auf 1.200 Kilometern zwangsläufig zahlreiche Ladestopps erforderlich. Gerade deren Dokumentation wäre spannend: Wie stabil blieb die Ladeleistung? Wie warm wurden die Akkus? Gab es nach wiederholtem Schnellladen eine Drosselung? Wie groß war der reale Tagesverbrauch?

    Die Tour ist damit ein positives Indiz, aber kein Beweis für langfristige Zuverlässigkeit. Diese Trennung ist mir wichtig. Hersteller dürfen ihre Produkte inszenieren. Unsere Aufgabe als unabhängiges Medium ist es, genau hinzuschauen, welche Aussage sich aus einer solchen Aktion wirklich ableiten lässt.

    Wenn du unsere unabhängige Arbeit und aufwendige Praxistests direkt unterstützen möchtest, kannst du hier 🔥 Kanalmitglied bei Scooterhelden werden! 🔥.

    Der Preis: unter 4.000 Euro klingt sensationell

    In Indonesien kostet die Charged Ndara mit einem Akku 69 Millionen indonesische Rupiah. Die Version mit zwei Akkus wird für 79 Millionen Rupiah angeboten. Es handelt sich um OTR-Preise für Jakarta, also lokale „On-the-road“-Preise einschließlich der dort berücksichtigten Nebenkosten.

    Nach dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 29. Juli 2026 von 20.566,33 Rupiah je Euro entsprechen die Preise grob:

    • rund 3.355 Euro mit einem Akku
    • rund 3.841 Euro mit zwei Akkus

    Diese Umrechnung ist keine Prognose für einen möglichen deutschen Verkaufspreis. Fracht, Versicherung, Einfuhr, Zoll, Mehrwertsteuer, EU-Homologation, Gewährleistung, Händlernetz, Ersatzteillager und Marge würden den Preis erheblich verändern.

    Trotzdem zeigt der indonesische Preis, in welche Richtung Charged denkt. Selbst wenn eine europäische Version deutlich teurer wäre, könnte das Motorrad interessant bleiben. Entscheidend wäre, ob Charged bei vielleicht 6.000 oder 7.000 Euro noch ein funktionierendes Geschäftsmodell aufbauen könnte. Das ist ausdrücklich nur eine hypothetische Einordnung, keine Preisankündigung.

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    Ich würde außerdem genau prüfen, was beim Kauf tatsächlich enthalten ist. Gehören beide Akkus dem Käufer? Welche Garantie gilt auf Fahrzeug und Batterie? Gibt es eine garantierte Restkapazität? Was kostet ein Ersatzakku? Ist der Type-2-Lader vollständig im Motorrad integriert? Und bleibt die Garantie bei einem späteren Weiterverkauf bestehen?

    Ein niedriger Einstiegspreis hilft wenig, wenn ein Ersatzakku nach einigen Jahren kaum verfügbar oder unverhältnismäßig teuer ist. Gerade bei jungen Marken entscheidet die Versorgung nach dem Kauf darüber, ob ein Fahrzeug wirklich günstig oder nur billig angeboten wurde.

    Könnte die Charged Ndara in Deutschland mit A1 gefahren werden?

    Die kurze Antwort lautet: Das lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Daten nicht verbindlich sagen.

    In Europa würde die Ndara aufgrund ihrer Bauart und Geschwindigkeit in die Motorradklasse L3e fallen. Für die Unterklasse L3e-A1 nennt die EU-Verordnung 168/2013 unter anderem eine maximale Dauer- beziehungsweise Nettoleistung von 11 kW und ein Leistungsgewicht von höchstens 0,1 kW/kg.

    Wichtig ist: Charged nennt 11 kW Peak-Leistung. Für die Einstufung eines Elektromotorrads ist jedoch die homologierte maximale 30-Minuten-Dauerleistung entscheidend. Die Peak-Zahl aus einer Pressemitteilung reicht dafür nicht.

    Es ist durchaus denkbar, dass die Ndara technisch in eine A1-kompatible Auslegung passt. Eine verbindliche Aussage wäre aber erst mit den europäischen Genehmigungsunterlagen möglich. Selbst passende Leistungswerte ersetzen keine EU-Typgenehmigung und kein gültiges Certificate of Conformity.

    Für einen Verkauf in Deutschland müsste Charged das gesamte Fahrzeug homologieren lassen. Dabei geht es nicht nur um Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit. Beleuchtung, Bremsen, elektromagnetische Verträglichkeit, elektrische Sicherheit, Bauteilkennzeichnungen, Manipulationsschutz, Diagnoseanforderungen und zahlreiche weitere Vorgaben müssen erfüllt und dokumentiert werden.

    Ohne eine entsprechende Typgenehmigung lässt sich das Motorrad nicht einfach regulär zulassen, nur weil es in Indonesien legal verkauft wird. Ein privater Import wäre deshalb ein erhebliches Risiko. Wer ein solches Fahrzeug bestellt, bevor eine belastbare EU-Zulassung bestätigt ist, kann am Ende ein technisch spannendes Motorrad besitzen, das hier nicht legal auf die Straße darf.

    Hinzu kommen Führerscheinfragen. Sollte eine europäische Version tatsächlich als L3e-A1 homologiert werden, kämen grundsätzlich A1 sowie je nach nationaler Regelung entsprechende Erweiterungen infrage. In Deutschland wäre beispielsweise B196 ein mögliches Thema. Ohne konkrete EU-Fahrzeugklasse und Papiere ist jede definitive Führerscheinaussage jedoch verfrüht.

    Type 2 in Europa: technisch passend, praktisch noch zu beweisen

    Der Type-2-Anschluss sieht auf den ersten Blick nach einer perfekten Vorbereitung für Europa aus. Das ist ein gutes Zeichen, aber noch keine Garantie.

    Öffentliche AC-Ladesäulen kommunizieren mit dem Fahrzeug, verriegeln den Stecker und geben den Strom erst nach erfolgreicher Freigabe ab. Das Onboard-Ladegerät muss mit Spannung, Stromstärke und Kommunikationsablauf kompatibel sein. Außerdem stellt sich die Frage, ob Charged ein fest angeschlagenes oder separates Typ-2-Kabel vorsieht.

    In Indonesien können Infrastruktur und Konfiguration anders ausfallen als in Deutschland. Ein echter Europa-Test müsste deshalb an mehreren Ladesäulen verschiedener Betreiber stattfinden. Interessant wäre auch, ob geringe Ladeleistungen sauber akzeptiert werden und ob die Abrechnung bei einem kleinen 4- oder 8-kWh-Akku wirtschaftlich bleibt.

    Ich würde mir außerdem eine normale Notlademöglichkeit wünschen. Wer abends bei Freunden, in einer Ferienwohnung oder in einer Werkstatt steht, sollte das Motorrad notfalls auch an einer geeigneten Haushaltssteckdose laden können. Ob Charged dafür ein mobiles Ladegerät oder einen Adapter anbietet, ist aktuell nicht ausreichend geklärt.

    Für wen wäre die Charged Ndara interessant?

    Wenn die versprochenen Werte im Test halten, richtet sich die Ndara vor allem an Pendler, Stadtfahrer und Menschen, die ein leichtes Motorrad für kurze bis mittlere Strecken suchen.

    Mit bis zu 100 Kilometern Reichweite ist sie kein elektrischer Reisetourer. Sie könnte aber für tägliche Arbeitswege, Stadtverkehr, Landstraßenrunden und kurze Autobahnabschnitte gut passen. Das geringe Gewicht wäre besonders für Fahrer interessant, denen große Elektromotorräder zu schwer und klassische Elektroroller zu unsportlich sind.

    Die Ein-Akku-Version könnte als günstiges Stadtmotorrad funktionieren. Die Zwei-Akku-Version wäre aus meiner Sicht die deutlich spannendere Variante, weil erst 8 kWh und die beworbenen 100 Kilometer einen flexibleren Einsatz ermöglichen.

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    Wer täglich 80 bis 100 Kilometer ohne sichere Lademöglichkeit zurücklegen muss, sollte bei einer maximal beworbenen Reichweite von 100 Kilometern allerdings vorsichtig sein. Eine vernünftige Reserve gehört immer dazu. Kälte, Gegenwind oder schnelle Fahrt dürfen nicht dazu führen, dass der letzte Teil des Arbeitswegs zum Glücksspiel wird.

    Für Tourenfahrer ist das Fahrzeug nur dann interessant, wenn die 40-Minuten-Ladung zuverlässig funktioniert und entlang der Strecke ausreichend kompatible Type-2-Punkte verfügbar sind. Dann könnte man mit geplanten Pausen durchaus weitere Tagesetappen fahren. Ein klassisches Reisemotorrad ersetzt die Ndara dadurch aber nicht.

    Meine größten offenen Fragen an Charged

    Das Konzept überzeugt mich genug, dass ich die Ndara gerne testen würde. Vor einer Kaufempfehlung müsste Charged jedoch mehrere Punkte konkret beantworten:

    1. Wie hoch sind Nennleistung und homologierte 30-Minuten-Dauerleistung?
    2. Welches maximale Drehmoment liegt an, und bei welcher Drehzahl?
    3. Gelten 125 km/h mit einem und mit zwei Akkus?
    4. Wie groß sind Brutto- und Nettokapazität jedes Akkus?
    5. Welche Zellchemie und welche Zellen werden verwendet?
    6. Sind 12 Kilogramm das vollständige Gewicht eines betriebsbereiten 4-kWh-Packs?
    7. Beziehen sich die 40 Minuten von 5 auf 80 Prozent auf einen oder zwei Akkus?
    8. Wie hoch ist die maximale AC-Ladeleistung am Type-2-Anschluss?
    9. Können die Akkus außerhalb des Motorrads geladen werden?
    10. Gilt das Fahrzeuggewicht von 110 Kilogramm mit einem oder mit zwei Akkus?
    11. Wie hoch sind Zuladung und zulässiges Gesamtgewicht?
    12. Welche Garantie gibt es auf Fahrzeug und Akku?
    13. Ist eine EU-Typgenehmigung geplant?
    14. Wie sollen Ersatzteile, Diagnose und Reparaturen in Europa organisiert werden?
    15. Was kosten Ersatzakku, Ladeelektronik und zentrale Karosserieteile?

    Diese Fragen sind kein Misstrauensvotum gegen Charged. Sie sind bei einem neuen Elektromotorrad schlicht notwendig. Gerade starke technische Daten verdienen eine ebenso starke Dokumentation.

    Warum die Charged Ndara für Europas Hersteller ein Weckruf sein könnte

    Auch wenn die Ndara vielleicht nie offiziell nach Deutschland kommt, ist sie für den europäischen Markt relevant. Sie zeigt, wie schnell Hersteller aus Südostasien bei Design, Ladeanschluss und Assistenzsystemen aufholen.

    Lange Zeit kamen günstige elektrische Zweiräder häufig mit kleinen Akkus, niedriger Geschwindigkeit und wenig Sicherheitsausstattung. Charged dreht dieses Bild um: 125 km/h, bis zu 8 kWh, Type 2, ABS und Traktionskontrolle zu einem lokalen Preis unter 4.000 Euro.

    Natürlich müssen Qualität und Dauerhaltbarkeit erst bewiesen werden. Trotzdem sollten etablierte Hersteller diese Entwicklung ernst nehmen. Kunden akzeptieren auf Dauer nicht, dass ein elektrisches Leichtkraftrad deutlich teurer als ein vergleichbarer Verbrenner ist, nur 80 oder 90 km/h fährt und trotzdem an einer normalen Steckdose stundenlang laden muss.

    Der Wettbewerb wird nicht allein über maximale Motorleistung entschieden. Standardisierte Ladeanschlüsse, angemessene Akkugröße, geringes Gewicht, transparente Software und bezahlbare Ersatzteile werden mindestens genauso wichtig.

    Genau deshalb finde ich die Charged Ndara spannend. Nicht weil sie bereits bewiesen hätte, das beste elektrische Leichtmotorrad zu sein. Sondern weil ihr Konzept viele richtige Fragen an den bisherigen Markt stellt.

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    Fazit: starke Ansage mit entscheidenden Fragezeichen

    Die Charged Ndara ist eines dieser Elektromotorräder, bei denen ich sofort genauer hinschauen möchte. Das Design wirkt eigenständig, 125 km/h wären alltagstauglich, zwei 4-kWh-Akkus versprechen eine brauchbare Energiereserve und Type 2 ist genau der Ladeanschluss, den ich mir bei viel mehr E-Motorrädern wünsche.

    Auch ABS, Traktionskontrolle, Hill Hold und der angekündigte Überhol-Boost zeigen, dass Charged nicht nur einen günstigen Stadtstromer bauen wollte. Auf dem Papier entsteht ein leichtes elektrisches Naked Bike, das sich irgendwo zwischen Pendlerfahrzeug und 125er-Spaßmotorrad einordnet.

    Aber mehrere zentrale Angaben müssen präzisiert werden. 11 kW Peak sind nicht mit 11 kW Dauerleistung gleichzusetzen. Die 40-minütige Ladung ist ohne eindeutige Zuordnung zur Akkukonfiguration schwer zu bewerten. Das Packgewicht von 12 Kilogramm bei 4 kWh ist erklärungsbedürftig. Und die Reichweite von bis zu 100 Kilometern sagt noch nichts über schnelle Landstraßen- oder Autobahnfahrt aus.

    Für Deutschland bleibt die EU-Typgenehmigung die größte Hürde. Ohne sie sind alle Diskussionen über Preis, A1 oder B196 theoretisch. Charged müsste nicht nur ein Motorrad exportieren, sondern ein verlässliches Gesamtpaket aus Zulassung, Händlernetz, Garantie, Ersatzteilen und Service aufbauen.

    Mein vorläufiges Urteil fällt deshalb positiv, aber bewusst vorsichtig aus: Die Charged Ndara ist eine ernst zu nehmende E-Naked-Bike-Ansage aus Indonesien. Sie hat das Potenzial, deutlich mehr als ein regionales Nischenprodukt zu sein. Beweisen muss sie es allerdings noch – auf der Straße, an öffentlichen Ladesäulen und im langfristigen Alltag.

    Sollte Charged eine sauber homologierte Europa-Version zu einem fairen Preis bringen, wäre ich sofort an einem unabhängigen Test interessiert. Bis dahin bleibt die Ndara ein faszinierender Blick darauf, wie schnell sich der Markt für leichte Elektromotorräder gerade verändert.

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