Die Arctic Leopard XE Pro S L1E ist eines dieser Fahrzeuge, bei denen ich zunächst zweimal auf die technischen Daten schauen musste. 20 kW Spitzenleistung, ein herausnehmbarer Akku mit fast 4 kWh, ein vollwertiges Enduro-Fahrwerk und trotzdem eine L1e-Straßenzulassung für die Führerscheinklasse AM – das klingt beinahe nach einem technischen Schlupfloch auf zwei Rädern.
Doch genau hier beginnt die notwendige Einordnung. Auf öffentlichen Straßen fährt die Arctic Leopard nicht mit 100 km/h und auch nicht dauerhaft mit 20 kW. Die Straßenversion ist auf 45 km/h begrenzt. Die gewaltigen Leistungswerte beschreiben vor allem das technische Potenzial des Antriebs und nicht den legalen Straßenbetrieb.
Trotzdem ist das Konzept ausgesprochen spannend: ein leichtes Elektro-Motorrad, das äußerlich wie eine kompromisslose E-Enduro wirkt, mit Versicherungskennzeichen gefahren werden kann und gleichzeitig einen deutlich größeren Akku als viele bekannte Wettbewerber mitbringt.
Ich habe mir deshalb nicht nur die Arctic Leopard XE Pro S L1E genau angesehen, sondern sie auch mit der E-Ride Pro SR, der E-Ride Pro SS 3.0, der Talaria Komodo und der günstigeren 79Bike Falcon Pro L1E verglichen.
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Arctic Leopard XE Pro S L1E: Was ist das überhaupt für ein Fahrzeug?
Die Arctic Leopard XE Pro S ist kein E-Bike, auch wenn solche Fahrzeuge von einigen Händlern und in sozialen Netzwerken gelegentlich weiterhin so bezeichnet werden. Sie besitzt keine Pedale, wird über einen Gasgriff gesteuert und ist technisch ein leichtes elektrisches Motorrad beziehungsweise Kleinkraftrad.
In der hier vorgestellten Straßenversion wird sie als L1e-Fahrzeug mit CoC-Papieren angeboten. Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 km/h. Damit kann das Fahrzeug in Deutschland mit einem Versicherungskennzeichen und der Führerscheinklasse AM gefahren werden. Die Klasse AM gilt hierzulande grundsätzlich ab 15 Jahren und ist außerdem in der Pkw-Führerscheinklasse B enthalten.
Optisch ist von einem klassischen Moped allerdings kaum etwas zu erkennen. Lange Federwege, grobstollige Reifen, ein schmaler Enduro-Sitz, eine hoch positionierte Front und der offen sichtbare Akku lassen die Arctic Leopard wesentlich sportlicher auftreten als einen normalen 45-km/h-Elektroroller.
Der deutsche Händler Emoto-World bietet die XE Pro S aktuell für 6.990 Euro statt 7.290 Euro an und führt das Modell als lagernd. Nach Händlerangaben erfolgt der Versand aus Deutschland; eine Abholung im Showroom in Hildesheim wird ebenfalls angeboten.
Das ist kein Schnäppchen. Gleichzeitig bewegen wir uns hier nicht mehr in der Fahrzeugklasse einer einfachen Sur-Ron-Light-Bee-Alternative. Der große Akku, die 19-/18-Zoll-Räder und die Abmessungen rücken das Bike näher an eine kompakte Enduro heran.
Wer steckt hinter Arctic Leopard?
Arctic Leopard ist eine chinesische Marke, die sich auf leistungsstarke elektrische Offroad-Motorräder und leichte E-Enduros spezialisiert hat. Das Unternehmen tritt international mit verschiedenen Modellreihen auf, darunter die kleineren XF-Modelle und die stärker auf Enduro ausgelegten XE-Fahrzeuge. Auf den internationalen Markenauftritten wird die XE-Baureihe mit Leistungen von mehr als 20 kW, großen Akkus und unterschiedlichen Radkonfigurationen beworben.
Noch ist Arctic Leopard in Deutschland allerdings keine ähnlich etablierte Größe wie Sur-Ron oder Talaria. Das muss nicht bedeuten, dass die Fahrzeuge schlecht sind. Es bedeutet aber, dass Käufer bei Ersatzteilen, Software, Dokumentation und langfristigem Service genauer hinschauen sollten.
Bei einer jungen oder hierzulande noch kleinen Marke ist der Händler deshalb fast genauso wichtig wie das eigentliche Motorrad. Ein günstiger Direktimport kann auf den ersten Blick attraktiv wirken. Fehlen später aber CoC, Ersatzteile oder ein Ansprechpartner für Batterie und Controller, kann die vermeintliche Ersparnis schnell verschwinden.
Emoto-World wirbt mit Versand aus Deutschland, eigener Community, Tuningteilen und Ersatzteilversorgung. Außerdem werden zwei Jahre Garantie und ein Jahr auf den Akku genannt. Vor dem Kauf würde ich mir trotzdem die vollständigen Garantiebedingungen geben lassen und klären, welche Komponenten tatsächlich in Deutschland bevorratet werden.
Technische Daten der Arctic Leopard XE Pro S L1E
| Merkmal | Arctic Leopard XE Pro S L1E |
|---|---|
| Preis | 6.990 Euro |
| Fahrzeugklasse | L1e |
| Höchstgeschwindigkeit Straße | 45 km/h |
| Angegebene Höchstgeschwindigkeit offen | bis 100 km/h |
| Spitzenleistung | 20 kW |
| Angegebenes Raddrehmoment | 600 Nm |
| Akku | 72 V, 55 Ah |
| Energieinhalt | rund 3.960 Wh |
| Akku entnehmbar | Ja |
| Angegebene Reichweite | bis 160 km |
| Gewicht | 75 kg |
| Radstand | 1.300 mm |
| Sitzhöhe | 870 mm |
| Vorderrad | 19 Zoll, 80/100-19 |
| Hinterrad | 18 Zoll, 90/100-18 |
| Federweg vorne | 200 mm |
| Federweg hinten | 200 mm |
| Bremsen | 220-mm-Wave-Bremsscheiben vorne und hinten |
| Display | TFT-Farbdisplay |
| Startsystem | NFC, Smartphone oder Schlüssel |
| Ladegerät | 84 V, 10 A |
| Straßenausstattung | Licht, Blinker, Bremslicht, Tagfahrlicht, Hupe |
| Fahrzeugpapiere | CoC laut Händler |
Die Werte stammen aus der aktuellen europäischen Produktbeschreibung. Der Händler nennt 20 kW Peak-Leistung, 600 Nm, einen herausnehmbaren 72-Volt-Akku mit 55 Ah, 75 kg Gewicht und eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern.
20 kW Leistung und trotzdem Führerscheinklasse AM?
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Frage zu diesem Motorrad.
Die europäischen Vorschriften begrenzen Fahrzeuge der Klasse L1e auf eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h und eine maximale Nenndauerleistung von 4 kW. Entscheidend ist dabei nicht die kurzzeitig mögliche Peak-Leistung, sondern die für die Typgenehmigung eingetragene kontinuierliche Nennleistung.
Die beworbenen 20 kW sind daher ein Spitzenwert. Wie lange diese Leistung anliegt, in welchen Betriebszuständen sie abrufbar ist und welche Nenndauerleistung im CoC steht, geht aus der Produktseite nicht eindeutig hervor.
Genau diesen Punkt würde ich vor dem Kauf schriftlich klären:
- Welche Nenndauerleistung steht im CoC?
- Welche Fahrmodi sind im Straßenbetrieb freigegeben?
- Ist die Peak-Leistung im legalen 45-km/h-Zustand tatsächlich abrufbar?
- Welche Veränderungen führen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis?
Ich bin seit über elf Jahren in der Elektromobilität unterwegs und kann nur davor warnen, Peak-Leistung, offene Höchstgeschwindigkeit und Straßenzulassung gedanklich zusammenzuwerfen. Ein Fahrzeug kann technisch 100 km/h erreichen und trotzdem ausschließlich im gedrosselten Zustand als Kleinkraftrad zugelassen sein.
Wird die Drosselung verändert oder entfernt, stimmt das Fahrzeug nicht mehr mit seinem genehmigten Zustand überein. Dann stehen Betriebserlaubnis, Versicherungsschutz und Fahrerlaubnisklasse infrage. Auf der Straße bleibt die Arctic Leopard daher ein 45-km/h-Fahrzeug – unabhängig davon, welche Zahlen auf der Verkaufsseite besonders groß dargestellt werden.
Der Akku ist das eigentliche Highlight
Der Akku besitzt nach europäischen Händlerangaben 72 Volt und 55 Amperestunden. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Energieinhalt von rund 3.960 Wattstunden beziehungsweise 3,96 kWh.
Das ist für ein 75 Kilogramm schweres Fahrzeug beachtlich. Die E-Ride Pro SR und die E-Ride Pro SS 3.0 kommen beispielsweise auf 3,6 kWh, die leichtere 79Bike Falcon Pro auf 2,52 kWh. Erst die deutlich schwerere Talaria Komodo liegt mit 4,374 kWh darüber.
Rein vom Verhältnis aus Akkuenergie und Fahrzeuggewicht steht die Arctic Leopard damit sehr gut da. Sie trägt rund zehn Prozent mehr Energie als die E-Ride-Modelle, wiegt aber genauso viel wie die SS 3.0 und acht Kilogramm weniger als die SR.
Der Akku kann laut Händler entnommen werden. Das ist praktisch, wenn das Motorrad in einer Garage oder einem Transporter steht, aber an einem anderen Ort geladen werden soll. Allerdings fehlt eine Angabe zum Akkugewicht. Bei einem fast 4 kWh großen Hochvoltakku würde ich nicht davon ausgehen, dass man ihn täglich entspannt mehrere Stockwerke hochträgt.
Auch die Möglichkeit eines Zweitakkus sollte vor dem Kauf geklärt werden. Entscheidend sind nicht nur der Preis, sondern auch Verfügbarkeit, Garantie und die Frage, ob der Akku mit zukünftigen Modellversionen kompatibel bleibt.
Sind 160 Kilometer Reichweite realistisch?
Der Händler nennt bis zu 160 Kilometer Reichweite und schreibt an anderer Stelle, dieser Wert werde bei konstant 50 km/h erreicht. Genau diese Kombination macht mich skeptisch.
Mit 3,96 kWh müssten für 160 Kilometer durchschnittlich nur knapp 25 Wh/km verbraucht werden. Für ein 75 Kilogramm schweres Elektro-Motorrad mit Enduro-Bereifung, hohem Luftwiderstand und einem erwachsenen Fahrer wäre das bei nahezu 50 km/h ein ausgesprochen guter Wert.
Ohne eigenen Reichweitentest würde ich deshalb nicht mit den vollen 160 Kilometern planen. Ausgehend vom Energieinhalt halte ich folgende grobe Größenordnungen für plausibler:
Bei einer ruhigen Straßenfahrt mit 30 bis 40 km/h könnten je nach Fahrergewicht, Temperatur und Reifendruck ungefähr 90 bis 120 Kilometer möglich sein.
Bei gemischter Nutzung mit häufigen Beschleunigungen, Waldwegen und wechselnden Geschwindigkeiten würde ich eher mit etwa 65 bis 90 Kilometern rechnen.
Bei aggressivem Offroad-Einsatz, weichem Untergrund, Steigungen und häufig abgerufener Leistung können auch weniger als 60 Kilometer realistisch sein.
Das sind keine gemessenen Reichweiten, sondern eine ehrliche Einordnung anhand des verfügbaren Energieinhalts. Gerade bei E-Enduros schwankt der Verbrauch extrem. Ein leichter Fahrer auf Asphalt erzielt vollkommen andere Ergebnisse als ein 100-Kilogramm-Fahrer im Sand.
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Laden mit 10 Ampere
Mitgeliefert wird laut Händler ein 84-Volt-Ladegerät mit 10 Ampere. Eine vollständige Ladezeit nennt die Produktseite nicht. Bei einem 55-Ah-Akku würde ich unter Berücksichtigung der langsameren Ladephase am Ende grob mit fünfeinhalb bis sechs Stunden von nahezu leer bis voll rechnen.
Das ist kein besonders schnelles Ladesystem, für das Laden über Nacht aber vollkommen ausreichend.
Die Talaria Komodo spielt in diesem Punkt in einer anderen Liga. Ihr Händler nennt eine Ladeleistung von bis zu 40 Ampere und rund eineinhalb Stunden bis zur vollständigen Ladung. Dafür ist die Komodo schwerer und gehört in der Straßenversion nicht mehr zur AM-Klasse.
Bei der Arctic Leopard würde ich vor allem wissen wollen, ob der Akku im eingebauten Zustand und außerhalb des Fahrzeugs geladen werden darf und ob der Ladeanschluss gegen Feuchtigkeit geschützt ist. Außerdem sollte man klären, was ein Ersatzladegerät kostet.
Fahrwerk und Geometrie
Die Arctic Leopard besitzt vorne und hinten jeweils 200 Millimeter Federweg. Die 37-Millimeter-Upside-down-Gabel wird als Gold-Racing-Gabel beschrieben. Hinten lassen sich Druckstufe, Zugstufe und Federvorspannung einstellen.
Mit einer Sitzhöhe von 870 Millimetern ist die XE Pro S höher als viele kleine E-Dirtbikes, aber niedriger als eine ausgewachsene Enduro. Die Talaria Komodo liegt beispielsweise bei 910 Millimetern. Die E-Ride Pro SR wird mit rund 851 Millimetern angegeben, die SS 3.0 mit ungefähr 830 Millimetern.
Für mich mit knapp 1,90 Metern Körpergröße wirkt die Arctic Leopard von den Abmessungen her interessant. Die 19-/18-Zoll-Kombination und der 1.300 Millimeter lange Radstand versprechen mehr Stabilität als die ganz kleinen 19-/16-Zoll-Plattformen, ohne dass das Fahrzeug so massig wie die Komodo wird.
Die verlängerte und verstärkte Schwinge soll bei höherem Tempo mehr Ruhe bringen. Zusätzlich ist eine Kettenführung verbaut. Das sind sinnvolle Details, wenn das Bike tatsächlich regelmäßig im Gelände bewegt wird.
Was ich ohne Probefahrt nicht beurteilen kann, ist die Abstimmung des Fahrwerks. 200 Millimeter Federweg klingen stark, sagen aber noch nichts über Losbrechmoment, Dämpfung, Durchschlagschutz oder die Abstimmung auf unterschiedliche Fahrergewichte aus.
Eine günstige Gabel mit viel Federweg kann auf dem Papier beeindruckender aussehen als eine hochwertige Gabel mit weniger Federweg. Entscheidend ist, ob sie kontrolliert arbeitet.
Bremsen, Reifen und Sicherheit
Vorne und hinten kommen 220 Millimeter große Wave-Bremsscheiben zum Einsatz. Welche Bremssättel, Kolbendurchmesser und Beläge verwendet werden, wird auf der europäischen Produktseite nicht genauer erklärt. ABS oder Traktionskontrolle werden ebenfalls nicht genannt.
Für ein leichtes Offroad-Fahrzeug können gute hydraulische Motorradbremsen vollkommen ausreichen. Auf nasser Straße oder losem Untergrund wäre ein sauber abgestimmtes ABS trotzdem ein erheblicher Sicherheitsgewinn.
Hinzu kommen die grobstolligen Reifen. Sie bieten auf Erde und losem Untergrund Vorteile, sind auf kaltem oder nassem Asphalt aber nicht automatisch die beste Wahl. Käufer sollten prüfen, welche Reifen genau montiert sind, welche Freigaben sie besitzen und ob straßenorientiertere Alternativen in den CoC-Dimensionen erhältlich sind.
Positiv ist die vollständige Straßenausstattung. Die XE Pro S besitzt laut Händler LED-Scheinwerfer, Blinker, Bremslicht, Tagfahrlicht und Hupe.
TFT-Display und NFC-Start
Das Farbdisplay gehört zu den auffälligeren Komfortmerkmalen. Das Fahrzeug soll über NFC-Chip, Smartphone oder klassischen Schlüssel gestartet werden können. Außerdem werden eine automatische Lichterkennung und eine Anpassung der Displayhelligkeit genannt.
Das klingt modern, wirft aber einige praktische Fragen auf:
Funktioniert der Smartphone-Start über eine App oder lediglich über NFC?
Ist die App für Android und iOS verfügbar?
Benötigt die App ein Benutzerkonto oder eine Internetverbindung?
Können Leistungsparameter verändert werden?
Was passiert, wenn die App oder der zugehörige Server irgendwann nicht mehr gepflegt wird?
Kann ein verlorener NFC-Chip selbst angelernt werden?
Bei einem fast 7.000 Euro teuren Fahrzeug möchte ich nicht nur wissen, dass ein smartes System vorhanden ist. Ich möchte wissen, ob es auch in fünf Jahren noch zuverlässig und ohne fremden Server funktioniert.
L1e-Zulassung in Deutschland
Als L1e-Kleinkraftrad fährt die Arctic Leopard maximal 45 km/h. Benötigt werden eine gültige Haftpflichtversicherung, ein Versicherungskennzeichen und mindestens die Führerscheinklasse AM. Eine reguläre Zulassung mit großem Motorradkennzeichen ist bei der L1e-Version nicht erforderlich. Außerdem besteht während der Fahrt Helmpflicht.
Der Händler gibt an, dass die notwendigen CoC-Dokumente mitgeliefert werden. Trotzdem würde ich mir vor der Bezahlung eine anonymisierte Kopie oder zumindest die relevanten Eintragungen zeigen lassen.
Wichtig sind insbesondere:
- Hersteller und genaue Typbezeichnung
- Fahrzeugklasse und Variante
- Nenndauerleistung
- bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit
- Reifendimensionen
- zulässiges Gesamtgewicht
- eingetragene Sitzplätze
- mögliche Auflagen oder Varianten
Auf der Produktseite fehlt beispielsweise eine Angabe zur maximalen Zuladung. Für schwerere Fahrer ist das kein Nebendetail. Das zulässige Gesamtgewicht entscheidet darüber, ob Fahrer, Kleidung und eventuell Gepäck legal innerhalb der Fahrzeuggrenzen bleiben.
Vorsicht bei den unterschiedlichen Modellversionen
Bei meiner Recherche ist ein wichtiger Punkt aufgefallen: Unter dem Namen Arctic Leopard XE Pro S kursieren unterschiedliche technische Daten.
Die europäische L1e-Version wird mit 72 Volt, 55 Ah, 600 Nm, 75 Kilogramm und einem 37-Millimeter-Fahrwerk beschrieben. Ein amerikanischer Händler führt hingegen eine aktualisierte 2026er-Offroadversion mit 74 Volt, 60 Ah, 4.440 Wh, 500 Nm, rund 72 Kilogramm und KKE-Fahrwerk. Diese amerikanische Ausführung ist ausdrücklich nicht für öffentliche Straßen bestimmt.
Das bedeutet nicht automatisch, dass eine der Angaben falsch ist. Wahrscheinlicher sind unterschiedliche Modelljahre, Märkte und Homologationsversionen.
Es bedeutet aber sehr wohl, dass man Daten aus ausländischen YouTube-Videos nicht ungeprüft auf die deutsche L1e-Version übertragen darf.
Auch die europäische Produktbeschreibung selbst wechselt stellenweise zwischen den Bezeichnungen „XE Pro S“ und „X ES Pro“. Solche redaktionellen Fehler machen das Fahrzeug nicht schlechter, sie zeigen aber, warum ich vor dem Kauf eine eindeutige Ausstattungsliste verlangen würde.
Käufer sollten sich schriftlich bestätigen lassen:
- Modelljahr
- Akkuspannung und Kapazität
- Zellhersteller
- Hersteller von Gabel und Federbein
- Controller-Version
- Motorversion
- Ladegerät
- Reifen und Felgengröße
- CoC-Typ und Fahrzeugklasse
- Garantiebedingungen für Akku, Motor und Controller
Bei 6.990 Euro reicht mir kein Hinweis wie „ähnlich wie auf den Bildern“.
Vergleich mit der Konkurrenz
| Modell | Preis | Straßenversion | Peak-Leistung | Akku | Gewicht | Hersteller-/Händlerreichweite |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Arctic Leopard XE Pro S | 6.990 € | L1e, 45 km/h | 20 kW | 3,96 kWh | 75 kg | bis 160 km |
| E-Ride Pro SR | 7.190 € | L1e oder L3e | 25 kW | 3,60 kWh | 83 kg | über 100 km bei 40 km/h |
| E-Ride Pro SS 3.0 | 6.190 € | L1e oder L3e | 15,8 kW | 3,60 kWh | 75 kg | bis 160 km bei sehr niedrigem Tempo |
| Talaria Komodo | ab 6.190 € | Offroad oder L3e | 32 kW | 4,374 kWh | 98 kg | bis 115 km |
| 79Bike Falcon Pro | 4.690 € | L1e, 45 km/h | 10 kW | 2,52 kWh | 59,2 kg | bis 120 km |
Die Zahlen stammen überwiegend von den aktuellen Händlerseiten. Auffällig ist dort ein Fehler in der Vergleichsdarstellung: Die Akkukapazitäten werden teilweise fälschlich mit „Ah“ bezeichnet, obwohl es sich bei Werten wie 3.600 oder 4.374 um Wattstunden handelt.
Arctic Leopard XE Pro S gegen E-Ride Pro SR
Die E-Ride Pro SR ist der stärkste direkte Gegner. Sie kostet mit 7.190 Euro nur 200 Euro mehr und wird mit 25 kW Peak-Leistung, 3,6-kWh-Wechselakku, 83 Kilogramm und einer L1e-Straßenversion angeboten. Zusätzlich nennt der Händler eine per Daumen steuerbare Rekuperationsbremse und einen Samsung-Akku.
Die SR hat auf dem Papier mehr Leistung und dürfte bei harter Beschleunigung die Nase vorn haben. Die Arctic Leopard ist dafür acht Kilogramm leichter und besitzt rund zehn Prozent mehr Akkukapazität.
Meine Einordnung:
Wer maximale Beschleunigung und eine besonders aggressive Leistungsentfaltung sucht, dürfte eher zur E-Ride Pro SR tendieren.
Wer ein leichteres Bike mit größerem Energieinhalt, 18-Zoll-Hinterrad und möglicherweise höherer Reichweite möchte, findet in der Arctic Leopard das interessantere Gesamtpaket.
Allerdings ist die technische Dokumentation der E-Ride Pro momentan nachvollziehbarer. Bei der Arctic Leopard würde ich die genaue Ausstattung stärker prüfen.
Arctic Leopard XE Pro S gegen E-Ride Pro SS 3.0
Die E-Ride Pro SS 3.0 kostet 6.190 Euro und ist damit 800 Euro günstiger. Beide Motorräder wiegen etwa 75 Kilogramm. Die E-Ride besitzt einen 3,6-kWh-Akku und bis zu 15,8 kW Peak-Leistung. Die Arctic Leopard bietet 3,96 kWh und 20 kW.
Rein nach den Daten gewinnt die Arctic Leopard bei Leistung und Akku. Die SS 3.0 punktet dagegen mit dem niedrigeren Preis und einer Plattform, für die bereits viele Zubehör- und Tuningteile angeboten werden.
Der Aufpreis von 800 Euro entspricht ungefähr 360 Wh zusätzlicher Akkukapazität und 4,2 kW mehr Peak-Leistung. Das ist nicht wenig, aber auch kein automatischer Kaufgrund. Wer die meiste Zeit legal mit 45 km/h fährt, profitiert im Alltag möglicherweise stärker von guter Ersatzteilversorgung und bewährter Software als von zusätzlicher Spitzenleistung.
Arctic Leopard XE Pro S gegen Talaria Komodo
Die Talaria Komodo ist das stärkste Fahrzeug in diesem Vergleich, aber kein direkter L1e-Gegner. Der Händler bietet sie als reine Offroadversion oder mit L3e-Straßenzulassung an. Genannt werden 32 kW Peak-Leistung, 4,374 kWh, 98 Kilogramm, 21-/18-Zoll-Räder und bis zu 105 km/h.
Die Komodo ist 23 Kilogramm schwerer als die Arctic Leopard und deutlich größer. Sie besitzt 250 Millimeter Federweg vorne, eine Sitzhöhe von 910 Millimetern und einen Radstand von 1.380 Millimetern.
Das macht sie stabiler und erwachsener, aber weniger handlich. Außerdem gehört die L3e-Version nicht mehr in die einfache AM-Klasse. Welche Führerscheinklasse konkret erforderlich ist, muss anhand des jeweiligen CoC geprüft werden.
Die Komodo richtet sich an Fahrer, die näher an einem vollwertigen Elektro-Motorrad sein wollen. Die Arctic Leopard bleibt leichter, kompakter und einfacher zugänglich.
Wer nur die größte Zahl sucht, nimmt die Komodo.
Wer ein möglichst leichtes 45-km/h-Fahrzeug mit Enduro-Charakter sucht, bekommt mit der Arctic Leopard das passendere Konzept.
Arctic Leopard XE Pro S gegen 79Bike Falcon Pro L1E
Die 79Bike Falcon Pro ist mit 4.690 Euro erheblich günstiger. Sie besitzt 10 kW Peak-Leistung, 4 kW Nennleistung, einen 72-Volt-Akku mit 35 Ah beziehungsweise 2,52 kWh und wiegt nur 59,2 Kilogramm.
Der Preisunterschied zur Arctic Leopard beträgt 2.300 Euro.
Dafür bietet die Arctic Leopard etwa 57 Prozent mehr Akkuenergie, die doppelte Peak-Leistung, ein 18-Zoll-Hinterrad und eine erwachsenere Enduro-Geometrie.
Die Falcon Pro ist trotzdem nicht automatisch die schlechtere Wahl. Für leichtere Fahrer, Stadtverkehr, Transport im Camper oder spielerische Trails können ihre knapp 16 Kilogramm Gewichtsvorteil enorm sein.
Ich würde die Falcon als vernünftige Einstiegsoption sehen. Die Arctic Leopard ist das deutlich ambitioniertere Fahrzeug für Fahrer, die mehr Reichweite, Stabilität und Reserven wollen.
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Wie alltagstauglich ist die Arctic Leopard?
Die Straßenzulassung macht aus einer E-Enduro noch kein perfektes Pendlerfahrzeug.
Ein klassischer Elektroroller bietet ein Helmfach, Wetterschutz, eine breite Sitzbank und oftmals Platz für einen Sozius. Die Arctic Leopard bietet davon praktisch nichts. Gepäck muss über einen Rucksack oder nachgerüstete Lösungen transportiert werden.
Dafür ist sie leicht, schmal und sehr agil. Der Akku kann entnommen werden, das Fahrzeug benötigt nur ein Versicherungskennzeichen und die Wartung eines Elektroantriebs ist grundsätzlich überschaubar.
Typische Verschleißpunkte bleiben trotzdem:
- Kette und Ritzel
- Bremsbeläge und Bremsscheiben
- Lager und Umlenkung
- Reifen und Schläuche
- Gabeldichtungen
- Speichen
- Steckverbindungen
- Akkuverriegelung
Bei regelmäßiger Offroad-Nutzung würde ich die Wartung nicht unterschätzen. Schlamm, Spritzwasser und harte Schläge belasten ein Fahrzeug anders als eine tägliche Fahrt über Asphalt.
Für wen lohnt sich die Arctic Leopard XE Pro S?
Die Arctic Leopard passt besonders gut zu Fahrern, die ein leichtes und außergewöhnliches 45-km/h-Fahrzeug suchen, regelmäßig abseits perfekter Straßen unterwegs sind und eine hohe Akkukapazität möchten.
Spannend ist sie auch für jüngere Fahrer mit AM-Führerschein. Allerdings halte ich 20 kW Peak-Leistung nicht für ein Spielzeug. Selbst wenn das Fahrzeug auf 45 km/h begrenzt ist, kann ein hohes Drehmoment einen unerfahrenen Fahrer überfordern.
Eltern sollten sich nicht allein von der Führerscheinklasse leiten lassen. Schutzkleidung, Fahrtraining und ein kontrollierbarer Leistungsmodus sind mindestens genauso wichtig.
Weniger geeignet ist das Bike für Menschen, die Stauraum, Wetterschutz, Soziusbetrieb oder ein großes deutsches Händlernetz erwarten.
Ist der Preis von 6.990 Euro fair?
Rein anhand der Hardware ist der Preis nachvollziehbar.
Fast 4 kWh Akku, 75 Kilogramm Gewicht, 20 kW Peak-Leistung, einstellbares Fahrwerk, 19-/18-Zoll-Räder, TFT-Display, NFC und CoC ergeben ein Paket, das sich technisch zwischen E-Ride Pro SS 3.0 und E-Ride Pro SR positioniert.
Die Arctic Leopard kostet 800 Euro mehr als die SS 3.0 und 200 Euro weniger als die SR. Genau dort gehört sie meiner Meinung nach auch hin.
Die entscheidende Frage ist weniger, ob die verbauten Komponenten 6.990 Euro wert sind. Entscheidend ist, ob Service, Ersatzteile, Akkuversorgung und Dokumentation dieses Preisniveau langfristig rechtfertigen.
Bei einem Fahrzeug für 3.000 Euro kann man über kleinere Unklarheiten hinwegsehen. Bei fast 7.000 Euro erwarte ich eine saubere deutsche Bedienungsanleitung, eindeutige technische Daten, vollständige CoC-Papiere und eine belastbare Ersatzteilversorgung.
Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick auf unsere regelmäßig aktualisierte Übersicht mit News, Aktionen und Gutscheinen.
Diese Fragen würde ich dem Händler vor der Bestellung stellen
Vor einer Bestellung würde ich mir folgende Punkte schriftlich beantworten lassen:
- Welche Nenndauerleistung steht im CoC?
- Wie lautet die genaue EU-Typgenehmigungsnummer?
- Ist das angebotene Fahrzeug Modelljahr 2025 oder 2026?
- Welche Akkuzellen sind verbaut?
- Wie schwer ist der entnehmbare Akku?
- Wie hoch ist die zulässige Zuladung?
- Ist das Fahrzeug für einen oder zwei Sitzplätze homologiert?
- Von welchem Hersteller stammen Gabel und Federbein?
- Gibt es ABS, CBS oder eine elektronische Traktionskontrolle?
- Welche Reichweite wurde bei welchem Fahrergewicht und welcher Geschwindigkeit gemessen?
- Wie lange dauert eine vollständige Ladung?
- Was kosten Ersatzakku, Ladegerät, Display und Controller?
- Welche Teile sind tatsächlich in Deutschland verfügbar?
- Was deckt die einjährige Akkugarantie ab?
- Bleibt die Garantie bei einem späteren Weiterverkauf bestehen?
Ein seriöser Händler sollte diese Fragen nicht als Misstrauen verstehen. Bei einem nahezu 7.000 Euro teuren Fahrzeug sind sie vollkommen normal.
Mein Fazit zur Arctic Leopard XE Pro S L1E
Die Arctic Leopard XE Pro S ist auf dem Papier eines der interessantesten leichten Elektro-Motorräder der L1e-Klasse.
Der fast 4 kWh große Wechselakku, 75 Kilogramm Gewicht, 19-/18-Zoll-Räder und 20 kW Peak-Leistung ergeben eine Kombination, die aktuell nur wenige Wettbewerber bieten. Gegenüber der E-Ride Pro SS 3.0 liefert sie mehr Akku und mehr Leistung. Gegenüber der E-Ride Pro SR ist sie leichter und etwas günstiger. Gegenüber der Talaria Komodo bleibt sie handlicher und mit der AM-Klasse zugänglicher. Die 79Bike Falcon Pro unterbietet sie deutlich beim Preis, spielt technisch aber eine Klasse darunter.
Meine größte Kritik betrifft nicht das Fahrzeug selbst, sondern die Datenlage. Unterschiedliche internationale Versionen, abweichende Akkuangaben, wechselnde Fahrwerkshersteller und wenig Klarheit über die tatsächliche Nenndauerleistung verlangen Aufmerksamkeit.
Ich würde die Arctic Leopard daher weder blind feiern noch vorschnell abschreiben.
Das Konzept ist stark. Der Preis ist grundsätzlich nachvollziehbar. Der Akku ist ein echtes Argument. Bevor ich 6.990 Euro überweise, möchte ich allerdings das CoC sehen, die genaue Modellversion kennen und wissen, wer mir in drei Jahren einen neuen Akku oder Controller liefern kann.
Sind diese Punkte sauber geklärt, könnte die Arctic Leopard XE Pro S L1E zu den spannendsten straßenzugelassenen E-Enduros im 45-km/h-Segment gehören.
Für weitere unabhängige Vergleiche könnt ihr Scooterhelden direkt abonnieren. Wer unsere aufwendigen Tests und Recherchen zusätzlich unterstützen möchte, kann außerdem Kanalmitglied bei Scooterhelden werden.

