Wir testen seit vielen Jahren so ziemlich alles, was elektrisch fährt. E-Scooter, E-Bikes, Elektroroller, Elektromotorräder – und zunehmend auch Fahrzeuge, bei denen die Grenzen zwischen Zweirad, Microcar und Auto verschwimmen. Genau in diese Kategorie fällt der Silence S04.
Und ich sage es direkt: Das Teil ist schon ziemlich krass.
Wir waren gerade wieder in Österreich unterwegs und haben Martin Flatz beim eScooterLaden in St. Pölten besucht. Dort stand unter anderem der Silence S04 für uns bereit. Also hineinsetzen, losfahren und herausfinden: Ist dieses kleine elektrische Microcar wirklich eine ernsthafte Alternative zum Auto? Oder bekommt man für mindestens 12.490 Euro am Ende doch nur einen teuren Kabinenroller?
Genau diese Frage finde ich spannend.
Denn der Silence S04 sieht auf Bildern zunächst aus wie ein weiteres kleines 45-km/h-Auto. Wenn man davorsteht und erst recht, wenn man damit fährt, merkt man allerdings schnell: Silence hat hier versucht, das Thema Microcar deutlich erwachsener anzugehen.
Besonders interessant ist das Fahrzeug für junge Fahrer. Die von uns gefahrene beziehungsweise hier im Mittelpunkt stehende 45-km/h-Version gehört zur Fahrzeugklasse L6e und kann in Österreich grundsätzlich bereits ab 15 Jahren mit der entsprechenden Klasse AM gefahren werden. Österreichs offizielle Behördeninformationen führen Microcars beziehungsweise vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge ausdrücklich in der Klasse AM.
Und dann ist da natürlich dieses Akkusystem.
Der S04 kann mit einem oder zwei herausnehmbaren 5,6-kWh-Akkus ausgestattet werden. Diese Akkus zieht man nicht einfach nur aus dem Fahrzeug heraus – dafür wären sie viel zu schwer. Sie besitzen ein integriertes Trolley-System und lassen sich auf Rollen bewegen. Genau dieses Konzept kennen wir bereits von den Elektrorollern von Silence.
Preislich startet der Silence S04 Version 45 beim eScooterLaden in St. Pölten aktuell bei:
12.490 Euro mit einem Akku
und
15.490 Euro mit zwei Akkus.
Wer sich den S04 selbst anschauen, eine Probefahrt besprechen oder direkt mit Martin sprechen möchte, findet den Händler hier:
Eingang: Schulgasse 5
3100 St. Pölten
Österreich
office@escooterladen.at
Martin Flatz betreibt den eScooterLaden und ist für mich inzwischen eine der spannenderen Anlaufstellen für Elektromobilität in Österreich. Neben klassischen E-Scootern und Elektrorollern wird das Angebot dort inzwischen immer breiter.
Aber zurück zum Silence S04. Denn ich glaube, dass wir uns solche Fahrzeuge in den nächsten Jahren noch sehr genau anschauen sollten.
Silence S04 Test in Österreich: Was ist das überhaupt für ein Fahrzeug?
Der Silence S04 wird vom Hersteller gern als Nanocar bezeichnet. Ich würde ihn etwas nüchterner als elektrisches Microcar beschreiben.
Das ist wichtig, denn rein rechtlich sprechen wir bei der 45-km/h-Version nicht von einem klassischen Pkw der Fahrzeugklasse M1, sondern von einem leichten vierrädrigen Kraftfahrzeug der Klasse L6e. Österreich unterscheidet diese Fahrzeugklasse ausdrücklich von normalen Pkw.
In der Praxis sitzt man trotzdem erst einmal in etwas, das sich erstaunlich stark nach kleinem Auto anfühlt.
Es gibt zwei Sitze, Türen, ein richtiges Lenkrad, Sicherheitsgurte, elektrische Fensterheber, Außenspiegel, einen Kofferraum, ein digitales Cockpit und je nach Ausstattung sogar eine Klimaanlage.
Und genau hier beginnt für mich der Unterschied zu vielen günstigen Kabinenrollern.
Ich habe in den vergangenen Jahren eine Menge Fahrzeuge gesehen, bei denen Hersteller versucht haben, für 4.000, 5.000 oder 6.000 Euro irgendwie eine Kabine um einen kleinen elektrischen Antrieb herumzubauen. Das kann funktionieren. Aber häufig fühlt es sich eben auch genau danach an: nach Roller-Technik mit Dach.
Beim Silence S04 hatte ich dieses Gefühl deutlich weniger.
Der S04 möchte ein kleines urbanes Fahrzeug sein und nicht nur ein Roller mit vier Rädern.
Das klingt nach Wortklauberei, macht im Alltag aber einen Unterschied.
Mein erster Eindruck vom Silence S04 bei Martin in St. Pölten
Wenn man mit 1,90 Meter Körpergröße vor so einem Fahrzeug steht, stellt sich für mich immer dieselbe Frage:
Passe ich da überhaupt vernünftig hinein?
Der S04 ist nur rund 2,28 Meter lang und ungefähr 1,3 Meter breit. Das ist wirklich winzig. Silence betont entsprechend, dass zwei S04 auf ungefähr die Parkfläche eines konventionellen Autos passen können.
Und trotzdem wirkt das Fahrzeug von innen nicht so beengt, wie man es von außen erwarten könnte.
Ein Grund dafür ist die Sitzanordnung. Fahrer- und Beifahrersitz sind leicht gegeneinander versetzt. Dadurch muss der S04 nicht unnötig breit werden, trotzdem sitzen zwei Personen nebeneinander.
Ich finde diese Lösung ziemlich clever.
Natürlich darf niemand erwarten, in einem 2,28 Meter langen Fahrzeug den Platz eines VW Golf zu bekommen. Aber genau darum geht es nicht.
Für die Stadt möchte ich möglichst wenig Fahrzeug um mich herum haben – solange Fahrer, Beifahrer und Einkauf trotzdem hineinpassen.
Genau diesen Kompromiss trifft der S04 erstaunlich gut.
Der Wendekreis liegt laut Silence bei rund 3,5 Metern. Dazu kommen 14-Zoll-Räder mit 155/65er-Bereifung. Das sind Details, die zunächst langweilig klingen, aber im Stadtverkehr entscheidend sind. So ein Fahrzeug muss sich leicht rangieren lassen.
Und das merkt man.
Man sitzt deutlich geschützter als auf einem Roller oder E-Scooter, braucht aber gleichzeitig nicht ansatzweise so viel Platz wie mit einem normalen Pkw.
Das ist vermutlich die eigentliche Existenzberechtigung des Silence S04.
Silence S04 technische Daten im Überblick
Für unseren Test ist vor allem die L6e-Version mit 45 km/h interessant.
| Merkmal | Silence S04 Version 45 |
|---|---|
| Fahrzeugklasse | L6e |
| Höchstgeschwindigkeit | 45 km/h |
| Führerschein Österreich | Klasse AM, grundsätzlich ab 15 Jahren |
| Motorleistung | 6 kW |
| Spitzenleistung | bis zu 10,6 kW |
| Akku | 1 × oder 2 × 5,6 kWh |
| Akkukapazität mit 2 Akkus | 11,2 kWh |
| Akku-System | herausnehmbarer Trolley-Akku |
| Sitzplätze | 2 |
| Länge | ca. 2,28 m |
| Breite | ca. 1,3 m |
| Wendekreis | ca. 3,5 m |
| Räder | 155/65 R14 |
| Display | 7 Zoll TFT |
| Kofferraum | laut österreichischer Angebotsseite bis 313 Liter |
| Beleuchtung | Voll-LED |
| Preis mit 1 Akku | 12.490 Euro |
| Preis mit 2 Akkus | 15.490 Euro |
Die aktuelle internationale Produktkommunikation von Silence trennt dabei klar zwischen der L6e-Version mit 6 kW und bis zu 10,6 kW Peak sowie der stärkeren L7e-Version mit 14 kW und bis zu 22 kW Peak. Das ist wichtig, weil auf manchen Händler- und Landesproduktseiten technische Angaben der beiden Versionen etwas unübersichtlich nebeneinanderstehen.
Die österreichische Silence-Seite nennt für das Premium-Paket der Version 45 außerdem elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Keyless Go, elektrische Feststellbremse, App-Konnektivität, Smartphone-Charger, Bluetooth und Multifunktionslenkrad.
Für ein 45-km/h-Fahrzeug ist das schon eine ziemlich vollständige Ausstattung.
Silence S04 ab 15 Jahren: Genau hier wird es richtig interessant
Ich glaube, wir dürfen beim Silence S04 nicht nur darüber sprechen, ob ich so ein Fahrzeug fahren möchte.
Eine ganz andere Zielgruppe könnte viel spannender sein.
Jugendliche.
In Österreich liegt das Mindestalter für die Klasse AM bei 15 Jahren. Die Klasse umfasst grundsätzlich auch vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge beziehungsweise sogenannte Mopedautos. Für die L6e-Kategorie gelten unter anderem maximal 45 km/h Bauartgeschwindigkeit und maximal 6 kW Nenndauerleistung.
Und plötzlich bekommt der S04 eine völlig andere Bedeutung.
Stellt euch einen Jugendlichen auf dem Land vor.
Die Schule liegt zehn Kilometer entfernt. Der Ausbildungsbetrieb vielleicht 15 Kilometer. Öffentliche Verkehrsmittel fahren zweimal am Tag. Im Winter regnet oder schneit es. Mit dem Fahrrad ist die Strecke nervig, mit dem Moped ungemütlich und ein normales Auto darf man noch nicht fahren.
Genau dort kann ein Fahrzeug wie der Silence S04 plötzlich extrem interessant werden.
Man sitzt trocken.
Man hat Heizung beziehungsweise Belüftung und beim hier angebotenen Premium-Paket eine Klimaanlage.
Man kann Einkäufe oder Schultasche in den Kofferraum stellen.
Man nimmt einen Beifahrer mit.
Und man sitzt nicht auf zwei Rädern im Regen.
Ich wäre allerdings vorsichtig mit dem Begriff „Auto ab 15“. Marketingtechnisch funktioniert das natürlich wunderbar. Rechtlich ist und bleibt die Version 45 ein L6e-Fahrzeug und kein normaler Pkw.
Für den Nutzer fühlt sich der Unterschied im Alltag allerdings kleiner an, als die Fahrzeugklasse vermuten lässt.
Wie fährt sich der Silence S04?
45 km/h klingen zunächst nicht gerade aufregend.
Wenn man sonst Fahrzeuge mit mehreren Kilowatt testet, Motorräder fährt oder leistungsstarke E-Scooter gewohnt ist, könnte man deshalb vermuten, der S04 müsse langweilig sein.
Das sehe ich anders.
Bei einem solchen Fahrzeug interessiert mich nicht, ob ich damit einen Beschleunigungsrekord aufstelle.
Mich interessiert:
Fährt er sauber an?
Lässt er sich präzise rangieren?
Fühlt sich das Fahrwerk stabil an?
Wie ist die Übersicht?
Wie bequem sitzt man?
Und wirkt das Ganze wie ein ernstzunehmendes Fahrzeug?
Gerade im Stadtverkehr empfand ich die 45 km/h nicht als das große Problem. Dort bewegt man sich häufig ohnehin in Geschwindigkeitsbereichen zwischen 30 und 50 km/h.
Der elektrische Antrieb passt dazu hervorragend.
Gas geben, losfahren, kein Schalten, kein Motorgeräusch, keine Kupplung.
Das macht den S04 extrem unkompliziert.
Natürlich muss man aber ehrlich bleiben.
Sobald ich aus der Stadt herauskomme und auf Straßen unterwegs bin, auf denen der übrige Verkehr 70 oder 100 km/h fährt, verändert sich das Bild.
Dann sind 45 km/h eben 45 km/h.
Das kann nerven – sowohl für den Fahrer als auch für den nachfolgenden Verkehr.
Und genau deshalb würde ich jedem Interessenten empfehlen, nicht nur darüber nachzudenken, wie weit er täglich fährt, sondern vor allem wo.
Für St. Pölten, Wien oder andere urbane Gebiete kann die 45er-Version hervorragend passen.
Wer täglich längere Überlandstrecken fährt, sollte viel kritischer hinschauen.
Autobahnen und Autostraßen sind mit einem auf 45 km/h begrenzten L6e-Fahrzeug ohnehin kein Einsatzgebiet; für diese Straßen verlangt Österreich eine entsprechend höhere Bauartgeschwindigkeit.
Das Akkusystem ist für mich das Highlight des Silence S04
Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der den S04 aus meiner Sicht wirklich besonders macht.
Der Akku kann herausgenommen werden.
Und zwar nicht theoretisch, wie bei irgendeinem 40-Kilo-Batterieblock, den man mit zwei Personen aus dem Fahrzeug heben muss.
Silence verwendet sein bekanntes Trolley-System.
Der Akku besitzt Rollen und kann ähnlich wie ein großer Rollkoffer bewegt werden. Eine Batterie bietet 5,6 kWh Kapazität. Aktuelle Silence-Unterlagen beziehungsweise der europäische Vertrieb nennen rund 41 Kilogramm Gewicht pro Akku.
41 Kilogramm möchte ich nicht durch ein Treppenhaus tragen.
Aber genau darum geht es bei dem System auch nicht.
Man rollt ihn.
Das eröffnet Möglichkeiten, die viele andere Elektroautos nicht bieten.
Du wohnst ohne eigene Wallbox?
Kein großes Problem.
Du stellst das Fahrzeug draußen ab, nimmst den Akku heraus, rollst ihn zur Steckdose und lädst ihn dort.
Silence nennt für eine vollständige Ladung an einer normalen Steckdose je nach Konfiguration ungefähr sieben bis neun Stunden.
Für mich ist das viel wichtiger als irgendeine theoretische Schnellladeleistung.
Ein Microcar fährt normalerweise keine 600 Kilometer Autobahnetappe.
Es steht nachts stundenlang herum.
Also warum sollte ich dafür zwingend eine Wallbox benötigen?
Genau hier denkt Silence meiner Meinung nach sehr konsequent aus Sicht der tatsächlichen Zielgruppe.
Ein Akku oder zwei Akkus – welche Variante würde ich kaufen?
Jetzt wird es spannend.
Denn 3.000 Euro Aufpreis von einem auf zwei Akkus sind kein Kleingeld.
Mit einem Akku kostet der Silence S04 beim eScooterLaden aktuell 12.490 Euro.
Mit zwei Akkus sind es 15.490 Euro.
Ein Akku bringt 5,6 kWh.
Zwei Akkus bringen zusammen 11,2 kWh.
Rein energetisch verdoppelt sich also die installierte Kapazität.
Aber braucht man das?
Das hängt extrem vom Nutzungsprofil ab.
Wenn ich täglich zehn Kilometer zur Arbeit und zehn Kilometer zurück fahre, nachts laden kann und am Wochenende nur kurze Wege erledige, würde ich ernsthaft über die Variante mit einem Akku nachdenken.
Warum 3.000 Euro ausgeben, wenn ich die zusätzliche Kapazität kaum benötige?
Anders sieht es aus, wenn der S04 ein echtes Auto ersetzen soll.
Wenn täglich 40, 50 oder mehr Kilometer zusammenkommen, wenn im Winter gefahren wird, wenn Heizung beziehungsweise Klimatisierung regelmäßig läuft oder wenn man nicht jeden Abend laden möchte, würde ich persönlich zu zwei Akkus tendieren.
Vor allem gibt mir die doppelte Kapazität eine Reserve.
Und Reichweitenreserve ist bei einem Elektrofahrzeug häufig mehr wert als eine theoretisch hohe Maximalreichweite.
Deshalb mein Tipp:
Nicht automatisch zwei Akkus bestellen. Aber auch nicht nur wegen der 3.000 Euro Ersparnis auf den zweiten Akku verzichten. Erst das eigene Fahrprofil anschauen.
Genau solche Fragen würde ich auch direkt mit Martin vor Ort durchgehen.
👉 Silence S04 beim eScooterLaden in St. Pölten ansehen
Reichweite: Bitte nicht nur auf Prospektwerte schauen
Beim Thema Reichweite bin ich grundsätzlich skeptisch.
Das gilt beim E-Scooter genauso wie beim E-Bike, Elektroroller oder Elektroauto.
Prospektreichweite und echte Alltagsreichweite sind zwei verschiedene Dinge.
Temperatur, Geschwindigkeit, Fahrergewicht, Beladung, Steigungen, Heizung, Klimaanlage und Fahrstil verändern das Ergebnis.
Deshalb würde ich den Silence S04 niemals nur anhand einer großen Kilometerzahl kaufen.
Wichtiger ist die Frage:
Wie viele Kilometer brauche ich tatsächlich jeden Tag?
Wer beispielsweise nur 20 Kilometer am Tag fährt, braucht keine theoretischen 150 Kilometer Reichweite.
Wer dagegen jeden Tag 100 Kilometer zurücklegen muss, sollte sich meiner Meinung nach generell fragen, ob ein 45-km/h-Microcar die richtige Fahrzeugklasse ist.
Das klingt banal, wird beim Fahrzeugkauf aber erstaunlich oft vergessen.
Wir lassen uns gern von maximalen Zahlen beeindrucken.
Größerer Akku.
Mehr Leistung.
Mehr Reichweite.
Dabei ist gerade ein Microcar dann gut, wenn es möglichst genau zur tatsächlichen Nutzung passt.
Innenraum: Überraschend erwachsen
Ein Punkt, der mir am S04 gefällt, ist die Präsentation des Innenraums.
Natürlich sitzen wir hier nicht in einer Mercedes S-Klasse.
Es gibt Kunststoff.
Es ist kompakt.
Und man merkt an verschiedenen Stellen, dass Gewicht und Platz eine Rolle spielen.
Trotzdem wirkt der Innenraum nicht wie eine nachträglich verkleidete Kabine.
Das digitale 7-Zoll-TFT, das Multifunktionslenkrad, Smartphone-Integration, Bluetooth, elektrische Fensterheber und die App-Anbindung erzeugen ein deutlich moderneres Gesamtbild. Diese Funktionen werden auch von Silence Österreich für das aktuelle Premium-Paket genannt.
Über die My-Silence-App lassen sich je nach Fahrzeugkonfiguration verschiedene Funktionen fernsteuern. Silence nennt unter anderem Verriegelung, Fenster, Lüftung und Fahrzeugstatus. Auch ein digitaler Schlüssel gehört zum Konzept.
Ist das alles zwingend notwendig?
Nein.
Aber es verändert die Wahrnehmung des Fahrzeugs.
Wer 12.490 oder 15.490 Euro bezahlt, möchte nicht das Gefühl haben, in einem überdachten Golfcart zu sitzen.
Und genau diese Gefahr umgeht Silence ziemlich gut.
Der Kofferraum ist wichtiger als 20 PS mehr
Was bringt mir ein Microcar, wenn ich anschließend meinen Einkauf auf dem Beifahrersitz stapeln muss?
Genau deshalb gefällt mir, dass Silence beim Thema Stauraum mitgedacht hat.
Der österreichische Produktauftritt nennt für die aktuelle S04-Ausführung 313 Liter Kofferraumvolumen. Zusätzlich kann der Beifahrersitz umgeklappt werden, um längere beziehungsweise größere Gegenstände unterzubringen.
Das ist im Alltag viel wert.
Einkäufe.
Sporttasche.
Schulrucksack.
Getränkekisten.
Kameraequipment.
All das gehört zur Realität.
Ich teste Fahrzeuge nicht dafür, dass sie auf einem Messestand gut aussehen.
Sie müssen funktionieren.
Und ein kleines Fahrzeug mit brauchbarem Kofferraum ist für mich deutlich interessanter als ein stylisches Microcar, bei dem bereits nach zwei Einkaufstaschen Schluss ist.
Ist der Silence S04 ein Ersatz für ein richtiges Auto?
Hier muss man differenzieren.
Für manche Menschen: absolut.
Für andere überhaupt nicht.
Wenn du hauptsächlich kurze Strecken fährst, selten mehr als eine Person mitnimmst und dich überwiegend in der Stadt beziehungsweise im näheren Umfeld bewegst, warum solltest du täglich 1,5 oder zwei Tonnen Auto bewegen?
Ein Silence S04 ist wesentlich kleiner.
Er braucht weniger Parkfläche.
Er hat einen deutlich kleineren Akku als klassische Elektroautos.
Und trotzdem bist du wettergeschützt.
Für diesen Einsatzzweck finde ich das Konzept brillant.
Aber wenn du zweimal pro Woche 100 Kilometer Autobahn fahren musst, regelmäßig drei Kinder transportierst oder einen Anhänger ziehen möchtest, brauchen wir die Diskussion gar nicht erst anfangen.
Dann ist der S04 das falsche Fahrzeug.
Elektromobilität funktioniert für mich nicht dadurch, dass wir jedes Fahrzeug zum Universalfahrzeug erklären.
Sie funktioniert dann, wenn wir das richtige Fahrzeug für den richtigen Einsatzzweck auswählen.
Und genau da hat der S04 seinen Platz.
12.490 Euro sind trotzdem viel Geld
Bei aller Begeisterung muss ich über den Preis sprechen.
12.490 Euro mit einem Akku.
15.490 Euro mit zwei Akkus.
Das ist kein Impulskauf.
Für dieses Geld bekommt man auf dem Gebrauchtwagenmarkt selbstverständlich auch einen klassischen Kleinwagen.
Und genau deshalb darf man den Silence S04 nicht ausschließlich nach der Formel „Wie viel Auto bekomme ich pro Euro?“ bewerten.
Sonst verliert ein Microcar fast immer.
Die eigentlichen Argumente sind andere:
sehr kompakte Abmessungen, Elektroantrieb, extrem geringer Platzbedarf, niedrige Geschwindigkeit für urbane Nutzung, herausnehmbarer Akku und die Möglichkeit, die 45-km/h-Version bereits mit Klasse AM zu fahren.
Besonders interessant finde ich übrigens den Preisabstand zur stärkeren Version.
Silence Österreich listet die Version 90 in der Klasse L7e im Premium-Paket aktuell mit 12.990 Euro bei einem Akku beziehungsweise 15.990 Euro mit zwei Akkus. Damit liegt zwischen den beiden Fahrzeugklassen laut aktueller österreichischer Preisliste nur ein Unterschied von 500 Euro.
Wer bereits einen normalen Führerschein besitzt, sollte deshalb beide Varianten unbedingt vergleichen.
Denn dann lautet die Frage plötzlich:
Warum 45 km/h fahren, wenn die leistungsstärkere Variante nur 500 Euro mehr kostet?
Für einen 15-Jährigen stellt sich diese Frage natürlich nicht.
Für einen Erwachsenen mit Führerschein schon.
Und genau solche Punkte gehören für mich zu einer ehrlichen Kaufberatung.
Sicherheit: Ein Microcar bleibt ein Microcar
Auch hier möchte ich keine falschen Erwartungen wecken.
Ein Silence S04 sieht aus wie ein kleines Auto.
Er fährt sich in vielen Situationen wie ein kleines Auto.
Er besitzt vier Räder, Türen, Sicherheitsgurte und Scheibenbremsen. Silence nennt Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterachse.
Trotzdem sprechen wir über die Fahrzeugklasse L6e und nicht über einen normalen Pkw der Klasse M1.
Ich finde deshalb gerade bei Fahrzeugen für 15-Jährige eine Sache extrem wichtig:
Eltern sollten nicht nur fragen, ob das Kind ein solches Fahrzeug fahren darf.
Sie sollten auch überlegen, wo damit gefahren wird.
Innenstadt?
Tempo-30-Zonen?
Kurzer Schulweg?
Oder jeden Morgen zehn Kilometer Bundesstraße zwischen Lkw und Pendlerverkehr?
Das sind völlig unterschiedliche Situationen.
Der Schutz vor Regen und Kälte ist ein riesiger Vorteil gegenüber einem Moped.
Aber ein kleines L6e-Fahrzeug wird dadurch nicht automatisch zu einem zwei Tonnen schweren modernen Pkw.
Diese Einordnung sollte man beim Kauf im Kopf behalten.
Warum ich den Silence S04 besonders für Österreich spannend finde
Österreich ist für solche Fahrzeuge eigentlich ein interessantes Land.
Es gibt viele kleinere Städte.
Es gibt ländliche Gebiete.
Es gibt Pendler.
Und es gibt Orte, an denen öffentlicher Nahverkehr hervorragend funktioniert – aber eben auch genügend Gegenden, in denen man ohne eigenes Fahrzeug schnell eingeschränkt ist.
Ein kleines elektrisches Fahrzeug kann dort eine Lücke schließen.
Genau deshalb fand ich unseren Besuch bei Martin so spannend.
Der eScooterLaden entwickelt sich immer stärker von einem reinen E-Scooter-Geschäft zu einer Anlaufstelle für unterschiedlichste Formen von Elektromobilität.
Wer einmal selbst schauen möchte:
eScooterLaden
Eingang Schulgasse 5
3100 St. Pölten
office@escooterladen.at
Die offizielle Kontaktseite bestätigt den Eingang in der Schulgasse 5 sowie die Adresse in St. Pölten.
Und genau bei solchen Fahrzeugen halte ich Beratung vor Ort für besonders wichtig.
Einen E-Scooter für 500 Euro kann man notfalls online bestellen und ausprobieren.
Bei einem Microcar für über 12.000 Euro würde ich das nicht machen.
Reinsetzen.
Fahren.
Einparken.
Kofferraum ausprobieren.
Akku herausnehmen.
Mit zwei Personen probesitzen.
Und dann entscheiden.
Für wen würde ich den Silence S04 empfehlen?
Nach unserem Test sehe ich mehrere Gruppen.
Da sind zunächst Jugendliche ab 15 Jahren, die mit entsprechender AM-Berechtigung ein wettergeschütztes Fahrzeug benötigen. Gerade im ländlichen Raum kann das eine völlig neue Form von Selbstständigkeit bedeuten.
Dann gibt es Erwachsene, die eigentlich kein großes Auto brauchen.
Single-Haushalte.
Pendler mit kurzem Arbeitsweg.
Menschen, die überwiegend innerhalb einer Stadt fahren.
Oder Familien, bei denen der S04 als Zweitfahrzeug einen großen Verbrenner ersetzen könnte.
Auch für Gewerbekunden finde ich das Konzept interessant.
Pflegedienste, kleinere Lieferdienste oder Firmen mit kurzen innerstädtischen Fahrten brauchen häufig keine 150 PS und keinen riesigen Lieferwagen.
Dort können kleine elektrische Fahrzeuge ihre Vorteile ausspielen.
Wer dagegen täglich lange Überlandstrecken fährt, regelmäßig Autobahn benötigt oder mehrere Personen transportieren muss, sollte sich nach etwas anderem umsehen.
So einfach ist das.
Was mir am Silence S04 besonders gefällt
Mein größtes Highlight ist eindeutig das Akkukonzept.
Elektromobilität scheitert für viele Menschen nicht am Fahrzeug, sondern am Laden.
„Ich habe keine Wallbox.“
„Ich wohne zur Miete.“
„Mein Parkplatz hat keine Steckdose.“
Beim Silence S04 kann die Antwort zumindest teilweise lauten:
Dann nimm den Akku mit.
Das löst nicht jedes Problem. Ein rund 41 Kilogramm schwerer Akku ist trotz Rollen nichts, was ich jeden Abend drei Stockwerke ohne Aufzug hochtragen möchte.
Aber für Garage, Keller, Werkstatt, Büro oder ebenerdige Wohnung ist das Konzept genial.
Ich würde mir wünschen, dass mehr Hersteller bei kleinen Elektrofahrzeugen in diese Richtung denken.
Denn wir benötigen nicht überall 70-kWh-Akkus und 300-kW-Schnelllader.
Manchmal reicht ein Akku, den ich einfach an die Steckdose rollen kann.
Was mir weniger gefällt
Der Preis bleibt mein größter Kritikpunkt.
15.490 Euro mit zwei Akkus sind eine Ansage.
Das muss man sich leisten wollen.
Und die 45-km/h-Begrenzung schränkt den Einsatzbereich deutlich ein.
Innerorts finde ich das wenig problematisch.
Auf schnelleren Straßen wäre mir die Differenz zum restlichen Verkehr auf Dauer zu groß.
Dazu kommt die interessante Preissituation zur stärkeren L7e-Version.
Wenn ich erwachsen bin, den passenden Führerschein besitze und für nur 500 Euro mehr die stärkere Fahrzeugklasse bekommen kann, würde ich sehr genau überlegen, ob die L6e-Variante wirklich die richtige Wahl ist.
Der große Joker der 45er-Version bleibt deshalb für mich eindeutig:
Fahren ab 15 Jahren mit AM.
Genau dort ergibt das Fahrzeug besonders viel Sinn.
Silence S04 kaufen: Mein Rat vor der Bestellung
Ich würde drei Dinge machen.
Erstens: Probefahren.
Zweitens: das eigene tägliche Streckenprofil aufschreiben.
Und drittens: ehrlich ausrechnen, ob ein oder zwei Akkus notwendig sind.
Nicht nach dem Motto „Mehr ist immer besser“.
Wenn ein Akku reicht, sind 3.000 Euro Ersparnis eine Menge Geld.
Wenn ein Akku aber ständig Reichweitenstress verursacht, waren die 3.000 Euro Ersparnis die falsche Entscheidung.
Und wenn ihr aus Österreich kommt, würde ich tatsächlich direkt bei Martin vorbeischauen.
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Der eScooterLaden wächst weiter. Wer sich für Elektromobilität begeistert und sich das Ganze nicht nur als Kunde anschauen möchte, kann Martin ebenfalls direkt kontaktieren:
eScooterLaden
Schulgasse 5
3100 St. Pölten
office@escooterladen.atwww.escooterladen.at
Mein Fazit zum Silence S04
Ich bin nach unserem Test in St. Pölten ziemlich angetan vom Silence S04.
Nicht weil er perfekt ist.
Und auch nicht, weil ich jetzt der Meinung bin, jeder müsse sein Auto verkaufen und sich ein Microcar kaufen.
Mich begeistert vielmehr, dass hier jemand ein Problem anders gedacht hat.
Wir bauen seit Jahrzehnten immer größere Autos.
Länger.
Breiter.
Schwerer.
Mehr Leistung.
Mehr Akku.
Mehr Ausstattung.
Und anschließend beschweren wir uns darüber, dass Innenstädte voll sind und wir keine Parkplätze finden.
Der Silence S04 geht genau in die andere Richtung.
Zwei Sitzplätze.
2,28 Meter Fahrzeuglänge.
Elektroantrieb.
Kleiner Akku.
Herausnehmbares Batteriesystem.
Genug Platz für den Alltag.
Und als L6e-Version mit 45 km/h sogar bereits für junge Fahrer interessant.
Das gefällt mir.
Der Preis von 12.490 Euro mit einem Akku beziehungsweise 15.490 Euro mit zwei Akkus verhindert allerdings, dass der S04 automatisch zum günstigen Einstiegsfahrzeug wird.
Gerade deshalb sollte man ihn ausprobieren.
Denn auf Bildern lässt sich nur schwer vermitteln, wie erwachsen sich dieses winzige Fahrzeug teilweise anfühlt.
Für einen Jugendlichen auf dem Land kann der S04 ein Stück Freiheit sein.
Für einen Stadtbewohner möglicherweise ein vollwertiger Ersatz für den Zweitwagen.
Für einen Pendler mit 60 Kilometern Bundesstraße pro Tag dagegen wahrscheinlich die falsche Entscheidung.
Und genau so muss Elektromobilität meiner Meinung nach betrachtet werden.
Nicht ideologisch.
Nicht nach dem Motto „Elektro ist immer besser“.
Sondern danach, welches Fahrzeug für welchen Menschen funktioniert.
Der Silence S04 funktioniert dort extrem gut, wo ein normaler Pkw eigentlich viel zu viel Auto wäre.
Und das sind vermutlich mehr Situationen, als viele von uns denken.
Vielen Dank an Martin und das Team vom eScooterLaden St. Pölten, dass wir uns den Silence S04 vor Ort anschauen und ausprobieren konnten.
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Wir schauen uns auch weiterhin genau solche Fahrzeuge an – vom E-Scooter über E-Bikes und Elektroroller bis hin zu Microcars wie dem Silence S04.
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