Kaum ein Verkehrsmittel wird in Deutschland so schnell verurteilt wie der E-Scooter. Für die einen ist er ein praktischer Alltagsbegleiter, für die anderen ein rollendes Ärgernis, das auf Gehwegen herumsteht, Fußgänger behindert und von Menschen gefahren wird, die scheinbar noch nie etwas von Verkehrsregeln gehört haben.
Dieses Bild kommt nicht von ungefähr. Als die ersten großen Sharing-Anbieter 2019 mit ihren Leihrollern in deutsche Städte drängten, wurden E-Scooter innerhalb weniger Wochen sichtbar. Allerdings nicht immer positiv. Umgekippte Fahrzeuge, blockierte Gehwege, wild abgestellte Roller und Fahrten zu zweit bestimmten schnell die öffentliche Wahrnehmung.
Doch während wir noch über das alte Leihroller-Chaos diskutieren, hat sich der Markt längst verändert.
Der eigentliche E-Scooter-Boom findet heute nicht mehr nur in den Innenstädten statt. Er findet in Kellern, Garagen, Hausfluren, Kofferräumen und an Bahnhöfen statt. Immer mehr Menschen leihen keinen E-Scooter mehr, sondern kaufen sich einen eigenen.
Die Zahlen sind deutlich: Ende 2025 waren nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft rund 1,66 Millionen E-Scooter versichert. Etwa 1,36 Millionen davon befanden sich in Privatbesitz. Damit gehören inzwischen vier von fünf versicherten E-Scootern privaten Eigentümern. Zum Vergleich: 2022 waren insgesamt erst knapp 764.000 Fahrzeuge versichert.
Für mich ist das keine kleine Verschiebung. Es ist ein grundlegender Wandel.
Ich beschäftige mich seit 2014 intensiv mit Elektromobilität und habe in dieser Zeit unzählige E-Scooter gefahren, getestet, zerlegt, kritisiert und teilweise auch verflucht. Aus meiner Sicht erleben wir 2026 nicht einfach eine zweite Runde des alten Sharing-Hypes. Der E-Scooter entwickelt sich vom anonymen Mietfahrzeug zu einem persönlichen Alltagsfahrzeug.
Genau darin liegt der eigentliche Boom.
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Der E-Scooter-Boom 2026 sieht anders aus als der Hype von 2019
Der erste E-Scooter-Boom wurde von großen Verleihfirmen getragen. Die Fahrzeuge standen plötzlich überall, konnten per App freigeschaltet werden und versprachen spontane Mobilität ohne eigenes Fahrzeug.
Das Konzept klang überzeugend: App öffnen, Roller suchen, entsperren, losfahren und am Ziel wieder abstellen.
In der Praxis hatte dieses Modell jedoch Schwächen. Der nächste E-Scooter war nicht immer dort, wo man ihn brauchte. Manchmal war der Akku fast leer, manchmal war das Fahrzeug beschädigt und manchmal ließ sich die Fahrt wegen einer Parkverbotszone nicht beenden.
Hinzu kamen die laufenden Kosten. Wer nur gelegentlich einen Leihroller nutzt, muss darüber nicht lange nachdenken. Für tägliche Pendler können Entsperrgebühren und Minutenpreise jedoch schnell teuer werden.
Der private E-Scooter löst viele dieser Probleme auf einmal.
Er steht morgens dort, wo ich ihn abgestellt habe. Ich kenne seinen Ladezustand, seine Bremsen, seine Reifen und sein Fahrverhalten. Ich muss keine App durchsuchen, keine Entsperrgebühr bezahlen und nicht hoffen, dass am Bahnhof noch ein funktionierendes Fahrzeug verfügbar ist.
Diese Kontrolle wird häufig unterschätzt.
Ein eigener E-Scooter ist nicht nur ein gekauftes Produkt. Er ist eine kleine, jederzeit verfügbare Mobilitätsreserve. Genau das ist für viele Menschen wichtiger als maximale Reichweite oder spektakuläre Beschleunigungswerte.
Vier von fünf E-Scootern sind privat – und trotzdem reden alle über Leihroller
Wenn inzwischen rund 80 Prozent der versicherten E-Scooter privat genutzt werden, müssen wir die öffentliche Diskussion neu führen.
Noch immer wird fast jedes Problem mit E-Scootern automatisch auf die gesamte Fahrzeugklasse übertragen. Ein Leihroller liegt quer auf dem Gehweg und schon heißt es: „Diese E-Scooter müssen weg.“
Dabei würde niemand einen schlecht abgestellten Mietwagen sehen und daraus ableiten, dass private Autos grundsätzlich verboten werden sollten.
Leih-E-Scooter und private E-Scooter mögen technisch ähnlich sein, doch ihre Nutzung unterscheidet sich erheblich.
Mit meinem eigenen Fahrzeug gehe ich normalerweise anders um. Ich weiß, was es gekostet hat. Ich möchte es nicht beschädigen, nicht im Regen liegen lassen und nicht mitten auf dem Gehweg zurücklassen. In vielen Fällen nehme ich es mit in die Wohnung, in die Garage oder an den Arbeitsplatz.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Privatbesitzer automatisch rücksichtsvoll fährt. Auch private E-Scooter werden illegal auf Gehwegen bewegt, falsch abgestellt oder technisch manipuliert. Eigentum macht niemanden automatisch vernünftig.
Trotzdem verändert Eigentum das Verhältnis zum Fahrzeug.
Wer regelmäßig denselben Scooter fährt, kennt dessen Bremsweg, Lenkverhalten und Reichweite. Diese Erfahrung kann Sicherheit schaffen. Bei einem Leihroller muss sich der Nutzer dagegen bei jeder Fahrt neu auf ein unbekanntes Fahrzeug einstellen.
Auch Wartung und Pflege werden persönlicher. Ein Besitzer bemerkt eher, wenn der Reifen Luft verliert, die Bremse schleift oder das Lenkkopflager Spiel bekommt. Bei einem anonymen Mietfahrzeug wird ein Problem möglicherweise erst gemeldet, nachdem bereits mehrere Menschen damit gefahren sind.
Warum Menschen gerade jetzt einen eigenen E-Scooter kaufen
Ich glaube nicht, dass es nur einen Grund für den aktuellen E-Scooter-Boom gibt. Mehrere Entwicklungen treffen gleichzeitig aufeinander.
Zum einen sind die Fahrzeuge deutlich erwachsener geworden.
Frühe Modelle waren häufig hart gefedert, schwach motorisiert und mit kleinen Akkus ausgestattet. Viele E-Scooter hatten schmale Vollgummireifen, schlechte Beleuchtung und einfache Bremsen. Wer damit regelmäßig über Kopfsteinpflaster oder schlechte Radwege fuhr, hatte wenig Freude.
Heute gibt es bereits in der Mittelklasse große Luftreifen, Federungssysteme, kräftigere Motorsteuerungen, bessere Displays, Blinker, Traktionskontrolle, elektronische Wegfahrsperren, Alarmfunktionen und teilweise sogar integriertes Tracking.
Nicht jedes dieser Ausstattungsmerkmale ist notwendig. Manche Funktionen sind mehr Marketing als echter Fortschritt. Dennoch ist das Gesamtpaket heute wesentlich alltagstauglicher.
Zum anderen ist der Markt breiter geworden.
Es gibt kompakte Pendler-Scooter, besonders leichte Modelle, komfortable Langstreckenfahrzeuge, günstige Einsteigergeräte und schwere Premium-Scooter mit großen Akkus. Käufer müssen nicht mehr das eine Standardmodell nehmen, sondern können das Fahrzeug stärker an ihren Alltag anpassen.
Genau hier beginnt allerdings auch ein neues Problem: Das Angebot ist unübersichtlich geworden.
Hersteller werben mit enormen Reichweiten, hohen Steigfähigkeiten und beeindruckenden Belastungsgrenzen. Unter realen Bedingungen fallen diese Werte oft deutlich niedriger aus. Körpergewicht, Temperatur, Reifendruck, Fahrstil, Wind und Steigungen können die Reichweite massiv beeinflussen.
Deshalb rate ich seit Jahren davon ab, einen E-Scooter ausschließlich nach der größten Zahl im Datenblatt zu kaufen.
Ein realistischer Reichweitenwert von 30 Kilometern ist für viele Nutzer sinnvoller als ein theoretisches Versprechen von 70 Kilometern, das nur unter Idealbedingungen erreichbar ist.
Die letzte Meile ist kein Werbespruch, sondern ein echter Anwendungsfall
Der Begriff „letzte Meile“ wird inzwischen so häufig verwendet, dass er fast nach Marketing klingt. Trotzdem beschreibt er ziemlich genau, wo ein E-Scooter seine größte Stärke ausspielen kann.
Gemeint ist die Strecke zwischen einer Haltestelle und dem eigentlichen Ziel. Das können 800 Meter von der Wohnung zur S-Bahn sein, zwei Kilometer vom Bahnhof zum Arbeitsplatz oder drei Kilometer zwischen einem Gewerbegebiet und der nächsten Bushaltestelle.
Gerade am Stadtrand und in ländlicheren Regionen ist das wichtig. Dort steht nicht alle fünf Minuten ein Bus vor der Haustür. Der Weg zur nächsten Bahnstation kann zu weit zum bequemen Laufen, aber zu kurz für das Auto sein.
Eine ADAC-Befragung zeigt, dass E-Scooter besonders häufig auf kurzen Strecken genutzt werden. 31 Prozent der Befragten nannten typische Entfernungen von ein bis zwei Kilometern, weitere 27 Prozent Strecken von maximal einem Kilometer. 20 Prozent nutzten den E-Scooter für Wege zur Arbeit, Ausbildung, Schule oder Universität. 18 Prozent fuhren damit zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs.
Nehmen wir eine Entfernung von 1,5 Kilometern. Zu Fuß benötigt man dafür ungefähr 18 Minuten. Mit dem E-Scooter kann diese Strecke je nach Ampeln und Verkehrsführung in sechs bis acht Minuten erledigt sein.
Morgens und abends können dadurch täglich rund 20 Minuten eingespart werden. Auf eine Arbeitswoche gerechnet ist das bereits deutlich mehr als eine Stunde.
Das klingt zunächst unspektakulär. Für einen Pendler, der diesen Weg an 200 Tagen im Jahr zurücklegt, ist es jedoch ein spürbarer Unterschied.
Der E-Scooter kann dadurch auch den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Wer nicht mehr 20 Minuten bis zur Bahn laufen oder sich nach einem selten fahrenden Zubringerbus richten muss, lässt das Auto vielleicht häufiger stehen.
Ich sage bewusst „vielleicht“. Denn ein E-Scooter ersetzt nicht automatisch ein Auto. Häufig ersetzt er auch einen Fußweg, eine Fahrradfahrt oder eine kurze Busfahrt. Wer jedes elektrische Kleinstfahrzeug sofort als großen Beitrag zur Verkehrswende feiert, macht es sich zu einfach.
Die Kombination aus E-Scooter und Bahn hat einen Haken
Ein faltbarer E-Scooter passt grundsätzlich gut zum öffentlichen Nahverkehr. Er benötigt weniger Platz als ein Fahrrad und kann am Ziel wieder ausgeklappt werden.
Doch nicht jeder moderne E-Scooter ist tatsächlich gut transportierbar.
Viele komfortable Modelle wiegen inzwischen 25, 30 oder sogar mehr Kilogramm. Auf ebener Fläche ist das kein großes Problem. Spätestens an einem Bahnhof ohne Aufzug oder in einem vollen Regionalzug wird das Gewicht jedoch entscheidend.
Ein E-Scooter mit riesigem Akku kann ein hervorragendes Fahrzeug sein. Für einen Pendler, der ihn täglich drei Treppen hinauftragen muss, ist er möglicherweise trotzdem die falsche Wahl.
Hinzu kommen unterschiedliche Beförderungsregeln. Einige Verkehrsunternehmen haben die Mitnahme von E-Tretrollern wegen befürchteter Akkubrandrisiken ausgeschlossen. Bei den Kölner Verkehrs-Betrieben gilt ein solches Verbot beispielsweise seit März 2024 auch für zusammengeklappte Fahrzeuge. Andere Verkehrsverbünde handhaben die Mitnahme anders. Pendler sollten deshalb vor dem Kauf unbedingt die Regeln ihres eigenen Verkehrsunternehmens prüfen.
Aus meiner Sicht schwächt diese uneinheitliche Situation einen der wichtigsten Vorteile des E-Scooters.
Wenn Politik und Verkehrsunternehmen den E-Scooter ernsthaft als Teil einer vernetzten Mobilität betrachten, brauchen Nutzer nachvollziehbare und möglichst einheitliche Sicherheitsstandards. Pauschale Verbote lösen das Problem nur auf dem Papier.
E-Scooter kaufen oder leihen: Wann rechnet sich ein eigenes Modell?
Die wirtschaftliche Rechnung hängt stark von der Nutzung ab.
Wer viermal im Jahr im Urlaub einen E-Scooter ausleiht, braucht wahrscheinlich kein eigenes Fahrzeug. Die Anschaffung, Versicherung, Lagerung und Wartung wären für diese Nutzung kaum sinnvoll.
Bei regelmäßigen Fahrten sieht es anders aus.
Nehmen wir ein bewusst vereinfachtes Rechenbeispiel: Eine kurze Leihfahrt kostet einschließlich Entsperrung durchschnittlich 2,50 Euro. Wer an 20 Arbeitstagen jeweils morgens und abends fährt, kommt auf 40 Fahrten und damit auf rund 100 Euro im Monat.
Ein solider eigener E-Scooter für 600 bis 800 Euro könnte sich in diesem Beispiel bereits innerhalb weniger Monate rechnen.
Natürlich ist diese Rechnung nicht vollständig. Hinzu kommen die jährliche Haftpflichtversicherung, mögliche Reparaturen, Reifen, Bremsbeläge, Stromkosten und irgendwann auch der Verschleiß des Akkus.
Trotzdem zeigt das Beispiel, warum Vielnutzer irgendwann über den Kauf nachdenken.
Der größere Vorteil ist für mich allerdings nicht allein die Ersparnis. Es ist die Verlässlichkeit. Ein eigener Scooter steht nicht drei Straßen weiter, wurde nicht von einem anderen Nutzer reserviert und befindet sich nicht plötzlich außerhalb des Geschäftsgebiets.
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Dabei gilt weiterhin: Ein vermeintliches Schnäppchen ist nicht automatisch günstig. Wenn es nach einem Jahr keine Ersatzreifen, Bremsbeläge oder einen erreichbaren Kundendienst mehr gibt, kann der niedrige Kaufpreis schnell zum Problem werden.
Fahrspaß ist kein oberflächlicher Grund
Über Mobilität wird gerne sehr vernünftig gesprochen. Es geht um Effizienz, Kosten, Emissionen, Platzbedarf und Verkehrsplanung.
Was dabei oft vergessen wird: Menschen wählen Verkehrsmittel nicht ausschließlich anhand einer Excel-Tabelle aus.
Ein E-Scooter macht vielen Menschen schlicht Spaß.
In der ADAC-Befragung war Fahrspaß für Besitzer und Leihnutzer der am häufigsten genannte wichtigste Nutzungsgrund. Rund 45 Prozent gaben außerdem an, spontan zu fahren, wenn sie Lust darauf haben.
Ich finde das nicht verwerflich.
Wir akzeptieren schließlich auch, dass Menschen Motorräder, Cabrios, Mountainbikes oder Oldtimer nicht ausschließlich aus praktischen Gründen fahren. Warum sollte ein E-Scooter nur dann gesellschaftlich akzeptabel sein, wenn jede Fahrt einem streng berechneten Mobilitätszweck dient?
Fahrspaß kann sogar entscheidend dafür sein, ob ein neues Verkehrsmittel dauerhaft genutzt wird.
Ein Fahrzeug, das technisch vernünftig ist, aber keinen Spaß macht, bleibt häufig stehen. Ein Scooter, auf den ich morgens gerne steige, wird Teil meines Alltags.
Trotzdem sollten wir den Spaß nicht als Umweltargument tarnen.
Wer mit dem E-Scooter eine Strecke fährt, die er sonst zu Fuß gegangen wäre, spart dadurch nicht automatisch Energie oder Ressourcen. Ein langlebiges Fahrzeug, das regelmäßig Autofahrten ersetzt, ist anders zu bewerten als ein billiges Wegwerfprodukt, das nur für kurze Freizeitfahrten angeschafft wird.
Nachhaltigkeit entscheidet sich nicht allein am Elektromotor. Sie entscheidet sich auch an Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Nutzungsdauer und der Frage, welches Verkehrsmittel tatsächlich ersetzt wird.
Ist der E-Scooter das neue Mofa?
Diese Frage taucht immer häufiger auf. Und ich verstehe, warum.
Für viele Jugendliche früherer Generationen war das Mofa der erste Schritt in die selbstständige Mobilität. Plötzlich musste man sich nicht mehr von den Eltern fahren lassen. Man konnte Freunde besuchen, zur Schule fahren oder einfach ohne konkretes Ziel unterwegs sein.
Heute übernimmt der E-Scooter teilweise eine ähnliche Rolle.
In Deutschland dürfen E-Scooter bereits ab 14 Jahren gefahren werden. Eine Fahrerlaubnis oder Mofa-Prüfbescheinigung ist nicht erforderlich. Eine gesetzliche Helmpflicht gibt es ebenfalls nicht, auch wenn ich einen Helm dringend empfehle. Das Fahrzeug benötigt jedoch eine Betriebserlaubnis und eine Haftpflichtversicherung.
Ein klassisches Mofa darf dagegen grundsätzlich ab 15 Jahren gefahren werden, erreicht bis zu 25 km/h und setzt in der Regel eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.
Die Zugangshürde beim E-Scooter ist damit deutlich niedriger.
Es gibt keine Fahrschule, keine Theorieprüfung und keine praktische Prüfung. Der Scooter ist leicht zu bedienen, kann zu Hause geladen und teilweise zusammengeklappt transportiert werden.
In diesem Sinne ist er tatsächlich eine Art neues Einstiegsfahrzeug.
Trotzdem ist der Vergleich nicht vollständig.
Ein Mofa ist für längere Strecken geeigneter, besitzt einen Sitz und vermittelt ein anderes Fahrgefühl. Es war zudem häufig ein Schrauberobjekt. Vergaser, Zündkerze, Auspuff und Übersetzung gehörten für viele Jugendliche zur technischen Auseinandersetzung mit dem Fahrzeug.
Beim E-Scooter verlagert sich dieses Interesse in Richtung Software, Controller, Akku, App und elektronische Einstellungen.
Die Faszination ist also nicht verschwunden. Sie hat sich verändert.
Für mich ist der E-Scooter deshalb nicht das neue Mofa im technischen Sinn. Gesellschaftlich kann er aber eine ähnliche Funktion übernehmen: Er gibt jungen Menschen ein erstes Stück unabhängige Mobilität.
Keine Führerscheinpflicht bedeutet nicht, dass keine Schulung nötig wäre
Hier sehe ich einen echten Schwachpunkt der aktuellen Regelung.
Ein 14-jähriger Jugendlicher darf mit einem versicherten E-Scooter direkt am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, ohne vorher nachweisen zu müssen, dass er Verkehrsregeln, Bremswege oder Gefahrensituationen verstanden hat.
Rechtlich ist das erlaubt. Pädagogisch halte ich es trotzdem für fragwürdig, Jugendliche völlig unvorbereitet losfahren zu lassen.
Eltern sollten einen E-Scooter nicht wie ein Spielzeug übergeben.
Vor der ersten Fahrt gehören einige Übungen auf eine sichere, abgesperrte Fläche: starkes Bremsen, langsames Abbiegen, Handzeichen, Schulterblick, Ausweichen und kontrolliertes Fahren auf unebenem Untergrund.
Auch die Verkehrsregeln müssen klar sein. Ein E-Scooter gehört grundsätzlich nicht auf den Gehweg. Er darf nur von einer Person gefahren werden. Das Smartphone gehört während der Fahrt nicht in die Hand. Für Fahrer unter 21 Jahren und Führerscheinneulinge gilt ein absolutes Alkoholverbot.
Ich würde Jugendlichen außerdem unabhängig von einer gesetzlichen Pflicht niemals ohne Helm fahren lassen.
20 km/h wirken langsam, solange man aufrecht auf dem Fahrzeug steht. Bei einem Sturz trifft der Körper jedoch ohne schützende Karosserie auf Asphalt, Bordstein oder ein anderes Fahrzeug.
Ein Helm verhindert nicht jeden Unfall. Er kann aber den Unterschied zwischen einer schmerzhaften Erfahrung und einer schweren Kopfverletzung ausmachen.
Social Media und das gefährliche Geschäft mit dem Tuning
Wo junge Menschen, Technik und Social Media zusammentreffen, ist Tuning nicht weit entfernt.
Auch beim E-Scooter wird nach Möglichkeiten gesucht, die gesetzliche Begrenzung zu umgehen. Videos mit spektakulären Geschwindigkeiten erzielen häufig mehr Aufmerksamkeit als ein sachlicher Beitrag über Reifendruck oder Bremsenpflege.
Als YouTuber kenne ich diesen Mechanismus sehr gut.
Extreme Inhalte werden geklickt. Ein illegal getunter Scooter mit 50 km/h wirkt im ersten Moment spannender als ein legales Modell mit 20 km/h. Das Problem ist nur: Reichweite auf Social Media ist kein Beweis für technische Vernunft.
Ein E-Scooter ist ein Gesamtsystem. Rahmen, Reifen, Lager, Bremsen und Lenkung wurden für bestimmte Belastungen ausgelegt. Wird die Geschwindigkeit massiv erhöht, steigt die Bewegungsenergie deutlich stärker als die Geschwindigkeit selbst.
Ein Schlagloch, das bei 20 km/h unangenehm ist, kann bei wesentlich höherem Tempo zum vollständigen Kontrollverlust führen.
Hinzu kommt die rechtliche Seite. Wird ein Fahrzeug so verändert, dass es die Bedingungen seiner Betriebserlaubnis nicht mehr erfüllt, darf es nicht mehr legal im öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden. Dadurch können zusätzlich erhebliche Probleme mit dem Versicherungsschutz entstehen.
Ich habe Verständnis dafür, dass Jugendliche Technik ausprobieren möchten. Diese Neugier ist grundsätzlich positiv. Aber öffentlicher Straßenverkehr ist kein Testgelände.
Wer ein schnelleres Fahrzeug fahren möchte, sollte die entsprechende Fahrzeugklasse und Fahrerlaubnis wählen. Ein illegal manipulierter E-Scooter ist kein cleverer Trick, sondern ein unnötiges Risiko für den Fahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer.
Die E-Scooter-Unfälle steigen deutlich – doch die Zahlen brauchen Kontext
Über die Unfallentwicklung darf man nicht hinwegsehen.
2025 wurden laut Statistischem Bundesamt 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert. Das waren 38,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 38 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Versicherer erfassten zusätzlich rund 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern.
Das sind keine Zahlen, die man kleinreden sollte.
Gleichzeitig muss man sie sauber einordnen.
Der versicherte E-Scooter-Bestand ist in wenigen Jahren ebenfalls massiv gewachsen. 2022 waren knapp 764.000 Fahrzeuge versichert, Ende 2025 bereits rund 1,66 Millionen. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der registrierten Unfälle mit Personenschaden von 8.341 auf 16.496. Fahrzeugbestand und absolute Unfallzahlen haben sich damit beide ungefähr verdoppelt.
Das bedeutet nicht, dass alles unproblematisch ist. Es zeigt aber, warum reine absolute Zahlen keine vollständige Antwort liefern.
Mehr Fahrzeuge und mehr gefahrene Kilometer führen normalerweise zu mehr Unfällen. Entscheidend wäre deshalb zusätzlich, wie viele Schäden pro gefahrenem Kilometer, pro Fahrt oder pro Nutzungsstunde entstehen.
Solche belastbaren Vergleichswerte fehlen häufig.
Besonders interessant ist der Unterschied zwischen privaten und gewerblich verliehenen Fahrzeugen. Bei privaten E-Scootern registrierten die Versicherer 2025 sechs Haftpflichtschäden je 1.000 versicherte Fahrzeuge. Bei Leih-E-Scootern waren es 13 Schäden je 1.000 Fahrzeuge.
Auf den ersten Blick wirken Leihroller damit mehr als doppelt so schadenanfällig.
Doch auch hier muss man kritisch bleiben. Ein einzelner Leihroller kann innerhalb eines Tages von vielen unterschiedlichen Personen gefahren werden. Ein privater Scooter steht möglicherweise mehrere Tage ungenutzt in der Garage. Die Schadenhäufigkeit pro versichertem Fahrzeug ist deshalb nicht automatisch identisch mit dem Risiko pro Fahrt.
Trotzdem spricht einiges dafür, dass Erfahrung und Fahrzeugkenntnis eine Rolle spielen.
In der ADAC-Befragung trugen 50 Prozent der privaten Besitzer einen Helm, bei den Leihnutzern waren es nur 22 Prozent. Regelmäßige Fahrer fühlten sich außerdem sicherer als Menschen, die nur selten einen E-Scooter nutzten.
Das schlechte Image ist teilweise verdient – aber nicht immer fair
E-Scooter erzeugen ein starkes subjektives Unsicherheitsgefühl.
In einer ADAC-Umfrage zur Fußgängersicherheit nannten 55 Prozent der Befragten E-Scooter als wichtigen Unsicherheitsfaktor. Besonders kritisiert wurden blockierte Gehwege, rücksichtsloses Fahrverhalten und unerlaubte Fahrten auf dem Bürgersteig.
Diese Wahrnehmung darf man nicht arrogant abtun.
Für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Sehbehinderung kann ein quer abgestellter Scooter ein erhebliches Hindernis sein. Auch Eltern mit Kinderwagen sind auf freie Gehwege angewiesen.
Das Problem ist jedoch nicht automatisch das Fahrzeug. Das Problem ist die Nutzung und teilweise auch ein Geschäftsmodell, bei dem große Flotten in den öffentlichen Raum gestellt werden, ohne von Anfang an ausreichend Abstellflächen zu schaffen.
Der private E-Scooter könnte das Image langfristig sogar verbessern.
Wer seinen Scooter nach der Fahrt mit nach Hause, ins Büro oder in die Garage nimmt, blockiert keinen Gehweg. Private Fahrzeuge müssen nicht in großen Gruppen vor Bahnhöfen verteilt werden und werden normalerweise auch nicht über Nacht wahllos im öffentlichen Raum abgestellt.
Ob das gelingt, hängt allerdings vom Verhalten der Besitzer ab.
Wenn private Nutzer auf Gehwegen fahren, rote Ampeln ignorieren oder ihre Fahrzeuge vor Hauseingängen abstellen, wiederholen sie exakt die Fehler, für die Sharing-Anbieter seit Jahren kritisiert werden.
Der private Boom ist deshalb eine Chance, aber kein automatischer Imagewechsel.
Ohne vernünftige Infrastruktur bleibt der E-Scooter zwischen allen Stühlen
Ein E-Scooter benötigt keine eigene, vollständig neue Verkehrsinfrastruktur. Er braucht aber sichere und zusammenhängende Wege.
Auf einem guten Radweg funktioniert das Fahrzeug hervorragend. Auf einer mehrspurigen Straße mit dichtem Autoverkehr und ohne Radstreifen fühlen sich 20 km/h plötzlich sehr langsam an.
Auf dem Gehweg darf der Fahrer normalerweise nicht ausweichen. Damit bleibt oft nur die Fahrbahn, obwohl diese subjektiv und teilweise objektiv gefährlich wirkt.
Viele Regelverstöße lassen sich dadurch nicht entschuldigen. Sie lassen sich aber erklären.
Wer möchte, dass E-Scooter legal und sicher genutzt werden, muss vernünftige Radverkehrsverbindungen schaffen. Davon profitieren gleichzeitig Fahrräder, Lastenräder, Pedelecs und andere leichte Fahrzeuge.
Auch beim Abstellen brauchen Städte klare Lösungen. Spezielle Stellflächen an Bahnhöfen, Einkaufszentren und belebten Plätzen sind sinnvoller als ständig neue Verbotszonen.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln sich inzwischen weiter. Für neu in Verkehr gebrachte E-Scooter sollen ab 2027 unter anderem Blinker und technisch getrennte Vorder- und Hinterradbremsen stärker vorgeschrieben werden. Bereits zugelassene Fahrzeuge dürfen weiter genutzt werden. Zusätzlich sollen Kommunen mehr Möglichkeiten erhalten, das Abstellen von Sharing-Fahrzeugen zu steuern.
Ich halte Blinker grundsätzlich für einen echten Sicherheitsgewinn.
Ein Handzeichen auf einem E-Scooter ist schwieriger als auf einem Fahrrad, weil kleine Räder und kurze Lenker stärkere Reaktionen auf Gewichtsverlagerungen zeigen. Gerade unerfahrene Fahrer verlieren beim einhändigen Fahren schnell Stabilität.
Trotzdem wird auch ein Blinker keine Rücksichtnahme ersetzen. Technik kann unterstützen, aber keine vernünftige Fahrweise programmieren.
Für wen sich ein eigener E-Scooter wirklich lohnt
Ein eigener E-Scooter ist besonders sinnvoll, wenn regelmäßig kurze bis mittlere Strecken zurückgelegt werden.
Typische Nutzer sind Pendler, die ein bis fünf Kilometer bis zur Bahn fahren, Beschäftigte in großen Gewerbegebieten, Studierende mit Wegen zwischen Campus und Wohnung oder Menschen, die ihr Auto bei kurzen Besorgungen stehen lassen möchten.
Auch für Wohnmobile, Campingplätze oder große Betriebsgelände kann ein kompakter E-Scooter praktisch sein.
Weniger geeignet ist das Fahrzeug, wenn es täglich mehrere Stockwerke getragen werden muss, keine sichere Abstellmöglichkeit vorhanden ist oder die gesamte Strecke ausschließlich über gefährliche Hauptstraßen führt.
Auch Käufer, die regelmäßig eine zweite Person transportieren möchten, sollten sich nach einer anderen Fahrzeugklasse umsehen. E-Scooter sind ausschließlich für eine Person vorgesehen.
Wer bei jedem Wetter lange Strecken fahren muss, ist möglicherweise mit einem E-Bike besser beraten. Ein Fahrrad bietet größere Räder, eine stabilere Sitzposition und häufig bessere Möglichkeiten zum Transport von Gepäck.
Der E-Scooter ist kein universeller Ersatz für Fahrrad, Auto und öffentlichen Nahverkehr. Seine Stärke liegt in einer klaren Nische: kurze, planbare Wege mit möglichst wenig Platzbedarf.
Und genau diese Nische ist größer, als viele Kritiker glauben.
Worauf ich beim Kauf eines E-Scooters 2026 achten würde
Der wachsende Markt bringt nicht nur bessere Fahrzeuge hervor. Er bringt auch mehr schlechte Angebote, übertriebene Versprechen und Modelle ohne sinnvolle Ersatzteilversorgung.
Betriebserlaubnis zuerst prüfen
Das wichtigste Kriterium ist eine gültige Betriebserlaubnis für Deutschland. Ein günstiger Import-Scooter ohne entsprechende Genehmigung darf nicht einfach durch das Anbringen einer Versicherungsplakette legalisiert werden.
Die Betriebserlaubnis sollte klar dokumentiert sein. Die Liste der zugelassenen Fahrzeugtypen wird vom Kraftfahrt-Bundesamt geführt und fortlaufend aktualisiert.
Reichweite realistisch planen
Ich würde nie exakt die beworbene Maximalreichweite als täglichen Bedarf einplanen.
Wer täglich 20 Kilometer fahren muss, sollte keinen Scooter kaufen, der unter Idealbedingungen mit 22 Kilometern beworben wird. Reserven sind wichtig, weil Kälte, Gegenwind, Steigungen und höheres Fahrergewicht die Reichweite reduzieren.
Gewicht nicht unterschätzen
Ein großer Akku ist schön. Ein 35 Kilogramm schwerer Scooter wird jedoch nicht plötzlich leicht, nur weil er zusammengeklappt werden kann.
Vor dem Kauf sollte ehrlich geklärt werden, ob Treppen, Bahnsteige, Kofferraumkanten oder enge Hausflure zum Alltag gehören.
Reifen und Bremsen ernst nehmen
Größere Luftreifen bieten in der Regel mehr Komfort und Sicherheit auf schlechten Wegen. Dafür können sie einen Platten bekommen. Vollgummireifen sind wartungsärmer, fahren sich aber häufig härter.
Bei den Bremsen zählt nicht nur die Anzahl. Dosierbarkeit, Wartung und Ersatzteilversorgung sind mindestens genauso wichtig.
Ersatzteile und Kundendienst prüfen
Ein guter Scooter ist nur dann nachhaltig, wenn er repariert werden kann.
Vor dem Kauf würde ich prüfen, ob Reifen, Schläuche, Bremsbeläge, Schutzbleche, Ladegerät und andere Verschleißteile erhältlich sind. Ein erreichbarer deutscher oder europäischer Kundendienst ist für mich mehr wert als eine zusätzliche App-Spielerei.
Fahrposition testen
Körpergröße, Lenkerhöhe, Trittbrettlänge und Lenkerbreite verändern das Fahrgefühl erheblich.
Gerade große Fahrer sollten nicht nur auf technische Daten schauen. Ein kurzer Lenker oder ein kleines Trittbrett kann selbst bei einem leistungsstarken Modell schnell unbequem werden.
Blinker und Beleuchtung bevorzugen
Auch wenn ältere zugelassene Fahrzeuge weiter genutzt werden dürfen, würde ich bei einem Neukauf nach Möglichkeit ein Modell mit gut sichtbaren Blinkern und heller, sinnvoll positionierter Beleuchtung wählen.
Blinker sind für mich kein Luxus. Sie reduzieren die Notwendigkeit, während der Fahrt eine Hand vom Lenker zu nehmen.
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Der private E-Scooter-Boom kann den Markt besser machen
Mehr private Käufer bedeuten mehr Nachfrage nach Qualität, Ersatzteilen und gutem Service.
Ein Sharing-Anbieter bestellt große Fahrzeugmengen nach eigenen Vorgaben. Ein privater Käufer vergleicht dagegen Reichweite, Komfort, Bremssysteme, Garantie und Preis. Er liest Erfahrungen, schaut Testvideos und bewertet das Fahrzeug öffentlich.
Das erhöht den Druck auf Hersteller.
Natürlich gibt es weiterhin Marken, die vor allem mit immer größeren Leistungsangaben werben. Doch langfristig werden sich aus meiner Sicht diejenigen Anbieter durchsetzen, die verlässliche Fahrzeuge, erreichbaren Service und langfristig lieferbare Ersatzteile anbieten.
Genau deshalb sind unabhängige Tests wichtig.
Ein Datenblatt verrät nicht, ob der Lenker nach 500 Kilometern Spiel bekommt, ob die Bremse im Regen gut dosierbar bleibt oder ob der Hersteller bei einem Defekt tatsächlich reagiert.
Wer unsere aufwendigen Tests und langfristigen Projekte direkt unterstützen möchte, kann dies über 🔥 Werde jetzt Kanalmitglied! 🔥 tun. Dadurch können wir Fahrzeuge länger testen und auch Probleme zeigen, die bei einer kurzen Probefahrt nicht auffallen.
Mein Fazit zum E-Scooter-Boom 2026
Der E-Scooter wird nicht mehr nur ausgeliehen. Er wird gekauft, gepflegt, versichert und in den persönlichen Alltag integriert.
Für mich ist das die entscheidende Entwicklung.
Das Fahrzeug löst nicht alle Verkehrsprobleme. Es ersetzt nicht automatisch das Auto, rettet nicht bei jeder Fahrt das Klima und bleibt ohne vernünftige Infrastruktur ein verletzliches Verkehrsmittel.
Auch die steigenden Unfallzahlen sind ein ernstes Warnsignal. Tuning, Fahrten auf Gehwegen, Alkohol und fehlende Helme dürfen nicht als harmlose Begleiterscheinungen abgetan werden.
Trotzdem wäre es falsch, den privaten E-Scooter-Boom nur aus der Perspektive umgekippter Leihroller zu betrachten.
Vier von fünf versicherten Fahrzeugen befinden sich inzwischen in Privatbesitz. Das bedeutet, dass die Realität des Marktes längst eine andere ist als das Bild, das viele Menschen weiterhin im Kopf haben.
Der private E-Scooter kann die Strecke zur Bahn verkürzen, den Arbeitsweg vereinfachen, Jugendlichen mehr Selbstständigkeit geben und kurze Autofahrten überflüssig machen. Er benötigt wenig Platz, ist vergleichsweise unkompliziert und macht vielen Menschen Spaß.
Aber er verlangt auch Verantwortung.
Wer einen E-Scooter fährt, ist kein Fußgänger mit Motor. Er nimmt mit einem Kraftfahrzeug am Straßenverkehr teil. Dazu gehören Rücksichtnahme, Wartung, Versicherung, ein technisch legales Fahrzeug und aus meiner Sicht immer ein Helm.
Ich sehe den aktuellen Boom deshalb weder euphorisch noch ablehnend.
Der E-Scooter wird gerade erwachsen. Ob daraus ein dauerhaft sinnvolles Verkehrsmittel oder nur die nächste kurzlebige Konsumwelle entsteht, entscheiden Hersteller, Politik, Städte und vor allem die Nutzer selbst.
Nach mehr als einem Jahrzehnt in der Elektromobilität bin ich aber überzeugt: Der E-Scooter wird nicht wieder verschwinden.
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob er zu unserer Mobilität gehört. Die Frage lautet, wie sicher, langlebig und vernünftig wir ihn integrieren.
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