CUBE startet Doppel-Rückruf: Carbon-Kurbeln brechen, Gabeln reißen
Der bayerische Fahrradhersteller CUBE aus Waldershof hat Anfang Mai 2026 einen umfangreichen Doppel-Rückruf gestartet, der mehrere tausend E-Bikes und Rennräder betrifft. Der Fahrradhersteller CUBE hat einen umfangreichen Rückruf für seine Hybrid-E-Bikes des Modelljahres 2026 eingeleitet. Parallel dazu müssen auch Carbon-Rennräder in die Werkstatt. Was zunächst nach Routine klingt, entwickelt sich zu einer der größten Rückrufaktionen der jüngeren Firmengeschichte – und wirft Fragen zur Qualitätskontrolle auf.
Die Nutzung betroffener Fahrräder muss leider ausnahmslos und ab sofort eingestellt werden, bis die betroffenen Kurbelarme ausgetauscht wurden! Diese drastische Warnung richtet sich an Besitzer beliebter CUBE-Modelle, die sich eigentlich auf die neue Fahrradsaison gefreut hatten.
Kurbelarme: Pedale können während der Fahrt abfallen
Die Rückrufaktion betrifft laut Herstellerangaben mehrere beliebte Modellreihen: Stereo Hybrid, Reaction Hybrid, AMS Hybrid, Kathmandu Hybrid und Nuroad Hybrid. Allen gemeinsam ist die Ausstattung mit ACID Carbon Hybrid Kurbelarmen, die vor dem 8. Mai 2026 ausgeliefert wurden. Insgesamt sollen 17 verschiedene Produkttypen betroffen sein.
Die Hauptgefahr liegt im Aluminium-Gewindeeinsatz der Pedalaufnahme: Dieser soll sich lösen oder ausbrechen können, wodurch das Pedal während der Fahrt abfallen kann. Was auf den ersten Blick nach einem mechanischen Detail klingt, kann dramatische Folgen haben: Bricht das Pedal während einer schnellen Abfahrt oder beim Anfahren im Straßenverkehr aus, drohen Stürze mit schweren Verletzungen.
Die betroffenen Kurbelarme haben die Längen 160, 165, 170 und 175 Millimeter. Wer unsicher ist, kann auf der eigens eingerichteten Rückrufseite unter cube.eu anhand der Rahmennummer – der sogenannten WOW-Nummer am Tretlager – prüfen, ob das eigene Bike betroffen ist.
Carbon-Gabel bei Rennrädern: Risse können tödlich enden
Als wäre ein Rückruf nicht genug, hat CUBE einen weiteren Rückruf für das Rennrad-Modell Agree C:62 der Modelljahre 2025 und 2026 bekanntgegeben. Bei diesen Fahrrädern kann es laut Hersteller zu Rissbildungen an der Carbongabel kommen. Der Grund: ein unzureichender Harzgehalt im Bereich der Bremsbefestigung, der die strukturelle Integrität der Gabel beeinträchtigt.
Hier wird es besonders ernst: Laut CUBE können Risse an der Carbongabel zu schweren bis tödlichen Verletzungen führen. Eine versagende Gabel bei hohen Geschwindigkeiten – auf einem Rennrad durchaus 40 bis 50 km/h – lässt kaum Reaktionszeit. Betroffen sind Modelle des Agree C:62, die vor dem 30. November 2025 ausgeliefert wurden.
Ersatzgabeln sollen ab Mitte Januar 2026 verfügbar sein; Inspektion und Austausch erfolgen kostenlos beim Fachhändler. Wer ein Agree C:62 besitzt, sollte das Rad bis zur Überprüfung ebenfalls nicht nutzen.
Wie läuft der Austausch ab? Carbon gegen Alu – plus Entschädigung
CUBE reagiert auf den Kurbelarm-Rückruf mit einer pragmatischen, aber nicht ganz unproblematischen Lösung: Als dauerhafte Lösung ersetzt Cube die Carbon-Kurbeln durch Aluminium-Kurbelarme. Das bedeutet einen Downgrade – von leichtem, steifem Carbon zu schwererem Aluminium. Für viele E-Bike-Käufer, die bewusst auf hochwertige Carbon-Komponenten gesetzt haben, ist das ein herber Rückschlag.
Immerhin: Weil das technisch ein Downgrade ist – von Carbon auf Alu –, erhalten alle betroffenen Kunden zusätzlich ein hochwertiges „ACID E-Bike-Frontlicht“ im Wert von rund 150 Euro als Entschädigung. Das kompensiert den Material-Nachteil zumindest teilweise, auch wenn Gewichtsfanatiker damit kaum zufrieden sein dürften.
Wer nicht auf Carbon verzichten möchte, hat eine Alternative: Cube bietet als Übergangslösung zunächst die Aluminium-Kurbeln an und tauscht sie später gegen die neuen Carbon-Kurbeln. Doch wer sich dafür entscheidet, sollte Geduld mitbringen: Der Hersteller rechnet mit bis zu 12 Monaten Wartezeit auf die neuen Carbon-Komponenten. Ein Jahr ohne E-Bike oder mit Alu-Kurbel – keine attraktive Perspektive für 2026.
Nicht der erste Rückruf: Ein Muster bei CUBE?
Für Cube ist es längst nicht der erste größere Rückruf. Bereits im Herbst 2025 mussten Fahrräder wegen möglicher Risse in Carbongabeln zurückgerufen werden. Zuvor gab es Probleme mit defekten Kurbelarmschrauben. Das wirft Fragen auf: Handelt es sich um Einzelfälle oder um ein strukturelles Qualitätsproblem?
Auch wenn das Unternehmen von keinem generellen Qualitätsproblem sprechen will und die Rückrufe als „präventiv notwendige Maßnahmen“ bezeichnet, wächst bei manchen Kunden die Verunsicherung. Drei größere Rückrufe innerhalb von zwei Jahren – das nagt am Vertrauen in eine Marke, die eigentlich für deutsche Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit steht.
Besonders kritisch: Bei Carbon-Komponenten handelt es sich um sicherheitsrelevante Bauteile. Anders als bei kosmetischen Mängeln oder elektronischen Defekten geht es hier um Teile, deren Versagen unmittelbar Leben gefährdet. Die Tatsache, dass CUBE in der Rückruf-Kommunikation explizit von „schweren bis tödlichen Verletzungen“ spricht, unterstreicht den Ernst der Lage.
Was Besitzer jetzt tun sollten
Wer ein CUBE E-Bike des Modelljahres 2026 oder ein Agree C:62 Rennrad besitzt, sollte sofort handeln. Der erste Schritt führt zur Rückrufseite des Herstellers unter cube.eu, wo die Rahmennummer überprüft werden kann. Diese findet sich in der Regel am Tretlager oder Unterrohr des Rahmens.
Ist das Rad betroffen, gilt: Der Hersteller rät betroffenen Kundinnen und Kunden dringend, ihr E-Bike ab sofort nicht mehr zu nutzen, da ein Versagen der Verbindung zwischen Kurbel und Pedal während der Fahrt zu Unfällen mit schweren Verletzungen und Sachschäden führen kann. Der nächste Schritt ist die Kontaktaufnahme mit dem Fachhändler, bei dem das Bike gekauft wurde. Der Austausch muss verpflichtend über autorisierte Cube-Fachhändler erfolgen.
Alle Reparaturen erfolgen kostenlos – CUBE übernimmt die vollständigen Kosten für Inspektion und Austausch. Kunden müssen lediglich Zeit und Geduld mitbringen, denn je nach Verfügbarkeit der Ersatzteile kann es mehrere Wochen dauern, bis das Rad wieder einsatzbereit ist.
Branchenproblem oder Einzelfall?
Der CUBE-Rückruf reiht sich ein in eine Serie von Qualitätsproblemen in der E-Bike-Branche. Die Corona-Boom-Jahre haben zu massiven Produktionssteigerungen geführt, gleichzeitig kämpfen viele Hersteller mit Lieferkettenproblemen und Kostendruck. Carbon-Komponenten, oft aus asiatischer Fertigung, werden immer mehr zur Standard-Ausstattung – nicht immer mit der nötigen Qualitätskontrolle.
Auch andere Hersteller haben 2025 und 2026 Rückrufe gestartet, etwa Trek wegen möglicher Sturzgefahr bei bestimmten FX+ und Electra Townie Go! Modellen. Die E-Bike-Branche wächst schneller, als die Qualitätssicherung hinterherkommt – eine gefährliche Kombination.
Für CUBE steht viel auf dem Spiel. Als einer der größten deutschen Fahrradhersteller mit starkem Fokus auf den E-Bike-Markt kann sich das Unternehmen wiederholte Sicherheitsprobleme nicht leisten. Die Konkurrenz von Canyon über Haibike bis zu internationalen Marken ist groß, und Kunden achten zunehmend auf Zuverlässigkeit und After-Sales-Service.
Fazit: Sicherheit geht vor – aber Vertrauen bröckelt
CUBE handelt mit dem sofortigen Rückruf verantwortungsvoll und kommuniziert transparent über die Gefahren. Die kostenlose Reparatur, die Entschädigung mit einem hochwertigen Frontlicht und die Option auf spätere Carbon-Nachrüstung zeigen, dass der Hersteller die Verantwortung ernst nimmt.
Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack: Wer im Frühjahr 2026 ein neues CUBE E-Bike für mehrere tausend Euro gekauft hat, steht plötzlich ohne Rad da – ausgerechnet zu Beginn der Fahrradsaison. Und die Häufung von Rückrufen innerhalb kurzer Zeit lässt die Frage aufkommen, ob die Qualitätskontrolle des Herstellers den eigenen Ansprüchen noch gerecht wird.
E-Bike-Interessenten sollten bei der Kaufentscheidung nicht nur auf Motorleistung, Reichweite und Design achten, sondern auch die Rückruf-Historie von Herstellern im Blick behalten. Und wer bereits ein betroffenes CUBE-Modell besitzt: Lieber ein paar Wochen zu Fuß oder mit dem alten Rad unterwegs sein, als mit brechenden Kurbeln oder reißenden Gabeln zu rechnen.
🔥 Werde jetzt Kanalmitglied! 🔥
https://www.youtube.com/channel/UC3yeO-6AM65HYwLMN0ST7ZQ/join
Scooterhelden abonnieren
https://youtube.com/@scooterhelden?sub_confirmation=1
NEWS & GUTSCHEINE
https://scooterhelden.de/gutscheine/
