E-Scooter-Unfälle verdoppeln sich: Jetzt kommt die Gefährdungshaftung
Die Zahlen sind alarmierend: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ereigneten sich 2025 insgesamt 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten, bei denen 38 Menschen ums Leben kamen. Im Jahr 2022 waren es noch 8.341 Unfälle mit Personenschaden. Innerhalb von nur drei Jahren hat sich die Zahl der Unfälle mit E-Scootern also nahezu verdoppelt. Parallel dazu wächst der Bestand rasant: Nach den aktuellen Kfz-Statistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren Ende 2025 rund 1,66 Millionen E-Scooter versichert. Zum Vergleich: 2022 lag die Zahl noch bei knapp 764.000 Fahrzeugen. Damit hat sich der Bestand innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.
Die Politik reagiert nun: Die Versicherungsbranche fordert die Einführung einer Gefährdungshaftung für E-Scooter-Fahrer, die Geschädigten deutlich bessere Ansprüche einräumen würde. Ein Blick auf die Details der Unfallstatistik zeigt, warum diese Diskussion längst überfällig ist.
Warum die Unfallzahlen so dramatisch steigen
Die pure Verdopplung der Unfallzahlen lässt sich nicht allein durch den gewachsenen Bestand erklären. Zwar sind heute doppelt so viele E-Scooter unterwegs wie 2022, doch die Unfallschwere nimmt ebenfalls zu. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl der Todesopfer bei E-Roller-Unfällen von 11 auf 27 mehr als verdoppelt. Das bedeutet: Pro versichertem Fahrzeug ist das Risiko, schwer zu verunglücken oder gar zu sterben, gestiegen.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung im Jahr 2024. Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden stieg 2024 um 26,7 Prozent auf insgesamt 11.944 Unfälle. Dieser Anstieg von über einem Viertel innerhalb nur eines Jahres zeigt, dass sich die Situation verschärft, nicht etwa normalisiert. Experten führen dies auf mehrere Faktoren zurück: Die steigende Zahl privat genutzter Scooter, zunehmendes Fahren unter Alkoholeinfluss und mangelnde Verkehrserfahrung der Nutzer.
48,6 Prozent der verunglückten E-Scooter-Fahrenden waren jünger als 25 Jahre, 82 Prozent immer noch jünger als 45 Jahre. Das zeigt deutlich: E-Scooter werden vor allem von jungen Menschen genutzt – oft als erste motorisierte Verkehrsteilnehmer ohne vorherige Fahrausbildung. Genau hier liegt ein strukturelles Problem.
Alkohol und Gehwege: Die häufigsten Unfallursachen
Hauptursachen: Häufigste Unfallursachen waren die falsche Fahrbahnnutzung und das Fahren unter Alkoholeinfluss. Diese beiden Faktoren dominieren die Unfallstatistik mit erschreckender Deutlichkeit. Bei 18 Prozent aller erfassten Fehlverhalten war Alkohol im Spiel – ein für Fahrzeuge im Straßenverkehr außergewöhnlich hoher Wert.
Das Problem: Viele Nutzer unterschätzen den E-Scooter als Verkehrsmittel. Anders als beim Auto oder Motorrad wird der elektrische Tretroller häufig spontan genutzt, etwa nach einem Kneipenbesuch. Die 0,5-Promille-Grenze gilt jedoch genauso wie für Autofahrer. Wer mit mehr Alkohol im Blut fährt, riskiert nicht nur Bußgelder, Punkte und Fahrverbote, sondern vor allem schwere Unfälle.
Die falsche Fahrbahnnutzung ist das zweite Hauptproblem. Viele E-Scooter-Fahrer nutzen Gehwege, obwohl diese tabu sind. Erlaubt sind ausschließlich Radwege und – falls keine vorhanden – die Fahrbahn. Auf Gehwegen gefährden E-Scooter-Fahrer nicht nur sich selbst, sondern vor allem Fußgänger. Kollisionen mit älteren Menschen oder Kindern enden oft mit schweren Verletzungen der ungeschützten Fußgänger.
Sharing vs. privat: Wer baut mehr Unfälle?
Ein interessanter Aspekt der GDV-Statistik ist die Unterscheidung zwischen privaten und gemieteten E-Scootern. Im Jahr 2025 kamen bei privaten Fahrzeugen sechs Haftpflichtschäden auf 1.000 versicherte E-Scooter. Bei Leih-Scootern lag die Quote mit 13 Schäden je 1.000 Fahrzeuge mehr als doppelt so hoch. Sharing-Scooter sind also deutlich unfallträchtiger als private Modelle.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Leih-Scooter werden oft spontan und ohne Eingewöhnung genutzt. Viele Nutzer steigen zum ersten Mal auf einen E-Scooter und unterschätzen das Fahrverhalten, die Bremswege und die Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Private Besitzer dagegen kennen ihr Fahrzeug, haben oft eine gewisse Routine und fahren tendenziell vorsichtiger – schließlich geht es um das eigene, oft mehrere hundert Euro teure Gerät.
Insgesamt registrierten die Versicherer 2025 rund 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern. Das bedeutet: Im Schnitt verursacht jeder 140. E-Scooter pro Jahr einen Haftpflichtschaden. Bei Leih-Scootern ist es sogar jeder 77. Diese Quote liegt deutlich höher als bei Fahrrädern oder E-Bikes.
Die Gefährdungshaftung: Was sich für Geschädigte ändert
Als Reaktion auf die steigenden Unfallzahlen fordert die Versicherungswirtschaft die Einführung einer Gefährdungshaftung für E-Scooter. Bislang müssen Geschädigte nachweisen, dass der Fahrer den Schaden schuldhaft verursacht hat. Mit der vorgesehenen Gefährdungshaftung soll künftig in der Regel bereits der Nachweis genügen, dass der Schaden beim Betrieb eines E-Scooters entstanden ist.
Das wäre eine fundamentale Änderung. Bislang gilt für E-Scooter-Fahrer die sogenannte Verschuldenshaftung: Wer Schadensersatz fordert, muss beweisen, dass der Fahrer einen Fehler gemacht hat – etwa zu schnell gefahren ist, Vorfahrt missachtet hat oder unter Alkoholeinfluss stand. Bei Unfällen ist dieser Nachweis oft schwierig, besonders wenn keine Zeugen vorhanden sind.
Die Gefährdungshaftung dreht die Beweislast um. Ähnlich wie beim Auto würde dann gelten: Wer ein motorisiertes Fahrzeug im Straßenverkehr nutzt, haftet grundsätzlich für Schäden, die beim Betrieb entstehen – unabhängig vom konkreten Verschulden. Der E-Scooter-Fahrer müsste dann nachweisen, dass ihn kein Verschulden trifft, nicht umgekehrt. Für Geschädigte würde das den Zugang zu Schadensersatz und Schmerzensgeld erheblich erleichtern.
Die Reform wird derzeit auf politischer Ebene diskutiert. Die Versicherungswirtschaft argumentiert, dass E-Scooter mit 20 km/h Höchstgeschwindigkeit und dem typischen Nutzungsverhalten eher Kraftfahrzeugen als Fahrrädern ähneln. Kritiker befürchten dagegen stark steigende Versicherungsprämien, die E-Scooter als umweltfreundliche Alternative unattraktiv machen könnten.
Großstädte als Unfallschwerpunkt
Die regionale Verteilung der Unfälle ist eindeutig: E-Scooter sind ein urbanes Phänomen, und dort konzentrieren sich auch die Unfälle. Die Destatis-Zahlen zeigen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Unfälle in größeren Städten ereignet. In Metropolen mit über 500.000 Einwohnern passiert fast die Hälfte aller E-Scooter-Unfälle.
Das liegt zum einen am dichten Verkehr und den komplexen Verkehrssituationen in Innenstädten. Kreuzungen, Radwege, Fußgängerzonen, parkende Autos und Busspuren erfordern ständige Aufmerksamkeit und Erfahrung. Viele E-Scooter-Fahrer sind damit überfordert. Zum anderen ist in Großstädten die Dichte an Sharing-Anbietern besonders hoch. Die spontane Verfügbarkeit führt dazu, dass auch unerfahrene oder angetrunkene Personen zugreifen.
Städte wie Berlin, München, Hamburg und Köln reagieren zunehmend mit strengeren Regeln. Parkverbotszonen, Geschwindigkeitsbegrenzungen in bestimmten Bereichen und reduzierte Sharing-Lizenzen sollen die Situation entschärfen. Ob das ausreicht, ist fraglich. Die Unfallzahlen steigen trotz dieser Maßnahmen weiter.
Helmpflicht: Die ewige Diskussion
Denn wie beim Fahrrad gibt es auch für Fahrten mit dem Elektroroller keine Helmpflicht. Diese Tatsache wird in der Debatte um E-Scooter-Sicherheit immer wieder thematisiert. Anders als bei Mofas oder E-Rollern ab 25 km/h besteht für E-Scooter keine gesetzliche Helmpflicht. Fachleute sind sich einig, dass ein Helm schwere Kopfverletzungen deutlich reduzieren würde – doch eine politische Mehrheit für eine Helmpflicht gibt es nicht.
Die Argumente ähneln denen bei Fahrrädern: Kritiker befürchten, dass eine Helmpflicht die Nutzung unattraktiv macht und dem Gedanken der spontanen urbanen Mobilität widerspricht. Befürworter verweisen auf die hohe Zahl schwerer Kopfverletzungen und die Tatsache, dass E-Scooter mit 20 km/h deutlich schneller sind als normale Fahrräder im Stadtverkehr.
Ein Kompromiss könnte eine verpflichtende Helmausgabe bei Sharing-Diensten sein oder steuerliche Anreize für Helmträger. Bislang setzen die Anbieter nur auf Empfehlungen in ihren Apps – mit überschaubarem Erfolg. Nach Schätzungen tragen weniger als zehn Prozent der E-Scooter-Fahrer einen Helm.
Was E-Scooter-Fahrer jetzt beachten müssen
Wer sicher E-Scooter fahren will, sollte einige Grundregeln beherzigen. Erstens: Nur auf Radwegen und der Fahrbahn fahren, niemals auf Gehwegen. Zweitens: Die 0,5-Promille-Grenze ernst nehmen – Alkohol und E-Scooter passen nicht zusammen. Drittens: Einen Helm tragen, auch wenn es keine Pflicht ist. Die kleinen Räder und der hohe Schwerpunkt machen E-Scooter instabiler als Fahrräder, Stürze sind häufiger und oft folgenschwerer.
Viertens: Vor der ersten Fahrt mit einem Leih-Scooter die Bremsen testen und sich mit der Bedienung vertraut machen. Fünftens: Defensiv fahren und vorausschauend bremsen. Die meisten E-Scooter haben relativ schwache Bremsen und lange Bremswege. Sechstens: Zu zweit auf einem Scooter ist nicht nur verboten, sondern lebensgefährlich. Die Fahrzeuge sind dafür nicht konstruiert, und das Unfallrisiko steigt dramatisch.
Für private Besitzer gilt außerdem: Die Versicherungspflicht ernst nehmen. Ohne gültige Haftpflichtversicherung drohen bei Kontrollen hohe Bußgelder. Die Versicherungsplakette muss gut sichtbar am Fahrzeug angebracht sein. Und: Regelmäßige Wartung ist Pflicht. Bremsen, Beleuchtung und Reifen müssen in einwandfreiem Zustand sein.
Fazit: E-Scooter brauchen neue Regeln
Die Verdopplung der Unfallzahlen in nur drei Jahren zeigt: E-Scooter sind gekommen, um zu bleiben – aber die rechtlichen Rahmenbedingungen hinken der Realität hinterher. Die geplante Gefährdungshaftung ist ein richtiger Schritt, um Geschädigte besser zu schützen. Sie allein wird die Unfälle aber nicht verhindern.
Nötig ist ein Maßnahmenpaket: Bessere Aufklärung der Nutzer, strengere Kontrollen gegen Alkoholfahrten und Gehwegnutzung, verpflichtende Sicherheitschecks bei Sharing-Scootern und möglicherweise doch eine Helmpflicht. Die Alternative wäre, die steigenden Opferzahlen hinzunehmen – ein Preis, den eine moderne Verkehrspolitik nicht akzeptieren sollte.
Bis dahin bleibt die Verantwortung bei jedem einzelnen Fahrer. Wer mit Verstand fährt, nüchtern bleibt und einen Helm trägt, kann das Unfallrisiko drastisch senken. Die Statistik zeigt: E-Scooter sind praktisch, umweltfreundlich und beliebt. Sicher sind sie erst, wenn alle Beteiligten die Risiken ernst nehmen.
Quelle: PR Agent – E-Scooter-Boom: Unfallzahlen verdoppeln sich, heise online – Gefährlicher Hype: Das unterschätzte Unfallrisiko von E-Scootern
🔥 Werde jetzt Kanalmitglied! 🔥
https://www.youtube.com/channel/UC3yeO-6AM65HYwLMN0ST7ZQ/join
Scooterhelden abonnieren
https://youtube.com/@scooterhelden?sub_confirmation=1
NEWS & GUTSCHEINE
https://scooterhelden.de/gutscheine/
