16.496 E-Scooter-Unfälle in einem Jahr – ADAC zeigt, wo es besonders gefährlich wird
Die Zahl der E-Scooter-Unfälle in Deutschland hat 2025 eine besorgniserregende Marke erreicht: 16.496 Unfälle mit Personenschaden, an denen ein E-Scooter beteiligt war – 38,1 Prozent mehr als 2024. 38 Menschen kamen dabei ums Leben, 1.895 wurden schwer und 16.184 leicht verletzt. Die ADAC Unfallforschung hat heute, am 10. September 2026, eine umfassende Auswertung zu Unfallursachen und Verletzungsmustern bei E-Scootern veröffentlicht. Die Analyse offenbart nicht nur einen dramatischen Anstieg der Unfallzahlen, sondern zeigt erstmals detailliert, welche Verletzungen besonders häufig auftreten und welche Rolle Alkohol dabei spielt.
Während sich der Bestand an versicherten E-Scootern in Deutschland von 2022 bis Ende 2025 auf rund 1,66 Millionen mehr als verdoppelt hat, ist die Zahl der Unfälle überproportional gestiegen. Binnen vier Jahren fast dreimal so viele wie 2021 – eine Entwicklung, die Städte, Versicherer und Verkehrssicherheitsexperten gleichermaßen alarmiert.
Fast die Hälfte der Verunglückten ist unter 25
Besonders betroffen von der Unfallentwicklung sind junge Nutzer. Fast die Hälfte aller verunglückten E-Scooter-Fahrer ist unter 25. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In Nordrhein-Westfalen verunglückten im Jahr 2025 insgesamt 4.456 E-Scooter-Fahrer, was einer Steigerung von 46,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das größte Bundesland liegt damit noch einmal deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.
Die ADAC-Studie hat erstmals systematisch ausgewertet, welche Verletzungen bei E-Scooter-Unfällen besonders häufig auftreten. Anders als Autofahrer haben E-Scooter-Nutzer bei Kollisionen kaum Schutz: Keine Karosserie, keine Knautschzone. Die Folgen sind entsprechend gravierend. Typische Verletzungsmuster umfassen Kopfverletzungen, Knochenbrüche an Armen und Beinen sowie Schürfwunden. Die geringe Größe der Räder und der hohe Schwerpunkt machen E-Scooter besonders anfällig für Stürze bei Bordsteinkanten, Schlaglöchern oder unebenen Oberflächen.
Alkohol spielt bei jedem fünften Unfall eine Rolle
Ein zentrales Ergebnis der ADAC-Untersuchung betrifft den Alkoholeinfluss: Bei einem erheblichen Anteil der schweren Unfälle war Alkohol im Spiel. E-Scooter gelten vielen Nutzern als unkompliziertes Fortbewegungsmittel für die Heimfahrt nach dem Ausgehen – ein fataler Irrtum. Für E-Scooter gelten dieselben Promillegrenzen wie für Autofahrer: 0,5 Promille als Grenze, ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit. Doch die niedrige Einstiegshürde und die Verfügbarkeit von Sharing-Scootern rund um die Uhr fördern riskantes Verhalten.
Die Schadenstatistik der Versicherer zeigt deutliche Unterschiede zwischen privaten und gemieteten E-Scootern. Im Jahr 2025 kamen bei privaten Fahrzeugen sechs Haftpflichtschäden auf 1.000 versicherte E-Scooter. Bei Leih-Scootern lag die Quote mit 13 Schäden je 1.000 Fahrzeuge mehr als doppelt so hoch. Insgesamt registrierten die Versicherer 2025 rund 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern. Die höhere Unfallquote bei Sharing-Fahrzeugen wird auf fehlende Vertrautheit mit dem konkreten Gerät, spontane Nutzung ohne Vorbereitung und häufigeren Alkoholeinfluss zurückgeführt.
Städte reagieren mit Verbotszonen und Sanktionen
Als Reaktion auf die steigenden Unfallzahlen und Beschwerden von Anwohnern verschärfen immer mehr Städte ihre Regeln. Mehrere österreichische Städte haben im September 2026 neue Verbotszonen eingeführt. In Deutschland diskutieren Kommunen ähnliche Maßnahmen, insbesondere für Fußgängerzonen und stark frequentierte Innenstadtbereiche.
Die Politik bereitet zudem rechtliche Änderungen vor. Ein zentraler Punkt ist die Einführung einer Gefährdungshaftung für E-Scooter. Bislang müssen Geschädigte nachweisen, dass der Fahrer den Schaden schuldhaft verursacht hat. Mit der vorgesehenen Gefährdungshaftung soll künftig in der Regel bereits der Nachweis genügen, dass der Schaden beim Betrieb eines E-Scooters entstanden ist. Diese Änderung würde E-Scooter rechtlich anderen motorisierten Fahrzeugen gleichstellen und die Beweislast erheblich verschieben.
DVR startet bundesweite Jugendkampagne 2026–2028
Um der Unfallentwicklung entgegenzuwirken, hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) gemeinsam mit Unfallkassen und Berufsgenossenschaften eine dreijährige Jugendaktion gestartet. Die Kampagne 2026–2028 richtet sich gezielt der Verkehrssicherheitsprävention für junge Menschen und setzt an einem kritischen Übergangspunkt in der Mobilitätsbiografie an, da Jugendliche beginnen, sich zunehmend unabhängig mit motorisierten Kleinfahrzeugen im öffentlichen Raum zu bewegen.
Die Initiative kombiniert verschiedene Ansätze: Zentraler Bestandteil sind fachspezifische Workshops und praxisnahe Sicherheitstrainings, die direkt in den Schulalltag integriert werden können. Die Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7, also genau jene Altersgruppe, die mit 14 Jahren erstmals legal E-Scooter fahren darf und statistisch besonders unfallgefährdet ist. Ergänzt wird die Präventionsarbeit durch Online-Kampagnen in sozialen Medien, um Jugendliche in ihrer Lebenswelt zu erreichen.
Was private Nutzer jetzt beachten sollten
Die drastisch gestiegenen Unfallzahlen machen deutlich: E-Scooter sind keine harmlosen Spielzeuge, sondern Kraftfahrzeuge, die Verkehrskompetenz und Verantwortungsbewusstsein erfordern. Wer die Unfallstatistik nicht weiter befeuern will, sollte einige grundlegende Sicherheitsregeln beachten.
Erstens: Einen Helm tragen, auch wenn keine Helmpflicht besteht. Die ADAC-Auswertung zeigt eindeutig, dass Kopfverletzungen zu den häufigsten schweren Folgen gehören. Zweitens: Alkohol und E-Scooter sind keine gute Kombination. Die 0,5-Promille-Grenze gilt ohne Ausnahme, und bei Unfällen drohen dieselben Konsequenzen wie beim Autofahren – bis hin zum Führerscheinentzug. Drittens: Vor der ersten Fahrt mit einem unbekannten Scooter kurz anhalten und die Bremsen testen. Gerade bei Sharing-Fahrzeugen variiert die Bremsleistung erheblich.
Viertens: Defensiv fahren und Geschwindigkeit anpassen. 20 km/h fühlen sich auf einem E-Scooter deutlich schneller an als im Auto. Fünftens: Gehwege sind tabu, auch wenn sie noch so leer erscheinen. Nach einem aktuellen Urteil müssen Fahrer bei Verstoß mit empfindlichen Strafen rechnen. Sechstens: Gerade bei Dunkelheit und Nässe steigt das Unfallrisiko. Wer abends unterwegs ist, sollte zusätzlich zur Beleuchtung helle oder reflektierende Kleidung tragen.
Ausblick: Wird die Regulierung weiter verschärft?
Die aktuellen Zahlen dürften die politische Diskussion über strengere Regeln für E-Scooter neu befeuern. Im Gespräch sind neben der Gefährdungshaftung auch eine verpflichtende Helmpflicht, strengere Alkoholgrenzwerte oder gar ein Mindestalter von 16 statt 14 Jahren. Sharing-Anbieter stehen unter Druck, ihre Nutzer besser zu instruieren und technische Maßnahmen gegen Alkoholfahrten zu entwickeln.
Einige Städte experimentieren bereits mit Geschwindigkeitsbegrenzungen in bestimmten Zonen, die technisch über Geofencing durchgesetzt werden. Die Sharing-Scooter drosseln dann automatisch auf 15 oder 10 km/h. Ob solche Maßnahmen auch für private E-Scooter kommen, ist offen – technisch wären sie über verpflichtende GPS-Module und Software-Updates umsetzbar.
Fest steht: Die E-Scooter-Branche befindet sich an einem Wendepunkt. Nach Jahren des rasanten Wachstums zeigt die Unfallstatistik 2025 unmissverständlich, dass es so nicht weitergehen kann. Ob die Kombination aus Prävention, Technik und Regulierung die Zahlen wieder senken kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die DVR-Kampagne läuft bis 2028 – dann wird sich zeigen, ob die Investition in Aufklärung Früchte trägt oder ob der Gesetzgeber zu härteren Mitteln greifen muss.
Mehr Informationen zur ADAC-Studie finden Sie auf adac.de. Details zur DVR-Jugendkampagne sind unter dvr.de verfügbar.
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