Microlino Lite lässt sich für 690 Euro auf 90 km/h freischalten
Der Schweizer Hersteller Micro schreibt Geschichte: Seit Februar 2026 können Käufer des Microlino Lite in Deutschland und Österreich ihr Fahrzeug für 690 Euro per Software-Upgrade von 45 km/h auf 90 km/h aufrüsten. Damit ist der elektrische Bubble-Car das erste Leichtelektromobil, das sich an veränderte Lebenssituationen seiner Nutzer anpasst – ohne dass ein neues Fahrzeug gekauft werden muss.
Der Microlino Lite ist ab 15 Jahren mit Führerschein der Klasse AM fahrbar. Mit dem späteren Erwerb des B-Führerscheins kann das bestehende E-Auto nun technisch und zulassungsseitig auf die 90-km/h-Version aufgerüstet werden. Das betrifft nicht nur die Software: Die Fahrzeugklasse ändert sich von L6e (Leicht-Quadricycle) zu L7e (Schwer-Quadricycle), was eine komplette Umschreibung der Zulassung erfordert.
Wie das Upgrade funktioniert – und was es kostet
Das Software-Upgrade kostet 690 Euro und wird über einen autorisierten Micro-Partner durchgeführt. Technisch ist die Basis bereits vorhanden: Der Microlino Lite teilt sich Antriebsstrang und Batterie mit dem regulären Microlino, lediglich die Motorsteuerung begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 45 km/h. Das Upgrade hebt diese Begrenzung auf und gibt die volle Leistung frei.
Die Prozedur umfasst zwei Schritte: Zunächst wird die Software des Fahrzeugs aktualisiert, anschließend muss die Zulassung bei der zuständigen Behörde geändert werden. Damit sei der Microlino das erste Fahrzeug seiner Kategorie, das sich an veränderte Lebenssituationen seiner Nutzer anpassen könne – „ohne Fahrzeugwechsel“, so der Schweizer Hersteller. Das Konzept richtet sich vor allem an junge Käufer, die mit 15 Jahren den AM-Führerschein machen und später auf den B-Führerschein umsteigen.
Technische Daten und Reichweite bleiben gleich
Am Antriebsstrang selbst ändert sich durch das Upgrade nichts. Der Microlino Lite nutzt denselben 12,5-kW-Motor wie die 90-km/h-Variante, die Akkuoptionen bleiben identisch. Das Bordladegerät ermöglicht mit einer Leistung von 2,2 kW eine Ladezeit von zwei Stunden für 80 Prozent der Batteriekapazität. Für 2000 Euro Aufpreis gibt es eine 11-kW-Batterie für bis zu 200 Kilometer pro Ladung.
Die Reichweite liegt je nach Batterie-Variante zwischen 93 und 228 Kilometern nach WLTP. Geladen wird über eine gewöhnliche Haushaltssteckdose oder an öffentlichen Ladesäulen. Der Microlino verzichtet bewusst auf Schnellladefähigkeit – bei Stadtfahrten und einem so kleinen Akku ist das laut Hersteller nicht nötig.
Preisvergleich: Lite oder direkt die schnelle Variante?
Mit ab Werk 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und 228 Kilometer Reichweite sowie erweiterter Ausstattung kostet der reguläre Microlino ab 19.490 Euro. Der Microlino Lite startet deutlich günstiger – genaue Preise nennt Micro nicht offiziell, Branchenquellen sprechen von rund 15.000 Euro für die Basisversion. Addiert man die 690 Euro für das Upgrade, bleibt eine Ersparnis von mehreren tausend Euro gegenüber dem direkten Kauf der 90-km/h-Variante.
Allerdings gibt es einen Haken: Die L6e-Version bietet weniger Ausstattung als die L7e-Variante ab Werk. Wer von Anfang an weiß, dass er 90 km/h fahren möchte, sollte daher genau rechnen, welche Option sich lohnt. Das Upgrade-Konzept ist vor allem für diejenigen interessant, die wirklich erst mit AM-Führerschein einsteigen und später aufstocken möchten.
Carsharing, Leasing, Abo: Micro testet neue Vertriebswege
Parallel zum Software-Upgrade weitet Micro die Verfügbarkeit des Microlino in Deutschland aus. Das E-Leichtfahrzeug Microlino ist ab Juni 2026 in Deutschland im Privatkunden-Leasing erhältlich. Als Finanzierungspartner hat Hersteller Micro die Creditplus Bank gewonnen. Die Möglichkeit des Leasings soll helfen, den Microlino noch besser in Deutschland zu etablieren.
In der Schweiz geht man noch einen Schritt weiter: Mobility und Micro spannen zusammen. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen herausfinden, ob elektrische Mikroautos ein Bedürfnis bei der Kundschaft decken und sich im Carsharing-Alltag bewähren. Dazu werden am Bahnhof Oerlikon-Zürich drei Microlino-Fahrzeuge stationiert. Diese sind ab Juli 2026 exklusiv für Mobility-Kundinnen und Kunden buchbar – in der neuen Kategorie Micro.
Das Projekt ist ein Testballon: Funktionieren Kleinstelektromobile im Sharing-Alltag? Und rechtfertigt der geringere Platzbedarf (drei Microlinos passen auf zwei Parkplätze) die Einschränkungen bei Platz und Komfort? Die Antwort wird zeigen, ob das Konzept über die Nische hinauswächst.
Produktion läuft an: 5000 Einheiten aus Turin
Im August 2026 hat die AMFI Factory in Turin den 5000. Microlino gefertigt. Das klingt nach wenig für ein Fahrzeug, das seit 2022 auf dem Markt ist – zeigt aber auch die Herausforderungen von Nischenfahrzeugen. Der Microlino ist ein vierrädriger elektrischer Bubble-Car, der seit 2022 von Micro Mobility Systems in einer eigenen Fabrik in Turin, Italien, produziert wird.
Das Design erinnert nicht zufällig an die BMW Isetta aus den 1950er Jahren: Der Microlino wurde 2022 vorgestellt und an die ersten Kunden in der Schweiz ausgeliefert. Bei dem Modell handelt es sich um ein in der Schweiz entwickeltes und im italienischen Turin gebautes Elektro-Leichtfahrzeug mit vier Rädern. Das Design erinnert dabei stark an die legendäre Knutschkugel-Optik der BMW Isetta, die von 1955 bis 1962 gebaut wurde.
Kritik: Zu teuer für ein L7e ohne Auto-Sicherheitsnormen?
So charmant das Konzept ist – die Preisgestaltung stößt auf Kritik. Ein Kommentator auf electrive.net bringt es auf den Punkt: „Ein L7e-Fahrzeug, welches keine Auto-Sicherheitsnormen erfüllen muss und mit 90 km/h sowie einem WLTP von 228 km versucht, gegen ‚echte‘ PKW wie z.B. einen Fiat 500e, Kia EV2, MG4 bis hin zu einem Opel Grandland anzutreten. Alle im Leasingmarkt dank eFörderung günstiger“.
Das Dilemma ist real: Als L7e-Fahrzeug muss der Microlino keine Crashtest-Normen für PKW erfüllen, hat weder Airbags noch ESP, keine Knautschzone im klassischen Sinne. Gleichzeitig kostet er fast so viel wie ein echter Kleinwagen – und der bietet mehr Platz, mehr Sicherheit, mehr Reichweite. Die Frage ist also: Wer zahlt 15.000 bis 20.000 Euro für ein Fahrzeug, das vor allem Sympathie und Parkplatz-Effizienz bietet?
Fazit: Cleveres Konzept für eine schmale Zielgruppe
Das Software-Upgrade ist eine technisch elegante Lösung für ein reales Problem: Jugendliche, die mit 15 Jahren mobil sein wollen, aber nicht auf ein lebenslang auf 45 km/h begrenztes Fahrzeug festgelegt sein möchten. Sobald der Führerschein der Klasse B erworben wurde, kann der bestehende Microlino technisch aufgerüstet werden, anstatt ein neues Fahrzeug kaufen zu müssen. Dies schont nicht nur den Geldbeutel, sondern verlängert auch nachhaltig den Lebenszyklus des Produkts.
Ob sich das Konzept durchsetzt, hängt weniger an der Technik als am Preis. 15.000 Euro für ein L6e-Fahrzeug ohne Wetterbeständigkeit, ohne Kofferraum, ohne Crash-Sicherheit – das muss man sich leisten wollen und können. Wer den Microlino als urbanes Lifestyle-Produkt begreift, findet ein durchdachtes Angebot. Wer rational vergleicht, wird eher zum gebrauchten Kleinwagen greifen.
Das Software-Upgrade selbst ist dennoch bemerkenswert: Es zeigt, dass auch Kleinsthersteller digitale Upgradeability umsetzen können – ein Trend, den bisher vor allem Tesla und die großen OEMs vorantreiben. Micro beweist: Auch in der Nische geht Over-the-Air, wenn man es will. Und das ist eine gute Nachricht für alle, die auf langlebige, anpassungsfähige Mobilität setzen.
Weitere Informationen zum Microlino und dem Software-Upgrade finden sich auf der offiziellen Webseite von Micro Mobility Systems.
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